
75. Spielwarenmesse 2026: Ich war auch dabei!
Noch mehr Fachbesucher aus aller Welt feierten das 75. Jubiläum
Erfahre von Fachbesucherinnen und Fachbesuchern aus aller Welt, was sie antreibt, den „Spirit of Play“ von Nürnberg in die Welt zu tragen. So vielfältig wie die Menschen, so unterschiedlich sind ihre Motive, die Reise anzutreten. Und immer wieder ist zu spüren, wie die Spielwarenmesse nicht nur Geschäftspartner, sondern auch Freunde zusammenbringt.
Von Peter Budig
Cheshta und Prabal Sabharwal
Unternehmensgründer von Twomimi.com, Kanada

Cheshta und Prabal Sabharwal besitzen Unternehmergeist. Das Ehepaar lebt in Toronto, Kanada. „Unsere Freunde klagen regelmäßig darüber, dass sie für die Kinder kein hochwertiges Spielzeug finden, mit dem sie Spaß haben und lernen können“, erzählt Cheshta. Das war der entscheidende Anstoß, sich selbstständig zu machen. Auf der Spielwarenmesse liegt ihr Fokus auf wertigem Holzspielzeug, schönen Brettspielen und mehr. „Unsere Zielgruppe ist von 5 bis 99, wir wollen Familien zusammenbringen.“ Der Onlineshop und die Webseite namens twomimi.com sind noch im Aufbau, auch Partner wären willkommen. Dafür lässt sich das Unternehmerpaar fünf Tage Zeit für den Messebesuch.
Maria und Michaela Jahn
Inhaberinnen der Porzellan Galerie, Deutschland

Maria und Michaela Jahn sind Beispiele für den klassischen, inhabergeführten Einzelhandel, der seit jeher zur Spielwarenmesse gehört. Und weil ihre „Porzellan Galerie“ in Amberg/Oberpfalz beheimatet ist, 65 km östlich von Nürnberg, kann man verstehen, dass sie seit zehn Jahren jedes Jahr zur Messe kommen. Schmuck, Geschenkartikel, Geschenkinspirationen und vor allem schöner Plüsch – das steht ganz oben auf der Liste der Begehrlichkeiten. „Natürlich haben wir Termine mit bewährten Lieferanten, aber auch ein Auge für neue mögliche Kontakte“, sagt Seniorchefin Michaela. Maria durfte übrigens schon als Kind mit auf die Messe, was den Berufswunsch, den Laden weiterzuführen, verstärkt hat.
Rubén Moreno und Mark Godrie
Chief Operation Officer bei Friki Monkey, Spanien

Die schicken Visitenkarten von Rubén Moreno und Mark Godrie schauen immer wie nagelneu aus. Sie stecken nämlich in durchsichtigen, stabilen Schutzhüllen und das hat in der Tat etwas mit ihrem Business zu tun: Bei beiden „Chief Operation Officers“ dreht sich alles um Sammelkarten, englisch Trading Cards. „Längst sind die Kartendecks von Pokémon, Magic: The Gathering, Yu-Gi-Oh oder Hello Kitty nicht nur zum vergnüglichen Spielen da. Es sind wertvolle Sammelobjekte unter den schön gestalteten Spielkarten, und die sollten am besten gut geschützt sein“, erklärt Mark. Hüllen, Ständer, Alben, Boxen bekommt man bei Friki Monkey, die außerdem eine Trading Card Messe veranstalten: am 15 bis 16. August 2026 im wunderschönen Alicante an der Ostküste Spaniens
Wanja und Monika Schniederjans
Inhaber der Bunte Steinewelt, Deutschland

„Mit Lego fing alles an“, erinnert sich Wanja Schniederjans, Inhaber der Bunten Steinewelt in Meppen. Lego(steine), seit Kindertagen gesammelt, war der Grund, warum er nach abgeschlossenem Studium 2020 in den Einzelhandel einstieg, erst ein kleineres Geschäft eröffnete, dann mit 500 qm ein stattliches Spielzeuggeschäft übernahm. Obwohl heute „alle möglichen Spielwaren, Brettspiele, Kinderbücher, Playmobil, seltene Lego Sets … im Angebot sind, Legosteine in großen Mengen für Sammler und Modellbauer machen weiterhin mein Hauptgeschäft aus“, in Meppen in der Innenstadt und im Onlinehandel.
Sjaak Griffioen
Inhaber Griffioen Gameway, Niederlande

Sjaak (sprich: Schaak) Griffioen ist Stammgast auf der Spielwarenmesse und besitzt ein Autorenprofil der SAZ. Er lebt in Aerdenhout, eine kleine Stadt direkt an der Küste. Sie liegt in den Dünen zwischen Haarlem und der Strandstadt Zandvoort und gilt als die reichste Stadt der Niederlande. Seine Firma heißt Griffioen Gameway. Als Spiele- und Spielzeugdesigner nimmt er mit seinem prallvollen Musterkoffer an der Internationalen Spieleerfindermesse teil. Ein Spezialgebiet des studierten Informatikers sind Gamification Formate; Spiele, die für Bildungszwecke in Firmen oder bei Ausbildungen eingesetzt werden. Raffiniert und immer irgendwie mit einem „Aha-Effekt“ versehen sind seine dreiminesionalen Puzzles. Eigentlich sind es kleine Skulpturen, wie der Kreis aus bunten Teilen, der nur auf eine Weise aufgeht oder die Murmeln, die in eine Box passen müssen. Sjaak Griffioen gilt als Multitalent, er hat zahlreiche Brettspiele für namhafte Verlage erfunden. Auch als Firmenberater im Bereich Innovation hat er sich etabliert. Auf seiner Homepage gibt er diese Arbeitsbereiche an: Beratung, Entwicklung, Design, Bearbeitung, Moderation, Gamification, Fertigung, Recherche, Testen. Auf der Spielwarenmesse am Spieleerfindertag ist das bekannt, rasch ist er von jungen Erfindern umgeben, die eine Beratung oder Entwicklungshilfe wünschen. „Mentor sein“, sagt er, „ist meine Lieblingsposition“.
Emily Rowbotham und Alvin Hussey
Berater bei SuperAwesome, Vereinigtes Königreich

SuperAwesome liefert digitale Lösungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt. Was dem Laien schwer verständlich erscheint, ist für zahlreiche Weltfirmen ein attraktives Angebot: Wir treffen Emily Rowbotham und Alvin Hussey neben dem Eingang zum Stand von Hasbro. Auch andere Marken, Mattel, Netflix, Nike, Nickelodeon, Kellog’s, Unilever, Warner Bros. zählen zu den Kunden der Berateragentur. „Unsere Firma beharrt auf sehr strengen Werten. Sie ist gebaut auf der Sicherheit von Kindern“, erklärt Rowbotham. 100 Mitarbeiter arbeiten für den Dienstleister an mehreren Standorten weltweit, in New York, Los Angeles, Chicago, Singapur und Sydney. Das Hauptziel ist, eine digitale Infrastruktur zu schaffen, die es Marken ermöglicht, sicher und datenschutzkonform mit Kindern und Jugendlichen (unter 16 Jahren) zu interagieren.
Julian Lindner, Stefan Schröder, Anna Lewen, Finja Otremba
Erfinder von Ghosttown, Deutschland

Immer am Freitag findet seit drei Jahren in Nürnberg die Internationale Spieleerfindermesse (Game Inventors Convention) statt. Das ist der Ort, wo kleine Wünsche groß werden können, denn zu den Erfindern mit ihren Prototypen gesellen sich Scouts der großen Spieleverlage. Hier treffen wir Julian Lindner, Stefan Schröder, Anna Lewen, Finja Otremba – alle aus der Bayreuther Gegend. Ihr Ansatz als Spielenerds ist ein Doppelter: Als Mitglieder des lokalen Vereins Brettspieltage Bindlach haben sie es nach etlichen bestandenen Vorentscheiden zum Europameister im Brettspiel gebracht. Als Gruppe haben sie noch mehr Durchhaltevermögen bewiesen: „Insgesamt zehn Jahre hat die Entwicklung von Ghosttown, einem Brettspiel mit Geistern, einem Friedhof, einem verlassenen Zoo und bösen Geisterjägern gedauert. Jetzt ist das gehobene Kennerspiel fertig“, strahlen Stefan Schröder und Lindner, die Autoren. „Den entscheidenden Schwung haben dann die Frauen entwickelt, die später hinzukamen, weil sie das Gamedesign und die Illustration entscheidend vorangebracht haben.“ Inzwischen hat sich das Team entschieden, auch die Produktion selbst zu übernehmen. „Wir sammeln Geld bei Klickstarter und machen alles andere selbst“, stellt Stefan fest.
Die persönlichen Lieblings-Brettspiele der Vier:
Anna Lewen: Munchkin
Finja Otremba: Memories aller Art
Julian Lindner: Terraforming Mars
Stefan Schröder: Auf den Spuren von Marco Polo
Tipp: Am 25. und 26. April 2026 finden in der Bindlacher Bärenhalle wieder die Brettspieltage statt.
Giovanni Tubelli
Onlineshop und Ladengeschäft für Partyzubehör, Italien

Schon als Kind war Giovanni Tubelli, geboren und wohnhaft in Neapel, begeistert von Jonglage. Auch verwandte Disziplinen, Magie, Verkleidung ziehen ihn bis heute an. Also ist er regelmäßiger Besucher der Spielwarenmesse, wo er Neuheiten aufstöbern kann. Mit sechs Mitarbeitern betreibt er sein Ladengeschäft in der Via Montenuovo Licola Patria 103, 80078 Pozzuoli (NA), für Verkleidungen, Kostüme, Ballons, Partyzubehör, Jonglage-Artikel und Magie.
Auch die größte Magie-Show Italiens findet übrigens in Neapel statt, immer im Januar im Teatro Palapartenope (der genaue Termin für 2027 steht noch nicht).
Klaus Müller mit Familie und Freunden
Seniorchef von Spielwaren Schweiger, Deutschland

Der Name des Nürnberger Unternehmers Klaus Müller kennen nur Eingeweihte, fügt man aber an, dass er der Inhaber des Fachgeschäftes „Spielwaren Schweiger“ ist, dann kennt das in Franken jedes Kind. Die Brüder Hans und Georg Schweiger haben 1896 ein Handelsgeschäft mit Spielwaren, Modelleisenbahnen, Dampfmaschinen, Elektroartikeln und Fahrrädern eröffnet. 2021 feierte man den 125. Geburtstag. Nach mehreren Umzügen ist „Spielwaren Schweiger“ mittlerweile im Stadtteil Mögeldorf beheimatet, in fünfter Generation führt Lars Müller das Geschäft. Sein Vater Klaus hat sich aus dem Operativen zurückgezogen. Auf der Spielwarenmesse war die ganze Familie vertreten, und Klaus Müller erzählt: „Früher hieß es immer: In Nürnberg treffen sich alle, in Nürnberg sehen Sie alles. Das stimmt auch heute noch. Die Spielwarenmesse bietet uns Händlern wichtige und wertvolle Informationen über die Neuheiten in der Spielwarenbranche sowie den arrondierenden Sortimenten. Mit Schwerpunktthemen wie Kidults, Nachhaltige Spielwaren, KI Toys werden wir über aktuelle und kommende Trends – auch aus anderen Märkten – informiert.“
Als Unternehmer geht es für Klaus Müller nicht nur um Waren: „Immer wichtiger wird für uns auch das Rahmenprogramm. Beispielsweise im Toy Business Forum, mit interessanten Vorträgen und Diskussionen Trends im Handel und wichtigen Neuerungen, die uns unser Tagesgeschäft erleichtern. Aber natürlich ist es auch das Get-together, der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Handel, der für uns sehr wertvoll ist. Man trifft sich mal mittags zum Lunch oder bei den Abendveranstaltungen, der ToyNight oder der RedNight und hat die Gelegenheit, sich einmal fernab von Tagesgeschäft ausführlich zu unterhalten.“
Eine Anekdote aus der Familiengeschichte dokumentiert den Wandel der Zeiten und der Branche: „Mein Vater hatte seinerzeit in unserem Spielwarengeschäft eine riesige, gut gehende Modelleisenbahnabteilung aufgebaut. In meiner Jugend musste ich während der Spielwarenmesse täglich mehrmals vom Hauptbahnhof mit der Straßenbahn zum Messezentrum – damals noch am Stadtpark – fahren, um dort Kartons mit den Modellbahn-Neuheiten-Katalogen abzuholen. Unsere Stammkunden warteten schon im Geschäft auf diese „heiße Ware“, sie hatten ja keinen Zutritt zur Messe. Die Neuheiten wurden dann heiß diskutiert und bewertet.“
Die Spielwarenmesse als Info-Börse, das ist bis heute so geblieben: „Heute werden wir von unseren Stammkunden auch immer wieder gefragt, was wir denn auf der Spielwarenmesse Neues gesehen hätten. Auch im digitalen Zeitalter hat die Spielwarenmesse ihre besondere Faszination für die Menschen hier nicht verloren.“
Nach der Spielwarenmesse ist vor der Spielwarenmesse. Mit nur einem Click stehst du mit der Spielwaren-Community weltweit in Verbindung – auch wenn du schon längst wieder zuhause bist. Dort findest du auch alle Video-Mitschnitte der Spielwarenmesse 2026.
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Peter Budig hat Evangelische Theologie, Geschichte und Politische Wissenschaften studiert. Er war als Journalist selbstständig, hat über zehn Jahre die Redaktion eines großen Anzeigenblattes in Nürnberg geleitet und war Redakteur der wunderbaren Nürnberger Abendzeitung. Seit 2014 ist er wieder selbstständig als Journalist, Buchautor und Texter. Storytelling ist in allen Belangen seine liebste Form.


