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19. Dezember 2014 / Sicherheit

Spielzeug­richtlinien in Deutschland – eine Übersicht

von Rainer Weiskirchen

Am 20 Juli 2011 trat die neue Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG in Kraft und löste damit die alte Richtlinie 88/378/EWG ab. In Deutschland wird die neue Spielzeugrichtlinie durch die „Zweite Verordnung zum Geräte – und Produktsicherheitsgesetz" (2. GPSGV) in nationales Recht umgesetzt. Die Übergangsfrist für die chemischen Sicherheitsanforderungen endete zum 19. Juli 2013.

Entscheidende Änderungen für die chemischen Anforderungen ergaben sich für folgende Punkte:

  • während nach der alten Spielzeugrichtlinie nur die Migration von 8 Elementen untersucht wurde, erweiterte sich das Spektrum auf insgesamt 17 Elemente.
  • Zusätzlich muss bei der Migration von Chrom aufgrund des unterschiedlichen toxikologischen Potentials zwischen Chrom III und Chrom VI unterschieden werden.
  • Außerdem ist die Abgabe von zinnorganischen Verbindungen mit einem Migrationsgrenzwert belegt.

Für diese Elemente möchte Deutschland jedoch die „alten“ Grenzwerte beibehalten.

  • Antimon
  • Arsen
  • Quecksilber
  • Barium
  • Blei

Ein endgültiges Urteil steht momentan noch aus.

Absenkung bei Cadmium und Blei

Allerdings werden die Grenzwerte einiger Elemente ohnehin neu diskutiert. Die Grenzwerte für Cadmium wurden bereits aufgrund aktueller toxikologischer Bewertungen abgesenkt. Auch der Bleigrenzwert wird möglicherweise in absehbarer Zeit gesenkt. Im Wesentlichen dürften davon die Hersteller von Spielzeug betroffen sein, bei dem Kaolin zum Einsatz kommt. Das wäre beispielsweise bei Buntstiftminen der Fall. Hier stehen die Hersteller vor einer besonderen Herausforderung, da es nur wenige Anbaugebiete gibt, die Kaolinschichten mit einer geringen Bleibelastung aufweisen.

Auch eine deutliche Absenkung des Grenzwertes von Chrom VI um einen Faktor von über 20 steht zur Diskussion. Da bereits die Überprüfung der bestehenden Grenzwerte eine analytische Herausforderung darstellt, dürfte eine Überprüfung noch niedrigerer Grenzwerte in absehbarer Zeit kaum möglich sein.

Kategorien bei Grenzwerten beachten

Neu ist auch, dass es drei Kategorien für Spielzeugmaterialien gibt, die nach unterschiedlichen Grenzwerten zu bewerten sind:

  1. trockene, brüchige, staubförmige und geschmeidige Spielzeugmaterialien wie z.B. Kreiden, Buntstiftminen und Modelliermassen,
  2. flüssige oder haftende Spielzeugmaterialien wie z.B. flüssige Farben, Fingermalfarben und Klebstifte
  3. alle abgeschabten Materialien wie z.B. Beschichtungen, Kunststoffe, Papier und Textilien

Kennzeichnung bei Duftstoffen

Aber die neue Richtlinie brachte noch weitere Änderungen. Stoffe die in bestimmten Kategorien als karzinogen, mutagen oder reproduktionstoxisch eingestuft sind, dürfen in Spielzeug nicht verwendet werden.1 Die in der Richtlinie vorgesehenen Grenzwerte für diese Stoffe beruhen auf Grenzwerten, die im Chemikalienrecht festgelegt wurden. Weiterhin werden insgesamt 55 allergene Duftstoffe genannt, die in Spielzeug nicht verwendet werden dürfen. Ausnahme:

  • Restgehalte bis zu 100 mg/kg dürfen im Spielzeugmaterial vorhanden sein, wenn dies technisch nicht vermeidbar ist.

Bei weiteren 11 allergen Duftstoffen ist der Einsatz in Spielzeugen erlaubt. Einzige Bedingung: der Duftstoff muss gekennzeichnet werden, wenn mehr als 100 mg/kg zugesetzt werden.

Richtwerte bei Spielzeug für Kleinkinder

Bei Spielzeugen für Kinder unter 36 Monaten und Spielsachen, die in den Mund gesteckt werden sollen, müssen folgende Werte beachtet werden:

  • Nitrosamine dürfen nicht verwendet werden, wenn die Migration der Stoffe 0,05 mg/kg entspricht oder diesen Wert überschreitet.
  • Nitrosierbare Stoffe sind nicht erlaubt, wenn die Migration der Stoffe 1 mg/kg entspricht oder diesen Gehalt überschreitet.

Abweichend von der Richtlinie sind die nationalen Anforderungen in Deutschland deutlich strenger. So gelten die oben genannten Grenzwerte nur für Luftballons. Für Spielzeug aus Natur- und Synthesekautschuk für Kinder bis zu 36 Monaten, das bestimmungsgemäß oder vorhersehbar in den Mund genommen wird, gilt ein Grenzwert von 0,01 mg/kg für Nitrosamine und 0,1 mg/kg für nitrosierbare Stoffe2.

Neuerungen in der Spielzeugrichtlinie betreffen die Aufnahme von drei phosphororganischen Flammschutzmittel und von Bisphenol A in den Anhang II Anlage C der Richtlinie 2009/48/EG.

Ab 21. Dezember 2015 gilt für die Flammschutzmittel ein Grenzwert von 5 mg/kg. Insbesondere bei PU-Schäumen kann immer wieder der Einsatz dieser reglementierten Flammschutzmittel nachgewiesen werden. Bei der Verwendung und Auswahl derartiger Schäume sollte diesem Gesichtspunkt besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Für Bisphenol A wurde ein Migrationsgrenzwert von 0,1 mg/l festgelegt. Der Anwendungsbereich für die Grenzwerte der Flammschutzmittel und Bisphenol A erstreckt sich auf Spielzeug für Kinder unter 36 Monaten und auf Spielzeug, das bestimmungsgemäß in den Mund genommen wird.

Für Detailfragen hält TÜV Rheinland umfassende Prüfangebote für die Spielwarenindustrie bereit.


Fußnoten:

1gemäß der Verordnung (EG) 1272/2008

2gemäß Bedarfsgegenständeverordnung

 

Autor dieses Artikels:

Rainer Weiskirchen, TÜV Rheinland

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