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60 Jahre Star Trek: Auf der Enterprise mit Kirk und Spock

Am 8. September 1966 begann Star Trek. Was als kurzlebige Serie gedacht war, entwickelte sich zu einem der einflussreichsten Phänomene der Popkultur. 
Ein Universum voller fremder Welten und fremder Völker. Zum Leben erweckt in Spielfilmen, Serien, Romanen und Computerspielen. Was fasziniert uns daran? Vielleicht, dass es eine Menschheit zeigt, die Hunger und Not überwunden hat, die friedlich zusammenlebt und nicht nach Besitz strebt. Sondern danach, mehr zu wissen, mehr zu verstehen und sich weiterzuentwickeln.

Schöpfer Gene Roddenberry

Die Geschichte von Star Trek ist zugleich die Geschichte seines Schöpfers: Gene Roddenberry. 1921 geboren, fliegt er während des Zweiten Weltkriegs als Pilot bei der Army und danach bei der Pan Am. Er liebt das Schreiben, verfasst Artikel und Kurzgeschichten, vor allem auf dem Gebiet der Science Fiction. Er hofft, in Hollywood als Autor arbeiten zu können, kündigt seinen Job und zieht 1949 nach Los Angeles. Der Plan geht zunächst nicht auf: Er kann kein einziges Drehbuch verkaufen und muss sich einen Job bei der Polizei suchen.

Während seiner Arbeit als Motorrad-Polizist findet er heraus, dass sich bekannte Drehbuch-Agenten in einer bestimmten Bar treffen; und der einflussreichste von ihnen ist Irving Lazar. Der Legende nach fährt Roddenberry mit Blaulicht und Sirene an die Bar, betritt sie mit Uniform und Sonnenbrille und ruft laut: „Wer von ihnen ist Mister Irving Lazar?“ Der tritt unsicher hervor, worauf ihm Roddenberry einen Umschlag in die Hand drückt: „Das ist für Sie. Ich rate ihnen, es zu lesen.“ Er dreht sich um und verlässt die Bar. Der Agent kann es nicht fassen, dass der Umschlag nur ein Drehbuch-Angebot enthält; doch ihm imponiert die Dreistigkeit. Und: Ihm gefällt das Skript. Damit gelingt Roddenberry der Einstieg in die Fernsehwelt. Er schreibt für Serien-Folgen ein Drehbuch nach dem anderen, verdient gut damit und kann seinen eigentlichen Job an den Nagel hängen.

The Lieutenant

Doch er wünscht sich mehr. Mehr Kreativität und mehr finanzielle Sicherheit. Schaffen könnte er es als Schöpfer einer eigenen Serie, als Autor und als Produzent. Das klappt 1963 mit der Militär-Serie The Lieutenant. Auch wenn sie nur eine Staffel umfasst (die nicht in Deutschland ausgestrahlt wird), verschafft sie ihm wichtige Kontakte. Vor allem sind bereits Teile des Ensembles vertreten, das später Star Trek ausmacht; etwa Leonard Nimoy (Spock) und Nichelle Nichols (Uhura).

Das erste Konzept

Am 11. März 1964 schließlich ist das 16 Seiten starke Konzept von Star Trek fertig. Es unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht vom Pilotfilm. Das Raumschiff heißt zunächst Yorktown, der Captain Robert April (und später Winter), und Spock ist Halb-Marsianer. Roddenberry bietet die Serie vergeblich Studios und Networks an, bis schließlich Desilu zugreift. Die beiden Gründer Lucille Ball und Desi Arnaz sind durch ihre Scheidung und mehrere Misserfolge in Schwierigkeiten geraten. Es benötigt dringend eine frische Serie, um sie den Networks anzubieten.

Das von ihnen vermittelte erste Treffen mit CBS ernüchternd zu nennen, ist allerdings untertrieben. Für gewöhnlich stellt man eine Idee zwanzig Minuten zwei oder drei Angestellten vor. Bei CBS sitzen 15 Topleute im Raum, die sich von Roddenberry ausführlichst die Serie und die geplante Umsetzung erklären lassen. Nach drei Stunden bedankt man sich: Leider könne man die Serie nicht kaufen … weil bereits eine eigene Weltraum-Serie in Arbeit sei. „Lost in Space“. Und Roddenberry wird schlagartig klar, dass er in eine Falle gelockt wurde.

Der Käfig

NBC hingegen zeigt echtes Interesse, ist aber vorsichtig. Eine wöchentliche Science-Fiction-Serie bedeutet hohe Kosten. Man einigt sich auf den Spatz in der Hand: Roddenberry soll Ideen für drei Folgen ausarbeiten. Von denen würde NBC eine auswählen, aus der ein Drehbuch entstehen soll. Er schreibt drei Entwürfe, und NBC entscheidet sich für Der Käfig. Nach dem Drehbuch folgt der Drehstart.

Der Käfig kostet am Ende stolze 686.000 Dollar. Und doch: NBC mag den fertigen Pilotfilm nicht. Zu düster, zu langsam, zu intellektuell, zu wenig Action, zu wenig Spannung. Die Schauspieler mag NBC auch nicht. Ein passiver Kapitän, eine resolute Frau als Stellvertreterin, ein seltsamer Außerirdischer. Aber das Network mag die Idee hinter der Serie; und es gibt Roddenberry eine weitere Chance: Er darf einen zweiten, besseren Pilotfilm drehen.

Der zweite Versuch klappt besser: NBC bestellt eine ganze Staffel. Der zweite Pilot Die Spitze des Eisbergs wird davon Folge 3. Verloren ist auch die Arbeit am geschassten ersten Pilotfilm nicht: Roddenberry baut den Inhalt von Der Käfig als Rückblick und damit als Vorgeschichte in eine Doppelfolge ein. Dabei ist es praktisch, dass der Name des Kapitäns geändert wurde. Denn so kommt es, dass Christopher Pike als Vorgänger von Kirk Teil des Kanons wird. Erst viele Jahre später wird die ursprüngliche Pilotfolge im Fernsehen ausgestrahlt – auch in Deutschland. Heute ist sie Teil der DVD- und Blu-ray-Boxen.

Quelle: heise.de / Autor: René Meyer

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