Nachhaltigkeit

Die grüne Revolution

oder haben wir es hier eher mit einer Evolution zu tun?

Nicht nur Eltern sind umweltbewusster geworden, sondern auch Kinder lernen heute schon ganz früh, wie wichtig es ist, die Umwelt zu schützen und kämpfen leidenschaftlich für dieses Ziel. Deshalb müssen Spielwarenhersteller und Spielzeughandel ihren Finger am Puls der Gesellschaft haben und entsprechend reagieren, indem sie dafür sorgen, dass ihre Produkte, Verpackungen und Herstellungsverfahren umweltfreundlich sind.

Die Entwicklungen im vergangenen Jahr haben den Trend hin zu umweltfreundlichen Produkten und Verpackungen noch weiter befeuert – angesichts der weltweiten Pandemie und der Extremwetterlagen in Europa und aller Welt haben sich die Menschen mittlerweile darauf besonnen, wie wichtig Natur und Umwelt sind. 

Mehrere große Player aus dem Spielzeugsektor haben bereits ehrgeizige Initiativen zum Schutz der Umwelt gestartet: MGA hat sich in einem wegweisenden Projekt mit dem Recycling-Spezialisten TerraCycle zusammengetan und verwendet für seine Herstellungs- und Verpackungsprozesse einen zum Patent angemeldeten Verbundstoff, der die Zersetzung von Kunststoffen auf Müllhalden beschleunigt. Auch Hasbro arbeitet mit TerraCycle zusammen und plant ein Programm zum kostenlosen Produktrecycling im Vereinigten Königreich. Lego hat 310 Millionen Pfund in Nachhaltigkeitsinitiativen investiert, mit denen die Themen Plastik, Abfall, Emissionen und Kreislaufwirtschaft angegangen werden sollen.

Wie bei vielen anderen Spielzeugherstellern auch hat man bei Golden Bear viel Geld in die Hand genommen, um den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu verringern, die bei Produkten und Verpackungen eingesetzten Rohstoffe gegen nachhaltigere Alternativen auszutauschen und keinen Deponiemüll mehr zu produzieren. Dantoy dagegen bietet seinen Kunden ein „Take Back-Projekt“ an, in dessen Rahmen gebrauchte Dantoy-Produkte entgegengenommen und recycelt werden. SES Creative wiederum hat sich für den Kauf und die Bewirtschaftung von europäischen Wäldern entschieden, um seine CO2-Bilanz zu verbessern. 

Auch der Einzelhandel schläft nicht: so hat die Kaufhauskette Selfridges im Rahmen ihrer Project Earth-Initiative 90 neue Produktlinien in ihr Sortiment mit nachhaltigen und umweltfreundlichen Spielsachen aufgenommen. Zahlreiche unabhängige Spielzeugfachläden wie Whirligig und Wigwam Toys bieten neuerdings verstärkt Produkte verschiedener Hersteller an, die sich dem Umweltschutz verschrieben haben. 

Es besteht also kein Zweifel daran, dass Spielzeugunternehmen weltweit in den letzten Jahren große Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz gemacht haben: innovative Verpackungsansätze, Füllmaterialien aus recycelten Stoffen, umweltfreundliche Farben und biologisch abbaubare Bauteile sind nur einige Beispiele dafür, was sich die Spielzeugindustrie so alles einfallen lassen hat, um auf die berechtigten Bedenken von Verbrauchern zu reagieren und nachhaltige Lösungen anbieten zu können.

Wichtig ist hier, echte Lösungen anzubieten und nicht nur Green-Washing zu betreiben. Die Glaubwürdigkeit der Spielzeugbranche hängt davon ab, dass die Unternehmen sinnvolle Änderungen vornehmen und nicht nur Phrasen dreschen und leere Worthülsen wie „umweltfreundlich“ auf ihre Verpackungen drucken. Und auch der wirtschaftliche Rahmen muss stimmen: Die Verbraucher sind gerne bereit, umweltfreundliche Produkte und Initiativen zu unterstützen und akzeptieren meist auch einen gewissen Aufpreis, der allerdings angemessen und bezahlbar sein muss. Ein Produkt kann noch so korrekt hergestellt sein und die besten Absichten verfolgen, wenn der Verbraucher nicht bereit ist, dafür den doppelten Preis zu zahlen, hilft das alles nichts. 

Es führt also kein Weg daran vorbei: Die Spielzeugbranche muss das Thema Nachhaltigkeit in alle Stufen ihrer Lieferkette integrieren. Unsere Kunden wollen das und es ist auch richtig. Nicht vergessen werden darf allerdings, dass es sich hierbei um ein langfristiges Ziel handelt, bei dem manche Unternehmen mit ehrgeizigen Projekten die Richtung vorgeben, während andere mit kleinen Schritten folgen werden. Hier gibt es keine Patentlösung, die für alle Unternehmen und alle Produkte gleichermaßen passt. Jeder muss sich sein Produktsortiment, seine Verpackungen und seine Prozesse anschauen und dann entscheiden, wo am sinnvollsten etwas geändert werden kann. 

Als Spielzeugbranche dürfen wir keine Angst davor haben, zu zeigen, dass man Kunststoff bei der Produktion von Spielzeug auch nachhaltig einsetzen kann, und müssen gleichzeitig stets darauf achten, unseren Planeten bestmöglich zu schützen. Die größte Schwierigkeit besteht darin, die unterschiedlichen Interessen auszubalancieren, aber ich habe großes Vertrauen, dass die weltweite Spielzeug-Community diese Herausforderung meistern wird.

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