Spielwarenmesse: Wandel bei der Kauf­entschei­dung: Bestimmen Väter jetzt mit, womit Kinder spielen?

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Vater spielt mit Sohn auf dem Boden mit Spielzeugautos
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Wandel bei der Kauf­entschei­dung: Bestimmen Väter jetzt mit, womit Kinder spielen?

von Eva Stemmer und Jörg Meister

Kindererziehung ist nicht mehr nur Müttersache. Auch Männer bringen sich mehr und mehr in eine gemeinsame Erziehung des Nachwuchses ein. Dieses väterliche Engagement hat natürlich Auswirkungen auf die Wahl des Spielzeugs.

Wer entscheidet, was gespielt wird?

Welche Spielzeuge ins Kinderzimmer kommen und wer darüber entscheidet, hängt sehr vom Alter des Kindes ab. Je älter das Kind, desto selbstständiger ist die Entscheidung darüber, womit es sich umgibt. Spielen erstmal die Erwachsene die maßgebende Rolle bei der Wahl der Produkte, entwickelt das Kind bereits ab dem Eintritt in die Krippe oder den Kindergarten seine eigenen Vorstellungen: Spielen und Spielware sind neben Zeitvertreib und Lernen auch Ausdruck für die Zugehörigkeit zur Peer Group.

Spielzeuge spiegeln Werte wider

Der Geschmack und Wille der Eltern ist nicht allein maßgebend, sondern zunehmend das soziale Umfeld des Kindes. Mit der Entscheidung für oder gegen Lizenzprodukte oder Produktkategorien entscheidet das Kind für sich: „Ich möchte mich mit einer bestimmten Gruppe meines Umfeldes identifizieren – und mich im gleichen Maße von einer anderen Gruppe abgrenzen.“

Dennoch ist diese Entscheidung natürlich nicht losgelöst von den Werten und Vorlieben der Eltern. Diese geben dem Kind durch die Erziehung ihr Weltbild mit auf den Weg. Basierend auf der elterlichen Prägung, entwickelt das Kind später also eine eigene Vorstellung dessen, womit es sich gerne umgibt. Ein Mischbild aus den Einflüssen von Eltern, Gleichaltrigen, Bezugspersonen und Medien entsteht.

Väter übernehmen mehr Verantwortung

Mehr und mehr sind sich Väter ihrer Rolle und ihrer Vorbildfunktion bewusst, und leben dem Kind eigene Werte vor. Ersichtlich wird dieses Wahrnehmen erzieherischer Verantwortung unter anderem am steigenden Anteil von Vätern, die Elternzeit nehmen – wenn auch meist nur für zwei Monate.

Medien und Hersteller rücken Väter in den Fokus

Die Medienlandschaft spiegelt ebenfalls wider, dass es ein väterliches Interesse an der Erziehung
und somit auch am Produktumfeld des Kindes gibt: Männermagazine wie die Mens Health bringen Sonderhefte für Väter heraus, und propagieren so die Vereinbarkeit der Männer- und Vaterrolle.

Und auch Spielwarenhersteller adressieren Produktlinien für Kleinkinder an Väter. Der Plüschartikelhersteller Sigikid lancierte beispielsweise eigens eine Linie „Papa & Me“, die eine Brücke zwischen stereotyper Männlichkeit und kleinkindlicher Niedlichkeit zu schlagen versucht.

Die ganze Diskussion um die so genannten „neuen Väter“ betrifft ja nicht nur die naheliegenden Aspekte Säuglingspflege und Kindererziehung, sondern natürlich auch Bereiche wie Spielzeug. Das Thema liegt ja Männern sowieso näher. Es ist also kein Wunder, dass sie sich da jetzt auch stärker engagieren, da ihnen der Zugang noch leichter fällt. Das haben inzwischen auch Spielzeugkonzerne mitbekommen, nicht umsonst hat Mattel dieses Jahr zum Beispiel eine Kampagne mit dem Namen #barbiepapas ins Leben gerufen.

Marco Krahl, stellvertretender Chefredakteur der Mens Health

Weitere Männer bekennen sich unter dem Hashtag #DadsWhoPlayBarbie zum Barbie Spielen mit ihrem Nachwuchs.

Dads Who Play Barbie® | Barbie

Spiel-Zeit ist Wert-volle Zeit

Den Zusammenhang zwischen gemeinsam mit dem Kind verbrachter Papa-Zeit und der Auswahl an Spielwaren stellt Robert Franken, Digital & Gender Consultant, ganz treffend her:

Man(n) muss Zeit mit dem Nachwuchs verbringen, um als Vater mündige und informierte Entscheidungen treffen zu können, auch und gerade beim Thema Spielzeug. Mir persönlich liegt am Herzen, dass mein Sohn nicht bereits von frühester Kindheit an mit Geschlechter-Klischees und überkommenen Rollenbildern konfrontiert wird.

Ob Papa oder Mama, in jedem Spiel vermitteln Eltern dem Nachwuchs ihre eigenen Lebensbilder und Werte auch durch das Produktumfeld.

In Anbetracht der multimedialen Spielwelten mit denen digital native-Kinder aufwachsen, gibt es Lichtblicke für mehr Brücken eines „digitalen“ Eltern-Kind -Bonding: Die neue Elterngeneration kann wieder mitreden in Sachen digitale Spielwelten und Gaming. Ein entschiedener Vorteil zu Vätern der letzten Jahrzehnte, deren Kinder sich in komplett anderen Spielwelten bewegt haben als sie selbst in ihrer Kindheit.

Vätern Lust auf aktive Vaterrolle machen

Zugegeben: Die Einbindung der Papas in den Entscheidungsprozess ist noch ein zartes Pflänzchen. Doch die Tendenz zu mehr väterlichen Involvement ist klar erkennbar. Daher ist es nun unter anderem auch an den Spielwarenherstellern, dieses Pflänzchen weiter zu hegen, damit männliche Rollenbilder ihren erzieherischen Einfluss künftig mit Freude in positiver Form wahrnehmen. Interne Studien von Spielwarenherstellern untermauern das, so Marco Krahl. „Sie kommen auf dasselbe Ergebnis: Väter bestimmen heute beim Spielzeugkauf mehr mit als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.“


Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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