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100 Jahre Taxi-Zentrale: Wir gratulieren!

Herzlichen Dank an alle Taxifahrerinnen und Taxifahrer

Von Peter Budig

Seit 100 Jahren ist das Gros der Nürnberger Taxiunternehmer in der Nürnberger Taxigenossenschaft organisiert. Zu den Hauptaufgaben zählt die Vermittlung von Taxifahrten an die Taxiflotte, und das rund um die Uhr. 

Vorstände Roland Kerl (li.) und Bilgun Özkan sowie Nadja Magerl (Social Media) von der Taxi Zentrale Nürnberg. Foto: © Budig

Die Vorstände Roland Kerl und Bilgun Özkan beschreiben die Taxi-Zentrale Nürnberg eG so: „Über 50 Beschäftigte sind heute in unserer Organisation tätig. Sie koordinieren fast 500 Taxis und über 300 Unternehmen. Etwa 3.600 Fahrer sind in Besitz eines Personenbeförderungsschein und einer Fahrerkarte für die Teilnahme am Funkvermittlungssystem, 2.500 davon aktiv.“ Die Spielwarenmesse spielt während ihrer jährlichen Laufzeit eine große Rolle für die Taxerer und die Zahl der abenteuerlichen Geschichten und Erlebnisse ist groß. Die gegenseitigen Gratulationen der Taxigenossenschaft und der Messegenossenschaft kommen von Herzen. 
 
 

Taxi-Zentrale als Genossenschaft

Die Taxi-Zentrale Nürnberg eG ist ein Vierteljahrhundert älter als die Spielwarenmesse eG. 39 Kraftdroschkenbesitzer haben am 15.12.1925 ihre Genossenschaft gegründet. Damals gab es bereits sieben konkurrierende Vereine, welche die individuelle Personenbeförderung organisierten. Der Grund war simpel: Wirtschaftliche Not und Probleme bei der Versorgung mit Betriebsstoffen waren der Anlass für den Zusammenschluss aller Kraftdroschken und zur Gründung der Genossenschaft der Nürnberger Taxiunternehmer. Gemeinsam stark sein, das galt vor allem für den Einkauf von Betriebsmitteln für den Kraftwagenbedarf. 
 

Nach dem Krieg: Konsumlust und Taxinachfrage steigen

1968 Taxis vor dem Messegelände am Stadtpark. Foto: © Spielwarenmesse

Nach dem zweiten Weltkrieg begann die Hochzeit der Taxiunternehmer. Allgemein erlebte das Gewerbe einen rasanten Aufschwung und es gab keine U-Bahn, denn die wurde in Nürnberg mit der U1 erst am 1. März 1972 eröffnet.  Das wachsende Bedürfnis nach Mobilität wurde in hohem Maße von Taxiunternehmen gedeckt. 

Die erste Spielwarenmesse vom 12. bis zum 18. März 1950 wurde vom Fürther Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard auf dem alten Messegelände am Stadtpark eröffnet. Damals standen die Taxifahrer bereit, um die Fachbesucher zu transportieren. Die Messe wuchs, wurde internationaler und zog 1973 aufs frisch erbaute Messezentrum im neu gegründeten Stadtteil Nürnberg-Langwasser um.
 

Blütezeit der Messe und Hochzeit für die Taxibranche

„Anfang der 50 er gab es noch kaum Unterkünfte und die meisten Messegäste wohnten bei privat“, erzählt Roland Kerl. Messegäste und Taxerer kannten sich und manch ein Fahrer machte ein Nebengeschäft und brachte Messegäste bei sich unter. Nürnberg war nicht nur die Stadt der Spielwarenmesse. Die heutige Metropolregion war auch Standort zahlreicher Spielwarenproduktionen. Taxis fuhren durch ganz Deutschland, um Messegäste und Aussteller zu transportieren und zusammenzubringen. „Das war eine ganz andere Zeit. Die Besucher blieben oft die gesamte Messedauer hier und nicht wenige haben noch ein paar Tage drangehängt. Entweder privat oder um Firmen wie Zapf, Märklin, Lehmann zu besuchen“, daran erinnert Bilgün Özkan, der zweite gleichberechtigte Vorstand der Taxigenossenschaft. „Nach der Messe taten sich regelmäßig drei oder vier Besucher zusammen, um nach Frankfurt oder München zum Flughafen zu fahren, das war ein gängiges Szenario.“

Taxi-Wissen – Teil 1

Was sich über das Taxifahren zu wissen lohnt.

Freie Wahl des Taxis. Alle Kunden haben die freie Wahl des Taxis am Taxiwarteplatz. Man muss zum Beispiel nicht das erste Taxi einer Warteschlange am Haltepunkt nehmen.

Festpreis vereinbaren. Wenn Sie eine definierte Strecke telefonisch über die Taxigenossenschaft buchen, zum Beispiel von zu Hause zum Flughafen, können Sie einen Festpreis verbindlich vereinbaren. Egal wieviel Verkehr, Stau, ein möglicher Unfall oder notwendiger Umweg auf der Strecke stattfindet.

Kurierfahrten. Taxifahrer fahren nicht nur Gäste. Sie transportieren auch Gegenstände von A nach B, kaufen ein, holen Rezepte oder Einkäufe ab. Auch Lotsendienste („Ich finde den Weg zum Standort XY nicht“) werden geleistet.

Botschafter der Stadt

Im Kino ist das Taxifahrer-Gewerbe etwas für Abenteurer und skurrile Gestalten: Taxi Driver von Martin Scorsese aus dem Jahr 1976 wurde zum Ausgangspunkt für die Karriere des Schauspielers Robert de Niro. Night on Earth erzählt fünf unabhängige Taxigeschichten aus fünf Großstädten der Welt. Fünf verschiedene Autos, fünf Fahrer, fünf Lebensgeschichten, komprimiert in einer Taxifahrt bei Nacht. Die Regie führte 1992 Jim Jarmusch und vier weitere befreundete Regisseure aus den jeweiligen Ländern. Großartiges Kino, doch das Leben spielt anders.
Für den echten Taxifahrer ist der Alltag weniger prosaisch. Viel Zeit vergeht mit Warten am Taxistand. Doch Bilgün Özkan besteht darauf, dass da mehr ist, als ein Trip von A nach B:

„Wir sind die Botschafter unserer Heimatstadt. Wir wecken Interessen, machen aufmerksam, bringen Gäste zur Kaiserburg, ins Spielwarenmuseum, zum Reichsparteitagsgelände und wir wissen, wo es die besten Bratwürste gibt.“

Bilgün Özkan


Damals galt noch: Wer hart arbeitet, der will auch feiern

Taxis der Taxi-Zentrale Nürnberg vor der Nürnberger Burg. © Taxi-Zentrale Nürnberg

Über glanzvolle Feiern großer Spielwarenhersteller wird bis heute gesprochen: „Es war wohl um 1999, als Lego eine zunächst geheim gehaltene Party auf der Kaiserburg organisierte. Ganze Taxiflotten brachten die Gäste an den Ort der nächtlichen Vergnügung“, erinnert sich Bilgün Özkan an ein echtes Spektakel. „Als Landsknechte verkleidete Statisten standen Spalier auf dem Weg hoch zum Burgsaal“.

Auch Playmobil in Zirndorf gehörte zu jenen, die regelmäßig einluden. Die Feiern mit Buffet und Unterhaltung am Abend vor der Messeeröffnung in der Brandstätter-Zentrale waren legendär. „Diese Begegnungen waren tagelang Stadtgespräch“, erinnert sich Roland Kerl. An den Messeabenden fuhren Kunden und Messeaussteller in großen Gruppen gemeinsam ins Restaurant, und danach ging es weiter in die Bars und Diskotheken. „Ganze Taxikolonnen fuhren beispielsweise zum Bammes nach Buch oder zum Schwarzen Adler in Kraftshof“, fällt Vorstand Bilgün Özkan ein.

Taxi-Wissen – Teil 2

Was sich noch über das Taxifahren zu wissen lohnt.

Beförderungspflicht. Taxifahrer unterliegen einer Beförderungspflicht. Egal wer einsteigen will, wie kurz die Strecke ist muss transportiert werden. Eine Ausnahmen bilden aggressive oder sich unangemessen verhaltende Fahrgäste wie z.B. volltrunkene oder übelriechende Gäste.

Nachvollziehbarkeit. Alle Taxifahrten der genossenschaftlich organisierten Fahrer sind auf GPS drei Monate gespeichert und können nachvollzogen werden.

Beschwerdeformular. Sie sind mit einem Fahrer oder einer Fahrt unzufrieden? Oder fühlen sich schlecht behandelt? Die Taxi-Genossenschaft unterhält eine eigene Gerichtsbarkeit, die Streitfälle löst, Fahrer unter Umständen sanktioniert oder Recht spricht. Alle können sich über das Beschwerdeformular an diese Stelle wenden. Der Name der Beschwerdeführenden bleibt geheim.

Zwischen Kundschaft und Kameradschaft

Taxis am Flughafen ©Taxi-Zentrale Nürnberg

Nach wie vor läuft das Geschäft, Fahrten zum Messegelände, Hauptbahnhof, Flughafen und zurück. Was man leicht vergisst, während einer Messe läuft der Taxialltag weiter: „Auch Ende Januar muss die Oma zum Friseur“, lacht Bilgün Özkan. An die Geselligkeit unter den Taxerern wird sich Roland Kerl immer gerne erinnern: „Früher hatten wir eine Fußballmanschaft, die spielte gegen die Mannschaft der Feuerwehr und der Polizei, danach ging man auf ein Bier. Und wenn es dann mal zum Konflikt kam, kannte man sich und konnte Dinge manchmal einfacher regeln.“ Geselligkeit hat nach wie vor eine wichtige Business-Funktion.
 

Taxifahrten

Festpreise ausgewählter Strecken in Nürnberg 2026

Tipp: Sie können jederzeit eine Fahrt über die Taxizentrale zum Festpreis buchen, egal wieviel Verkehr, Stau, Unfall auf dem Weg auch für Verzögerung sorgen mag.

Nürnberg Messe, NCC West → Hauptbahnhof                       25,50 Euro

Nürnberg Messe, NCC West →  Hauptmarkt                         28,00 Euro

Flughafen Nürnberg → Nürnberg Messe, NCC West               38,00 Euro

Hauptbahnhof → Flughafen Nürnberg                                  28,00 Euro

Hauptbahnhof → Kaiserburg                                               17,00 Euro
 

Taxi-Rufnummer: +49 911 19 410

Informationen der Taxi-Zentrale Nürnberg eG

Über den Autor

Peter Budig  hat Evangelische Theologie, Geschichte und Politische Wissenschaften studiert. Er war als Journalist selbstständig, hat über zehn Jahre die Redaktion eines großen Anzeigenblattes in Nürnberg geleitet und war Redakteur der wunderbaren Nürnberger Abendzeitung. Seit 2014 ist er wieder selbstständig als Journalist, Buchautor und Texter. Storytelling ist in allen Belangen seine liebste Form.

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