Spielwarenmesse: Von Schnitt­mustern zu erfolg­reichen Monstern und Ein­schlaf­hilfen

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18. September 2017 / Macher

Von Schnitt­mustern zu erfolg­reichen Monstern und Ein­schlaf­hilfen

von Harald Hemmerlein /  Kommentare anzeigen

Vor sechs Jahren startete Stephanie Gerharz einen Blog, mit dem sie ihrem Hobby, dem Nähen, eine Bühne bietet. Sie entwickelte eigene Nähvorlagen für Kuscheltiere und Taschen und bot die Schnittmuster für andere Hobbyschneider an. Aus dieser Idee heraus entwickelte sie zusammen mit ihrem Mann Michael Gerharz, einem promovierten Informatiker und Präsentationscoach, eine professionelle Ideenschmiede für die Spielwarenbranche. Zu den erfolgreichsten Produkten zählen die Twonster (lizensiert an Schmidt Spiele), Furlocks (lizensiert an Simba Toys) und die „Schlamützen“ (lizensiert an NICI). Wir sprachen mit Stephanie und Michael Gerharz, über die Anfänge, die Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg und die Zukunft ihres Unternehmens aprilkind.

Spielwarenmesse®: Vom Blog zum erfolgreichen Start-Up. Stephanie Gerharz private Leidenschaft für das Nähen ist die Grundlage für ein Unternehmen, das dem Spielwarenhandel heute originelle Angebote macht. Begonnen hat alles mit den „Twonstern“, die von Schmidt Spiele vertrieben werden. Aber sowohl zum Gründungsmythos als auch zur Produktpalette muss sicher viel mehr berichtet werden?

Stephanie Gerharz: Die Twonster waren für uns das Sprungbrett in die Spielwarenbranche. Inzwischen haben wir mit Simba, die die Furlocks vertreiben, und NICI, die die Schlafmützen vermarkten, weitere erstklassige Partner gefunden und im nächsten Jahr wird mit Coppenrath und der Spiegelburg ein weiterer dazu stoßen.

Michael Gerharz :Wie es dazu kam? Wir haben immer das getan, was uns Spaß macht. Steffi hat schon als Kind vielen verrückten und liebenswerten Kreaturen aus Textilien und anderen Materialien Leben eingehaucht. Irgendwann fingen wir an, unsere Designs im Internet zu zeigen, erst im eigenen Blog in Form von Tutorials und Schnittmustern, später über einen Verlag und schließlich in unserem eigenen Onlineshop. Bei dem Vorläufer der Twonster, der Nähanleitung für die „Monstazzz Moody“, waren wir uns jedoch sicher, dass sie das Potential hatten, nicht nur die Kinderzimmer der Selbernäher zu erobern. Deswegen lizenzierten wir sie an Schmidt Spiele.

Von diesem ersten Erfolg beflügelt brachten wir mit NICI die Schlafmützen und mit Simba die Furlocks auf den Markt. Beide Produkte hatten einen grandiosen Start im Handel und waren schon nach kurzer Zeit vergriffen. Wir hatten anscheinend einen Nerv getroffen und arbeiten mit unseren Partnern an einer behutsamen, dafür nachhaltigen Ausweitung der Produktpaletten.

Wann haben Sie den Schritt vom Hobby zum Unternehmen gewagt?

M.G.: Das taten wir schon, bevor wir in die Spielwarenbranche kamen, mit unserem gleichnamigen Do-it-yourself-Label. Drei Dinge hoben aprilkind ab: ausgefallene Designs mit einem Aha-Effekt, ein hoher gestalterischer Anspruch unserer Nähanleitungen und eine bedingungslose Ausrichtung auf Kundenzufriedenheit. Wir hatten damals mit unseren Sorglos-Nähsets eine Marktlücke entdeckt, mit der wir uns schnell einen guten Namen in der Branche machen konnten.

Lehrgeld bezahlt?

S.G.: Natürlich. Nach dem Erfolg der Twonster starteten wir noch ein letztes Do-it-yourself-Projekt, den aprilkind „Loop“. Das war ein Fix-und-fertig-Nähset mit dem Versprechen, dass wirklich jeder innerhalb von 30 Minuten seinen eigenen selbstgemachten Designer-Loopschal nähen kann. Wir hatten ein tolles Produkt, auf das wir stolz waren, und ließen eine aufwändige Werbekampagne entwickeln. Blöd nur, dass der Loop ein totaler Flop wurde.

Die Gründe dafür haben wir uns sehr genau angeschaut und eine wichtige Lehre für uns daraus gezogen. Wir haben damals erkannt, wie wichtig es ist, sich auf das zu konzentrieren, was uns Spaß macht und worin wir richtig gut sind. Produktion, Marketing & Vertrieb, das sind Dinge, die andere viel besser können als wir. Wir haben uns daher seitdem lieber voll auf unsere Stärken konzentriert: aus verrückten Ideen marktreife Konzepte zu entwickeln mit ungewöhnlichen Designs, einer stimmigen Story und pädagogischem Anspruch. So war der Flop letztlich für uns ein Segen.

Schlafmützen von aprilkind
aprilkind: Schlafmütze Bär Tommsy

Wie nehmen Sie die Handelsstruktur der Spielwarenbranche wahr? Ist der Spielwarenhandel offen für Ihre innovativen Produkte?

M.G.: Der Markt ist völlig übersättigt an Kuscheltieren. Viele davon sind kaum unterscheidbar. Um die Kunden zu erreichen, braucht man heute mehr als nur süße Figuren. Man braucht eine echte Story. Und als Eltern von drei Kindern wissen wir, wie wichtig es für Eltern ist, dass ihre Kinder mit pädagogisch hochwertigem Spielzeug spielen. Genau das bieten wir den Firmen. Ein stimmiges Konzept mit einer prägnanten Story, liebevollem Design und pädagogischem Anspruch.

Sowohl unsere Partner, als auch der Handel und die Endkunden freuen sich darüber, dass hier tolle Produkte abseits der großen, immer gleichen Lizenzen entstehen.

Gibt es weitere Vertriebskooperationen bzw. sind solche geplant?

S.G.: Mit Simba, NICI und Schmidt Spiele haben wir drei hervorragende Partner gefunden, mit denen wir langfristig planen und die Produktpalette ständig weiterentwickeln. Doch natürlich arbeiten wir auch an neuen Ideen. Im nächsten Jahr wird es ein neues aprilkind-Produkt in Zusammenarbeit mit Coppenrath und der Spiegelburg geben.

Die Schlafmützen bauen wir mit der Lizenzagentur glam behutsam weiter aus. Schon bald wird es Sammelfiguren, Nachtlichte und Mobilees von Bullyland und Stoffe von Emmilove geben. Weitere Produkte sind in Planung.

Planen Sie auch in internationalen Dimensionen?

M.G.: Bereits jetzt werden unserer Produkte international verkauft. Wir sind offen für weitere Kooperationen auch im internationalen Bereich. Allerdings überstürzen wir nichts. Warum sollten wir auch? Wir sind glücklich mit unseren Partnern und freuen uns über die produktiven und erfolgreichen Kooperationen.

Weitere Kooperationen gehen wir dann ein, wenn es passt. Wenn wir zueinander und insbesondere unser Konzept zu unserem Partner passt. Das halten wir für enorm wichtig. Nur wenn beide Seiten absolut überzeugt von einer Idee sind und dafür brennen, kann aus einer guten Idee auch ein erfolgreiches Produkt werden.


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Autor dieses Artikels:

Harald Hemmerlein

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