
75. Jubiläum: Was die Messe für die Stadt bedeutet
Im Gespräch mit Wirtschaftsreferentin Dr. Andrea Heilmaier
Von Peter Budig
Dr. Andrea Heilmaier ist Wirtschafts- und Wissenschaftsreferentin der Stadt Nürnberg. Ihr Referat verfügt über Zahlen und Fakten zur Spielwarenmesse und ihrer Bedeutung für die fränkische Großstadt. Daher weiß sie genau, wovon sie spricht, wenn sie sagt: „Die Nürnberger Spielwarenmesse ist als weltweit größte Leitmesse für Spielwaren eng mit dem Markenaufbau Nürnberg als Messe- und Handelsstadt verknüpft.“
Spuren in die Kindheit
Fast alle Messebesucher räumen ein, dass sie besondere Neugier, ja Vorfreude empfanden, als der erste Besuch der Spielwarenmesse anstand. Kommen sie aus dem Raum Nürnberg, ist oft von einer Sehnsucht die Rede, die man seit Kindertagen empfand. Denn diese Fachbesuchermesse handelt nicht nur mit Waren. Sie transportiert Gefühle und beim Besuch landen Erwachsene, obwohl die meisten Spielzeugprofis sind, emotional in der Kindheit.

Erste Erinnerungen: Plüschtierbad im Wäschekorb
Bei Dr. Andrea Heilmaier, geboren 1978 in Nürnberg, ist das nicht anders. Sie erinnert sich noch gut an eine ihrer ersten bewussten Begegnungen mit einem Spielzeug: „Ich war noch ganz klein, vielleicht drei Jahre alt, als ein Schulfreund meines Vaters zu Besuch da war. Er hatte einen Playmobil-Blumenladen dabei, ähnlich den Kaufläden, nur eben mit Blumen in der Auslage, im typischen Playmobil-Design. Er schenkte ihn mir und ich war völlig hin und weg von dem kleinen Laden.“ Eine weitere emotionale Heimat ihrer Kindheit, erzählt die Politikerin, waren Kuscheltiere: „Es gibt ein Foto von mir, da sitze ich im Wäschekorb meiner Mutter, der bis obenhin gefüllt war mit all meinen Plüschtieren.“
Andrea Heilmaier, ihr Mann und ihre zwei Töchter im Alter von heute 15 und 18 Jahren, sind eine Familie, die gern spielt. Am liebsten Brettspiele wie „Das verrückte Labyrinth“ oder das neue Kartenspiel „Deduckto“. Auch Heilmaiers Lieblingsspiel aus der Kindheit, „Der Schatz der Inka“, und das schnelle „Rummikub“ stehen im heimischen Spieleregal.
Begeistert für die Rechtswissenschaft und die Kommunalpolitik
Mit großer Begeisterung hat Heilmaier Rechtswissenschaften studiert. Sie arbeitete viele Jahre mit Leidenschaft als Staatsanwältin und später als Richterin. Parallel war sie stets politisch engagiert. Ihre politische Heimat ist die CSU. Bereits mit 24 Jahren wurde sie in den Fürther Stadtrat gewählt, der Beginn ihres Engagements in der Kommunalpolitik. „Der Wunsch, politisch zu gestalten, war immer groß“, sagt Heilmaier. Dieser Gestaltungswille führte sie schließlich auch ins Nürnberger Rathaus. Heute empfindet sie die Aufgabe als Wirtschafts- und Wissenschaftsreferentin als eine der erfüllendsten Herausforderungen ihres Berufslebens. Sie spricht davon, wie sehr sie es schätzt, die Entwicklung ihrer Geburtsstadt aktiv voranzubringen, im direkten Austausch mit Wirtschaft, Wissenschaft und der Stadtgesellschaft. „Ich liebe meine Tätigkeit als Referentin“, betont sie. „Es ist ein großes Privileg, für Nürnberg Verantwortung zu tragen und Ideen in konkrete Zukunftsprojekte zu verwandeln.“

Als Wirtschaftsreferentin kam es 2024 zum ersten Besuch der Spielwarenmesse
„Gespannt“, so beschreibt sie ihr Gefühl vor ihrem ersten Besuch der Spielwarenmesse 2024 als Wirtschaftsreferentin. Dort erinnerte ein riesiger hölzerner Kaufladen aus dem Erzgebirge sie auch wieder an ihre Kindertage. Ein weiteres persönliches Highlight war der Besuch in Halle 1: eine ganze Messehalle voll mit Puppen und Stofftieren. Experten wundern sich nicht über die große Auswahl, denn „über 30 % der Aussteller präsentieren ihre Produkte exklusiv in Nürnberg“. So steht es auf der Messe-Webseite.
„Die Nürnberger Spielwarenmesse ist eng mit dem Markenaufbau Nürnberg als Messe- und Handelsstadt verknüpft.“
Dr. Andrea Heilmaier
Nürnberg und die Spielwarenmesse
„Nürnberg ist die Spielzeugstadt; gestern, heute und morgen“, dazu hat Wirtschaftsreferentin Heilmaier einige Zahlen und Fakten zum wirtschaftlichen Nutzen aus dem Wirtschaftsreferat parat.
Von den über 10.000 in der Spielzeugherstellung Beschäftigten in Deutschland sind 5300, über die Hälfte, in der Metropolregion tätig. Innerhalb Deutschlands zählt Nürnberg zu den absoluten Top-Standorten im MICE-Segment (Messe- und Kongressbranche: Meetings, Incentives, Conventions und Exhibitions). So kommt Kaufkraft in die Stadt, so werden Arbeitsplätze gesichert.
Die Sogwirkung der Spielwarenmesse spiegelt sich auch in den Zahlen (von 2025) wider: 2.362 Aussteller, 57.500 Fachbesucher aus 126 Ländern, 175.000 qm Ausstellungsfläche. Die Leitmesse zieht internationale Berichterstattung nach sich, nicht nur Fachpresse, auch Fernsehsender, Korrespondenten aus aller Welt erleben und berichten aus Nürnberg. Bedenkt man, dass zwei Drittel der Übernachtungsgäste Geschäftsreisende sind, lässt sich ermitteln, was die Messe für Hotellerie und Gastgewerbe bedeutet. Auch andere Bereiche (Messebau, Dolmetscherdienste, Taxigewerbe …) profitieren enorm. Das Amt für Kommunikation und Stadtmarketing gab am 23. Januar 2015 bekannt: „Insgesamt löst die Spielwarenmesse in der Metropolregion Nürnberg einen Kaufkraftzufluss von 100 bis 150 Millionen Euro aus.“
Die Spielwarenmesse ist die Mutter des Messewesens in Nürnberg. Sie stärkt die Position Nürnbergs als international renommierter Messestandort. Denn ihr Erfolg und die erfolgreichen Messeprojekte der AFAG haben dem Ausbau Nürnbergs als Messestadt den Weg geebnet: sowohl dem Bau des Messezentrums in Langwasser als auch der Gründung der NürnbergMesse 1974. Seitdem hat sich die Messegesellschaft in 50 Jahren ein vielseitiges Messeprofil an Eigenveranstaltungen in den Bereichen Building & Construction, Electronics & Security, Process Technology, Retail & Consumer Goods sowie Social & Public aufgebaut. Die BioFach, die Embedded World und die Fensterbau Frontale stechen als Weltleitmessen hervor. Und die NürnbergMesse pflegt ein gutes Miteinander zu den Gastveranstaltern Spielwarenmesse eG und AFAG und vielen anderen, die für ihre Veranstaltungen das Messezentrum anmieten.

Stadtentwicklung und Spielwarenmesse
Das Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat verantwortet eine große Bandbreite an Aufgabengebieten. Die Weiterentwicklung einer attraktiven und lebendigen Nürnberger Innenstadt liegt Dr. Heilmaier dabei besonders am Herzen, auch mit Hilfe der Messe. „Wir wollen ToyCity in der Innenstadt sichtbar machen“, verkündet Heilmaier, und dazu gehöre es eben auch, „wo möglich Elemente der Spielwarenmesse in die Stadt zu holen“. Zu den jüngsten Entwicklungen in der Innenstadt, die wie alle Stadtzentren in Deutschland mit Strukturproblemen zu kämpfen hat, zählt die künftige Nutzung des ehemaligen Galeria¬-Karstadt-¬Kaufhof¬-Standorts in der Königstraße. Heilmaier setzte sich gemeinsam mit anderen dafür ein, dass die Stadt das Gebäude im Herzen der Innenstadt erwirbt. Mit innovativen Ideen soll der Standort neu entwickelt werden, u.a. mit Kongresszentrum, Seminar- und Ausbildungsräumen verschiedener Bildungsträger sowie eine mögliche Rooftop-Nutzung mit fantastischem Blick über die historische Altstadt. Vorgesehen ist auch eine Weiternutzung von Teilen des Gebäudes durch attraktive Einzelhandelsangebote. „Es ist uns gelungen, den Nürnberger Kinderbuch-Verlag Tessloff zu bewegen, einen Pop-up-Store einzurichten“, erzählt sie. Hier wird ein Bogen geschlagen, gehört doch der Tessloff-Verlag seit jeher als bedeutender Kunde zur Spielwarenmesse.
„Mein Ziel ist es, mehr Dinge zu ermöglichen“, so Heilmaier, „dazu gehört, dass man auch mal was ausprobiert und entwickelt. Die Spielwarenmesse ist dazu ein perfekter Partner, ist sie doch selbst innovativ und kennt sich mit Branchen im stetigen Wandel bestens aus“. Gespräche mit der Messeleitung über gemeinsame Aktionen, nicht nur im Jubiläumsjahr, haben stattgefunden und sollen fortgesetzt werden. „Wir müssen mehr und mehr Ideen entwickeln, die Spielzeugstadt Nürnberg für die Menschen neu erlebbar zu machen“, schließt die Wirtschaftsreferentin.
Ihre Eintrittskarte für die Spielwarenmesse bringt sie direkt in die Innenstadt. Denn sie gilt an den aufgedruckten Veranstaltungstagen auch als ÖPNV-Ticket für die U-Bahn und alle weiteren VGN-Verkehrsmittel Bahn in der Zone 100/200 Nürnberg, Fürth, Stein.
Auf in die Innenstadt.
Zu den ToyCity Aktionen rund um die Spielwarenmesse
Über den Autor
Peter Budig hat Evangelische Theologie, Geschichte und Politische Wissenschaften studiert. Er war als Journalist selbstständig, hat über zehn Jahre die Redaktion eines großen Anzeigenblattes in Nürnberg geleitet und war Redakteur der wunderbaren Nürnberger Abendzeitung. Seit 2014 ist er wieder selbstständig als Journalist, Buchautor und Texter. Storytelling ist in allen Belangen seine liebste Form.


