Spielwarenmesse: Über den Zauber und die Kraft von Kinder­büchern

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Mutter liest Kindern aus Buch vor
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Über den Zauber und die Kraft von Kinder­büchern

von Richard Gottlieb

Wenn man ein Buch in den Händen hält, geht davon ein gewisser Zauber aus. Das Gewicht, das Rascheln der Seiten, wenn man es zum ersten Mal öffnet, der farbige Umschlag, der einen neugierig auf das Buch gemacht hat, das Gefühl in den Fingerspitzen beim Umblättern und der einzigartige Geruch, der von neuen Büchern ausgeht und einem in die Nase steigt. Ja, Bücher sind etwas Wunderbares, auch wenn manche Leute meinen, dass sie mittlerweile ein Relikt aus der analogen Vor-Kindle-Zeit sind. Ich glaube das nicht.

Ich will ihnen deswegen eine Frage stellen: Lassen wir uns in der Spielwarenbranche Umsätze durch die Lappen gehen, weil wir Bücher links liegen lassen? Wenn ja, sollten wir dann nicht umdenken und uns fragen, wie wir Bücher in unsere Spielzeugläden einbinden können?

Und wenn Lesen auch eine Art des Spielens ist (wovon ich überzeugt bin), haben wir als Spielwarenbranche dann nicht gegenüber den Erwachsenen von Morgen eine gewisse Verantwortung und sollten sie zum Lesen animieren? Wäre es nicht eine starke Botschaft, wenn die Spielwarenindustrie Erwachsene dazu bringen könnte, Kindern vorzulesen, und Kinder ermuntern würde selbst zu lesen?

Fangen wir erst mit den gesamtgesellschaftlichen Aspekten an und kümmern uns dann ums Geschäft.

Bücher haben einen gesellschaftlichen Nutzen

Die New Yorker Autorin Maria Bustillos hat z.B. Folgendes über die Wichtigkeit des 20 Bände umfassenden und gut 70 Kilo schweren Oxford Englisch-Wörterbuchs in Papierform gesagt, das sie der digitalen Version vorzieht.

 

Wenn wir einen Text auf dem Bildschirm lesen, sind wir geneigt, die Dinge nur durch das Schlüsselloch unserer unmittelbaren Neugier zu betrachten… Wenn man ein Buch in seinen Händen hält, ist das ganz etwas anderes, als wenn man etwas auf einen spiegelglatten strukturlosen Bildschirm tippt. Online ist das Erlebnis zwar personalisiert, aber es ist auch atomisiert, abgeflacht und miniaturisiert und seiner natürlichen Umgebung beraubt.

Bücher in Papierform machen es erforderlich, dass man einen Teil dessen, was man liest, im wahrsten Sinne des Wortes in den Händen hält, und das macht einen wichtigen Teil des Begreifens aus.

Maria Bustillos, „Empfehlungsschreiben“, New York Times, 02. Juli 2015

Das bedeutet, dass wir dafür sorgen müssen, dass auch die nachkommende Erwachsenengeneration mit einem echten Buch genauso souverän umgehen kann wie mit einem digitalen. Wenn eine Gesellschaft Gefahr läuft (so wie wir), zu vergessen, wie sich Dinge handschriftlich festhalten lassen, dann sind wir vielleicht bald auch nicht mehr in der Lage, ein Inhaltsverzeichnis, Fußnoten oder ein Literaturverzeichnis richtig zu verstehen.

Und vielleicht verlieren wir dann auch dieses enge Band, das geknüpft wird, wenn ein Erwachsener einem Kind, das auf seinem Schoß sitzt, aus einem Buch vorliest und Erwachsener, Kind und Buch eins werden. Durch Vorlesen wird eine äußert seltene und gleichzeitig wertvolle Verbindung geknüpft und wir als Gesellschaft sollten alles daran setzen, dass uns solche Momente auch in Zukunft erhalten bleiben.

Bücher sind gut fürs Geschäft

Bücher werden in Spielwarengeschäften oft sehr unübersichtlich präsentiert, sodass sie eigentlich nur gekauft werden, wenn der Kunde schon mit der festen Absicht ins Geschäft kommt, ein Buch zu erwerben.

Ich glaube, dass wir die Art und Weise überdenken müssen, wie Bücher im Spielwarenhandel vertrieben werden. Ich hatte das Glück, dass ich zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn in einem großen Spielzeug- und Buchunternehmen tätig war. Wir verlegten jede Menge Kinderbücher und gaben gleichzeitig verschiedene Spiele und Puzzles heraus.

Dadurch konnte ich über den Tellerrand – oder besser gesagt über den Regalrand – schauen und denke, dass wir uns fragen müssen, wie sich unsere Umsätze steigern lassen, indem wir eine gewisse Anzahl an Büchern bei den Spielsachen anbieten.

Impulskäufe durch Bücherboxen

Ein guter Weg besteht darin, Buchformate anzubieten, die gut zum Angebot eines Spielwarenladens passen, wie z.B. Bücher in Schubern. Die sehen im Regal einfach gut aus und inspirieren zu Impulskäufen. Bei Boxen, die 8, 10 oder 12 Bücher enthalten, ist auch der Preis meist attraktiv. Außerdem lassen sie sich gut als Geschenk verpacken.

Wenn Sie also Ihr Sortiment für das Weihnachtsgeschäft zusammenstellen, sollten Sie ruhig einmal darüber nachdenken, Büchersets von Astrid Lindgren, Michael Ende, Otfried Preußler oder Paul Maar oder vielleicht sogar Klassiker für Kinder in den oberen Regalen Ihrer Spielzeugabteilung zu platzieren.

Und auch für ältere Kinder, die schon selber lesen, gibt es tolle Büchersets von Star Wars, Herr der Ringe, Harry Potter oder den Chroniken von Narnia.

Trauen Sie sich ruhig was, wenn es ums Bücherverkaufen geht. Das ist gut für die Kinder, gut für die Gesellschaft und gut für Ihren Umsatz.


Dieser Artikel stellt die Meinung des Autors dar und stimmt nicht notwendigerweise mit der Meinung der Spielwarenmesse eG überein.

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