Spielwarenmesse: Unternehme­rinnen in der Spielzeug­industrie

Sprache wählen

 

Business-Frau in ihrem Spielzeugladen
  Macher

Macher

Unternehme­rinnen in der Spielzeug­industrie

von Maria Costa

Die Welt wird sich immer stärker bewusst, welch wichtigen Beitrag Frauen zu allen Bereichen des Lebens beigesteuert haben, sei es nun in der Kunst, im Sport, in der Wissenschaft oder auf anderen Gebieten. Häufig war bisher in den Geschichtsbüchern so gut wie nichts dazu zu finden, aber aktuell tut sich hier etwas. Auch in unserer Branche müssen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, wie stark der Einfluss von Frauen auf die Geschichte der Spielwarenindustrie war und ist. Deshalb geht es in diesem Artikel um diese Frauen.

Frauen, die die Branche verändert haben

Die Spielwarenbranche von heute verdankt viele Erfolge und Errungenschaften diversen Unternehmerinnen und Unternehmern aus ganz unterschiedlichen Ländern mit ganz unterschiedlichem Background. Zu ihnen gehören auch viele beeindruckende Frauen, die nicht vergessen werden dürfen, denn sie haben einige der erfolgreichsten Spielzeugklassiker überhaupt erfunden.

1877 war Margarete Steiff noch als Schneiderin tätig und schickte sich an, ihr eigenes Filzgeschäft zu eröffnen. Zwei Jahre später fertigte sie anhand eines Schnittmusters, das sie in einer Modezeitschrift entdeckt hatte, ein Nadelkissen in Form eines Elefanten. Obwohl sie unter den Folgen einer Erkrankung an Kinderlähmung in frühester Kindheit litt, hielt sie das nicht davon ab, weiterzumachen, und so gründete sie 1880 ihr eigenes Stofftierunternehmen. Den ersten Teddybären erfand dann ihr Neffe Richard Steiff in ihrem Beisein. Zur gleichen Zeit präsentierte der Spielwarenhersteller Morris Michtom in den USA eine ähnliche Arbeit und nannte seinen Bären in Anlehnung an den damaligen amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt einfach Teddy.

Margarete Steiff Film Trailer (2005)

Anfang des letzten Jahrhunderts wurde dann ein weiteres Spielzeug von einer Frau neu erfunden. Damals wurden Puppen noch aus Porzellan gefertigt, aber die Töchter von Käthe Kruse wollten lieber Puppen, die sie knuddeln konnten, und nicht die kalten steifen Dinger, die es im Laden zu kaufen gab. Also fertigte ihre Mutter weiche Puppen für sie an. 1910 stellte sie diese dann in einem Berliner Kaufhaus aus und sie wurden sofort ein Riesenerfolg, auch wegen ihres natürlichen Aussehens. Käthe Kruse hatte insgesamt sieben Kinder, und die Puppen waren handgefertigte Abbilder dieser Kinder. Nach unzähligen Erfolgen, Auszeichnungen und Anerkennungen werden die Käthe Kruse-Puppen auch heute noch produziert und sind auch für die Kinder von heute ein Quell der Inspiration.

Margarete Steiff und Käthe Kruse sind Frauen, die weltweit Anerkennung gefunden haben und deren Leben sogar in Filmen porträtiert wurde.

KÄTHE KRUSE Film Trailer (2015)

Einige Jahrzehnte später war es dann eine amerikanische Geschäftsfrau, die 1959 den Puppenmarkt ordentlich aufmischte. Ruth Handler brachte mit der Barbie eine Puppe mit dem Körper einer erwachsenen Frau auf den Markt, die ganz anders war als die Babypuppen, mit denen die Kinder damals spielten. Die Barbie war zwar streng genommen die Nachbildung einer deutschen Comicfigur, aber die Leistung von Ruth Handler bestand darin, dass sie erkannte, dass sie für eine ganz andere Zielgruppe geeignet war (was viele Leute damals ganz anders sahen). Und wie wir alle wissen, hat sie die Art und Weise, in der Kinder mit Puppen spielen, und auch die Vorstellung, die man in Spielzeugunternehmen davon hatte, wie eine Puppe aussehen soll, von Grund auf revolutioniert. Mit der Barbie ging eine neue Generation von Anziehpuppen an den Start, deren Erfolg alles bisher Dagewesene in den Schatten stellte.

Frauen haben aber nicht nur Puppen und Stofftiere erfunden, sondern auch bei Gesellschaftsspielen Geschichte geschrieben. Die erste Version eines der wichtigsten Spiele überhaupt wurde nämlich von einer Frau erfunden: 1904 erhielt Elizabeth Magie ein Patent auf ein Spiel mit dem Namen „The Landlord's Game“, das heute als Monopoly bekannt ist. Mit dem Spiel wollte sie die Bevölkerung über die Gefahren einer Monopolbildung bei Grund und Boden aufklären und für eine Grundsteuer werben. Leider wurde diese Leistung zu ihren Lebenszeiten nie anerkannt. Erst als ein Wissenschaftler ihr Patent im Jahr 1973 entdeckte, erfuhr die Welt, welch wichtige Rolle sie bei der Entwicklung des Spiels gespielt hatte.

Auch jetzt ändern Frauen die Spielzeugbranche

Zum Glück sind Frauen heute sichtbarer und werden stärker gefördert, weil es immer mehr Organisationen gibt, die ihre Karriere in den unterschiedlichsten Branchen fördern und begleiten. In der Spielwarenbranche hat Women in Toys (WIT) seit 2005 ein weltweites Netzwerk für Frauen in unserer Branche aufgebaut und will Frauen auch durch die Verleihung von Awards sichtbarer machen. Diese Preisverleihungen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass Unternehmerinnen aus unserer Branche, die es geschafft haben, die ihnen gebührende Anerkennung erhalten. Denn es gibt noch viel mehr wagemutige und weitblickende Frauen, deren Leistungen man unbedingt würdigen und anerkennen sollte.


Expertenwissen, die neuesten Trends und aktuelle Entwicklungen der Branche. Bleiben Sie mit dem monatlichen Besuchernewsletter der Spielwarenmesse® top informiert: Jetzt abonnieren

 

Autor dieses Artikels:

Maria Costa, AIJU

Tags in diesem Artikel:

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.

 

Newsletter

Bleiben Sie immer bestens informiert über Trends und Entwicklungen der Spielwarenbranche. Abonnieren Sie einen Newsletter der Spielwarenmesse®.