Spielwarenmesse: Zukunft des Einzel­handels: 4 Wege zur erneuten Profi­tabilität

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Jugendliche shoppen online mit Einkaufstüten im Vordergrund
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Zukunft des Einzel­handels: 4 Wege zur erneuten Profi­tabilität

von Reyne Rice

Wie sieht die Zukunft des Einzelhandels wirklich aus? Einige Branchenexperten und die Medien berichten schon länger über die wachsende Beliebtheit und den Aufstieg des E-Commerce sowie den Niedergang des stationären Handels, was auch vielfach als „Handels-Apokalypse“ bezeichnet wird. Für tausende Geschäfte, die seit 2016 in den USA schließen, ist das bereits die harte Realität. Es gibt allerdings auch Stimmen, die auf einen Gegentrend verweisen.

Demnach hat der stationäre Einzelhandel in Kombination mit der Leidenschaft der Konsumenten für Innovationen durchaus gute Zukunftsperspektiven. Sie sehen eine Zukunft mit Verkaufsflächen, die individuelle und haptische Erlebnisse und Produkte zum Anfassen bieten, die beim Kunden Begeisterung auslösen und den Entdeckergeist wecken.

Es gibt einige positive Beispiele, die schöne Einkaufserlebnisse bereitstellen, die beim Verbraucher nicht nur großen Zuspruch finden, sondern auch die Kassen klingeln lassen. Solche Vorbilder zeigen, dass dem stationären Handel durchaus funktionierende Geschäftsmodelle zur Verfügung stehen. Diese setzen allerdings voraus, dass Händler dazu bereit sind, alte, festgefahrene Konzepte auf den Kopf zu stellen.

1. Hören Sie auf Ihre Kunden

Sagen Sie niemals nie. Hören Sie auf die Wünsche Ihrer Kunden und gehen Sie auf ihre Bedürfnisse ein. Laut dem TrendWatching-Team hat der Online-Modeanbieter Everlane im Dezember letzten Jahres einen stationären Flagship-Store in New York City eröffnet. Die Marke, die vor über fünf Jahren lautstark verkündet hatte, niemals einen stationären Laden aufmachen zu wollen, hat allerdings auf ihre Kunden gehört.

Diese wollten gerne die Möglichkeit haben, die Ware vor Ort anzufassen und im Internet erworbene Kleidungsstücke gegebenenfalls umzutauschen. Dieser neue Standort lädt die Kunden dazu ein, ihre Online- und POS-Einkaufsprofile miteinander zu verbinden, bevor sie das Geschäft wieder verlassen. So entsteht ein nahtloses Einkaufserlebnis.

2. Offline und Online kombinieren

Selbst Amazon, der weltweit größter Onlinehändler, will jetzt auch im stationären Handel mitmischen. Amazon übernahm kürzlich den US-amerikanischen Lebensmitteleinzelhändler Whole Foods für insgesamt 13,4 Mrd. US$. Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, ebnet somit den Weg, im großen Stil in den stationären Handel einzusteigen, um neue Kundenkreise zu erschließen und innovative Online-Bestell- und Liefersysteme einzuführen.

Das „Click-und-Collect-System” ist im Einzelhandel nicht neu. Wenn man es aber richtig anpackt, kann das System einem größeren Kundenkreis Vorteile bringen, darunter auch den Millennials, die bequeme und Zeit sparende Features wollen aber gleichzeitig hochwertige Produkte vorzugsweise mit ökologischen Alternativen verlangen.

3. Schaffen Sie ein gemütliches Ambiente

Betonen Sie das authentische Ambiente Ihres Geschäfts und unterstreichen Sie das Lokale. Geschäfte, die die örtliche Gemeinschaft abbilden und regionale Künstler und Macher miteinbeziehen, bieten ihren Kunden wie auch Touristen echte Orientierung. Dieser einzigartige Ansatz in Richtung Vielfalt verleiht Ihrem Standort ein neues und frisches Antlitz und zieht Stammkunden an.

Village Toys, ein Fachhandelsgeschäft in Incline Village, am Ufer des Lake Tahoes, Kalifornien, macht beispielhaft vor, wie man dem Kunden mit einem Spielwarengeschäft und einer traditionellen Eisdiele ein nostalgisches Einkaufserlebnis bieten kann. Wenn die Bevölkerung am 4. Juli in diesem beliebten Urlaubsort um das Siebenfache ansteigt, bedienen sich die Kunden gleich beider Angebote. So entstehen lukrative Querverkäufe.

Ansonsten bleiben die Inhaber das ganze Jahr über am Puls der Zeit, indem sie neue Trends aufgreifen und innovative Produkte einführen (z.B. die Fidget Spinner Anfang 2017), um das Angebot an klassischen Spielwaren und Spielen sinnvoll zu ergänzen.

4. Entwickeln Sie ein neues Geschäftsmodell

Schaffen Sie ein neues Geschäftsmodell, das sowohl Kunden als auch Herstellern einleuchtet. Im Rahmen des Digital Kids Summits, der Ende September in Austin, Texas, abgehalten wurde, besichtigten die Teilnehmer am Abend ein neues Handelskonzept namens B8ta. Das innovative Geschäft richtet sich mit neuen Technologien und Vorführungen an Verbraucher, die nach den neusten Tech-Spielwaren und -Geräten für Kinder und Erwachsene suchen.

Laut Vibhu Norby, Mitgründer der 10 Standorte umfassende Fachhandelskette mit Sitz in San-Francisco, müssen Hersteller für das Privileg bezahlen, ihre Produkte in diesem Erlebnis-Geschäft vorstellen zu lassen. Die Mitarbeiter erklären die Produkte, ohne irgendwelche Umsatzziele erreichen zu müssen. Ihre Aufgabe besteht lediglich darin, die Artikel und deren Features vorzuführen, für die sich der Kunde besonders interessiert. Diese neue Denkweise zum Thema Einkaufserlebnis hat Investitionen im Wert von 19,5 Mio. US$ an Land gezogen und zeigt, wie der stationäre Handel auf neuen Wegen Gewinne erzielen kann.

Laut B8ta werden die Smart-Home-Geräte von B8ta nun auch in 70 Lowe-Baumärkten in den USA verkauft, während Macy’s einige B8ta-Boutiquen in ihren Flagship-Stores unterbringen will.

Überraschen Sie Ihre Kunden

Einzelhändler, die ihren Standort in ein heiß begehrtes Einkaufsziel verwandeln und dem Kunden einen einzigartigen Grund geben, gerade bei ihnen einzukaufen, haben reelle Chancen, die Handels-Apokalypse zu überleben. Viele hatten zwar mit einem frischen Ansatz und viel Elan begonnen, sind aber dann mit der Zeit müde und weniger exklusiv geworden.

Überraschen Sie also Ihre Kunden, seien Sie dann auch die bevorzugte Anlaufstelle für Vorführungen und Empfehlungen. So gewinnen Sie treue Stammkunden, die wiederum über Mundpropaganda und die Social Media Ihre Botschaft weitergeben.

 

Autor dieses Artikels:

Reyne Rice, Toy Expert, New York

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