Action, Woolworth & Co. verdrängen klassische Fachhändler
85 Prozent der Verbraucher kaufen laut einer IFH-Studie bei Non-Food-Discountern wie Tedi oder Action ein – vor allem Deko, Spielwaren und Haushaltswaren. Der klassische Fachhandel verliert dadurch massiv Marktanteile, die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel erreicht den höchsten Stand seit zehn Jahren. „Non-Food-Discounter rücken für viele Konsumenten zunehmend in den Mittelpunkt ihres Alltags“, sagte IFH-Experte Ralf Deckers. Die Ketten ersetzten in zahlreichen Produktbereichen bereits andere Einkaufsstätten und nähmen dem Fachhandel Geschäft weg.
Spielwaren besonders gefragt
Laut einer repräsentativen IFH-Umfrage unter rund 500 Menschen ab 18 Jahren kauften 85 Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren bei Non-Food-Discountern ein. Besonders gefragt waren demnach Dekorationsartikel, Schreib- und Spielwaren sowie Haushaltswaren. Jeder zweite Käufer gab an, dort Produkte zu erwerben, die er bei einem teureren Anbieter nicht kaufen würde. Fast jeder Dritte betrat eine Filiale, ohne etwas Bestimmtes zu benötigen. Als zentralen Grund für den Erfolg der Discounter nannte IFH-Experte Deckers die günstigen Preise und das ausgeprägte Preisbewusstsein der Kunden. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihnen die Preissteigerungen Angst machten.
Fachhandel schrumpft, Insolvenzen steigen
Insgesamt bauten die Non-Food-Discounter ihren Marktanteil im Einzelhandel zwischen 2006 und 2024 laut IFH Köln von unter 14 auf knapp 18 Prozent aus. Der Anteil des nicht-filialisierten Fachhandels sank im selben Zeitraum von gut 25 auf knapp 12 Prozent. Die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel erreichte den höchsten Stand seit zehn Jahren: Der Kreditversicherer Allianz Trade zählte im vergangenen Jahr 2.571 Fälle. Auch Fachhändler geraten in Schwierigkeiten.
Zusätzlichen Druck erzeugen asiatische Onlineplattformen wie Temu und Shein. Das Forschungsinstitut IW Consult ermittelte im Auftrag des Handelsverbands Deutschland, dass dem deutschen Einzelhandel dadurch jährlich Umsätze von 2,5 Milliarden Euro entgehen. Laut einer Prognose des Handelsverbands dürfte die Zahl der Geschäfte in Deutschland in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. „Mit dem Niedergang der kleineren Fachhändler verlieren viele Innenstädte ihre Unverwechselbarkeit und damit ihr Herz“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.