Macher

Exit! Raus aus dem Escape Room

Der analoge Spielebestseller
Header_Exit! Raus aus dem Escape Room

Sieben Jahre Hobby-Spiele-Entwickler bis zum ersten Erfolg

Die Kinder Emely und Lukas Brand haben die „Mogel Motte“ erfunden.
Die Kinder Emely und Lukas Brand haben die „Mogel Motte“ - Kinderspiel des Jahres 2012 - erfunden. Foto ©Brand

Das war der Zündfunke! Inka und Markus (Hochzeit 2000) machten sich flugs ans Werk. Doch bis der erste Vorschlag als produktionstauglich akzeptiert wurde, vergingen noch sieben Jahre. Ab dem Jahr 2006, als die ersten Kinderspiele des Erfinderpaares bei Kosmos erschienen, begann jedoch eine steile Erfolgskarriere als Spielemacher. Aus dem gemeinsamen Spielen – bald auch mit Unterstützung ihrer Kinder Lukas (*2000) und Emely (*2002) – erwuchsen Ideen, die weiterentwickelt, ins Haptische entwickelt, präsentiert, getestet, professionell produziert und erfolgreich auf den Markt gebracht wurden. Die Zahl der Preisverleihungen ist schier unüberschaubar. Nur einige seien erwähnt: der deutsche Spielepreis für Village 2012; der deutsche Kinderspielpreis für die „Burg der 1000 Spiegel“, „Monsterfalle“ und „Andor junior“, das Kinderspiel des Jahres für den „verzauberten Turm“ und die Kennerspiele des Jahres für „Village“ und „EXIT® - das Spiel“. Das Spiel „Mogel Motte“ haben die Kinder Emely und Lukas Brand erfunden, es wurde zum „Kinderspiel des Jahres 2012“ gekürt. Man war also bereits wer in der kleinen Spiele-Experten-Welt, fuhr jedes Jahr zu den Testspielwochenenden des Kosmos Verlages, besuchte nahezu jede Nürnberger Spielwarenmesse, als 2014 die Bitte von Kosmos-Redakteur Ralph Querfurth an die Brands herangetragen wurde, auf Grundlage des Spielprinzips der Escape Rooms ein Spiel zu entwickeln. Die Exit-Idee war geboren.

Mit der Exit Serie landeten die Brands einen Weltbestseller

Heute sind die Exit Games von Kosmos die Renner auf dem Spielemarkt. 2017 wurden die ersten drei Folgen der Spieleserie „EXIT® – Das Spiel“ zum Kennerspiel des Jahres gekürt. Hinzu kam der wirtschaftliche Erfolg, die schieren Verkaufszahlen sind es, die bei einem analogen Spiel wirklich atemberaubend sind: Seit Start der Reihe 2016 wurden weltweit rund 10 Millionen Exemplare, allein im Jahr 2020 1,5 Millionen der nur 18x13x4 cm und gut 250 Gramm schweren Spieleschachteln verkauft. „EXIT® – Das Spiel“ ist in 27 Ländern erhältlich (Stand 2020). Aktuell gibt es 23 Szenarien, dazu Bücher und Puzzle-Produkte. Das im Januar 2021 erschienene „Das verfluchte Labyrinth“ ist das 150. veröffentlichte Spiel der Brands. Die Umsetzung der Exit-Idee erzählt auch die Geschichte, wie wenig man „Kultstatus“ planen kann, wie sehr Idee, Augenblick und Glück zusammenwirken müssen, um einen Weltbestseller zu landen.

Grundidee ist die Flucht aus einem verschlossenen Raum

Inka und Markus - die Spiele-Erfinder von „Exit - das Spiel“
Inka und Markus - die Spiele-Erfinder von „Exit - das Spiel“. Foto ©Brand

Es beginnt schon damit, dass das Exit-Spielkästchen nur einmal, von einer bis vier Personen gespielt werden kann. Danach ist das Spielmaterial aufgebraucht. Es kann nicht – wie bei Brettspielen –beliebig oft aufgebaut und gespielt werden. Das Grundprinzip ist immer gleich, egal ob im Computerspiel (als erstes Escapespiel gilt das Onlinespiel Crimson Room des Japaners Toshimitsu Takagi aus dem Jahr 2004) oder in realen Escape Rooms, die ab 2007 auch zunächst in Japan aber bald auf der ganzen Welt in großen Städten entstanden: Es gilt, als einzelner oder Gruppe einen verschlossenen Raum – meist in begrenzter Zeit – zu verlassen. Man spielt dabei miteinander, nicht gegeneinander; die Mitspieler müssen Zeichen im Raum erkennen, richtig einordnen und Aufgaben in bestimmter Reihenfolge lösen. Phantasie, Logik, vernetztes Denken, das Einfühlen in die Gedanken des unbekannten Aufgabenstellers und gute Kommunikation in der Gruppe sind Fähigkeiten, die zum Ziel führen, den Ausgang des Raumes zu finden und zu öffnen. „Thinking outside the box“ – dieses Motto wird bei den Exit-Spielen der Brands wörtlich genommen: Die zündende Idee ist manchmal auch auf der Spieleschachtel zu finden, vielleicht ein bestimmtes Muster oder ein Piktogramm, das den entscheidenden Hinweis gibt. Um ans Ziel zu gelangen, muss man wertvolle Spuren von Belanglosem oder falschen Fährten zu scheiden wissen und die Nerven bewahren. Exit-Spiele gibt es in drei Schwierigkeitsgraden, für Anfänger findet sich alles für die Lösung in und an der Box. Wer ratlos hängen bleibt, dem wird geholfen.

Für Familie Brand hat das Spieleerfinden die private Welt verändert, aber nicht die Persönlichkeit. Ehefrau Inka hat den Teilzeitberuf aufgegeben, sie ist nun der Mastermind der Spieleerfindung. Markus hat die Arbeitszeit für die eigene Firma, eine Versicherungsagentur, reduziert. Schließlich muss geliefert werden. Auf zehn Exit Produkte pro Jahr haben sich die beiden mit Kosmos geeinigt. Und dann sind da noch die begeisterten Fans in aller Welt, die per Mail Nachschub fordern. Der Erfolg stellt Forderungen.

Schon unseren Newsletter abonniert?

Expertenwissen, die neuesten Trends und aktuelle Entwicklungen der Branche. Bleiben Sie mit dem monatlichen Besuchernewsletter der Spielwarenmessetop informiert