Spielwarenmesse: "Die Spielwaren­messe hat uns die Tür zu den inter­nationalen Märkten geöffnet"

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"Die Spielwaren­messe hat uns die Tür zu den inter­nationalen Märkten geöffnet"

von Spielwarenmesse eG

Stefano Clementoni ist seit 1975 Geschäftsführer der Clementoni SpA. Als für das internationale Geschäft zuständige Führungskraft erkannte er schnell, dass die Spielwarenmesse® der richtige Ort war, um das Familienunternehmen auch als internationalen Player zu positionieren. Mittlerweile haben er und seine Geschwister die Clemetoni SpA zu einem international tätigen italienischen Unternehmen mit Filialen in neun Ländern gemacht. In diesem Interview blickt Stefano Clementoni auf seinen ersten Besuch der Spielwarenmesse® im Jahr 1977 und seine anfänglichen Schritte in Richtung Internationalisierung zurück.


Spielwarenmesse®: Herr Clementoni, gibt es eine Spielwarenmesse, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Stefano Clementoni
Stefano Clementoni, Direktor des italienischen Spielwarenherstellers Clementoni SpA

Ich kann mich gut an meinen ersten Besuch auf der Nürnberger Spielwarenmesse erinnern. Das war 1977, ich hatte gerade angefangen, im Unternehmen zu arbeiten. Damals war ich fest entschlossen, die Firma Clementoni international aufzustellen und hatte den Eindruck, dass Nürnberg ein guter Ort ist, um dieses Ziel zu erreichen. Also fuhr ich auf die Messe und schaute sie mir genau an, um ein Konzept für eine Teilnahme zu erstellen. Nach meiner Rückkehr füllte ich sofort meine Anmeldung für einen Messestand im Folgejahr aus, weil mir klar war, dass die Warteliste sehr lang sein würde. Zu meiner Überraschung wurde die Anmeldung sofort bestätigt, und so bekam Clementoni die Chance, auf dem internationalen Markt bekannt zu werden.

Deswegen erinnere ich mich gerne an das Jahr 1978 zurück, als Clementoni zum ersten Mal auf der Spielwarenmesse vertreten war. Ich erinnere mich daran, dass ich mich – wie schon im Jahr zuvor – alleine auf den Weg machte und auch den ersten Clementoni-Stand selbst bestückte. Na ja, der war mit seinen rund 3x6 Metern auch sehr viel kleiner als der, den wir jetzt haben. Im ersten Jahr fuhr ich alleine mit dem Auto nach Nürnberg, aber im Folgejahr waren wir schon zu zweit. Seit mehr als 40 Jahren reisen wir mit dem Auto an, auch wenn wir mittlerweile 50 Mann sind. Das ist halt so Tradition.

Wenn ich daran zurückdenke, wie die Nürnberger Spielwarenmesse 1978 uns die Tür zu den internationalen Märkten öffnete, kommen diese ganzen Gefühle wieder hoch.

Was war das beste Geschäft, das Sie auf einer Spielwarenmesse je gemacht haben?

S. C.: Eine besonders prägnante Erinnerung aus meinen ersten Jahren in Nürnberg stammt aus den späten 1970ern und hat gar nichts mit den Wettbewerbern zu tun, die ja alle renommierte internationale Gesellschaften sind, sondern mit unseren Kunden aus arabischen Ländern. Wenn es uns gelungen war, diese für unsere Produkte zu interessieren, kamen dabei immer sehr lukrative Aufträge zustande. Ein Einkäufer, ein gewisser Herr Kamal Sinno, war ein Distributeur aus dem Libanon. Er hatte immer einen Mantel um seine Schultern (damals musste man noch raus in den Schnee, um von einer Halle zur nächsten zu kommen). Sein Unternehmen Toy Market Trading ist noch heute unser Distributeur für den Libanon. Er betreibt das Unternehmen jetzt zusammen mit seinem Sohn Wael Sinno.

Eine andere wichtige Kooperation wurde in diesen Jahren mit der Firma Comagex begründet, die noch heute unser Handelsvertreter in Belgien ist. Im Jahr 1979 – das war unser zweites Messejahr – wurden wir aus der Halle E in die Halle F verlegt und befanden uns direkt neben dem Stand der DEMUSA, dem damals alle Spielzeughersteller aus der DDR angehörten. Der Stand war geschlossen und als die ostdeutschen Spielwarenhersteller dann ankamen, blieben sie den ganzen Tag in ihrem Stand. Comagex war der belgische Vertreter der DEMUSA und dort nutzte man aus, dass unser Stand in der Nähe war und so kamen wir ins Gespräch. Auf diese Weise hatten wir unseren ersten belgischen Kunden gefunden!

In unseren ersten fünfzehn Jahren, also bis in die 1990er Jahre, erzielten wir unser Wachstum bei den Exporten hauptsächlich durch Kontakte, die wir auf der Spielwarenmesse geknüpft hatten. Ich freue mich sehr und bin auch sehr stolz darauf, dass wir über all diese Jahre gemeinsam gewachsen sind.

Wo haben Sie noch Einkäufer getroffen, denen Sie Ihre Produkte zeigen konnten?

S. C.: In den 1970ern und 1980ern war Nürnberg nicht die einzige internationale Spielwarenmesse, sondern jedes europäische Land hatte seine eigene Veranstaltung. Das war wie eine Tournee, was wir damals machten. Alle anderen Messen versuchten, zeitlich möglichst nah an der Nürnberger Messe dran zu sein, damit die Einkäufer im Rahmen einer großen Tour alle Messen abklappern konnten. Deswegen begannen wir auch, auf Messen im Ausland auszustellen.

Aufgrund der hohen Kosten und der Tatsache, dass in Nürnberg alle Einkäufer konzentriert waren, beschlossen wir dann aber, Nürnberg zu unserer internationalen Referenzmesse zu machen. Mit dieser Entscheidung waren wir nicht allein. Heute ist es so, dass nur noch die Londoner Messe international eine Rolle spielt, während die anderen europäischen Spielzeugmessen nur noch lokale Bedeutung haben. Nürnberg bleibt also Nummer 1 in Europa, alleine schon wegen der hohen Anzahl an Ausstellern und Einkäufern.

Wenn man Spielwarenmesse als Spiegel der Branche nimmt, was hat sich dann in den letzten 25 Jahren hauptsächlich geändert?

S. C.: Das Spielzeug ist heutzutage technologischer. Und man kann die Strategien anderer Unternehmen und die Trends, denen sie folgen, nachvollziehen, wenn man sich ihre Produktpalette anschaut. Ich erinnere mich noch daran, dass wir in den späten 70ern nicht so viele Aussteller waren wie heute und ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie ein Einkäufer es schaffen soll, alle Messestände zu besuchen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich für die Spielwarenmesse wünschen?

S. C.: Mehr Hotelzimmer. Ein altes Problem, das schon immer typisch für die Spielwarenmesse in Nürnberg war, ist die Knappheit an Hotelzimmern. Es finden ja auch andere Messen in Nürnberg statt, aber die sind alle kleiner als die Spielwarenmesse und haben weniger Besucher. Die Stadt hat einfach nicht genügend Übernachtungsplätze. In den ersten paar Jahren waren wir auch in Privatunterkünften untergebracht, weil die Hotels knapp waren.

Irgendwann habe ich dann rein zufällig eine Nürnberger Familie beim Sommerkarneval in Fano kennengelernt, der eine große Touristenattraktion ist. Unsere zufällige Zusammenkunft führte zu einem „Special Deal“: Ich nahm sie im Sommer auf, während sie mich und ein paar Mitarbeiter während der Spielwarenmesse beherbergten. Im Laufe der Jahre kamen dann aber immer mehr Mitarbeiter von uns dazu, sodass diese Familie nicht mehr so viele Gäste aufnehmen konnte und wir ins Hotel mussten. Aber es war nicht einfach, ein Zimmer zu finden, weil die Bestandsgäste ihre Buchungen immer gleich für das kommende Jahr bestätigten.

Ich erinnere mich daran, dass ich einmal ein recht zentral gelegenes Hotel buchte, als es sich noch in der Bauphase befand. Heutzutage sind wir von Clementoni so eine große Gruppe, dass wir fünfzig Kilometer von der Messe entfernt untergebracht sind.

Herr Clementoni, vielen Dank, dass Sie diese Erinnerungen an die Spielwarenmesse mit uns geteilt haben! Und Ihr Wunsch wird wahr werden, denn bis 2021 wird es 2.000 zusätzliche Hotelbetten in Nürnberg geben.


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