DVSI: Stippvisite in Brüssel
Brüssel ist das Machtzentrum Europas. 705 Abgeordnete mit tausenden von Mitarbeitern sowie 32.000 Beamte arbeiten zum Wohl von etwa 450 Mio. Europäern in 27 Staaten. Weit über die Hälfte aller neuen Gesetze werden in Brüssel und Straßburg beschlossen, allerdings nur – auch das zählt zur Wahrheit –, wenn das Parlament, vor allem aber der Ministerrat die Vorschläge der Kommission billigt. Der Austausch zwischen den Interessengruppen und der Politik – oft und immer wieder kritisiert, aber allein schon wegen des Fachwissens nötig, wie Kritiker einräumen –, gehört ebenfalls zum Alltag am EU-Hauptsitz.
Zu einem solchen Austausch zwischen einem DVSI-Expertenteam mit hochrangigen deutschen Euro-paabgeordneten in Brüssel kam es am 26./27. April 2023 im Brüsseler Europaviertel. Die Delegation mit Ulrich Brobeil (DVSI), Thomas Redemann (Ravensburger), Alexander Breuning (DVSI), Uwe Stützle (Ravensburger) und Rafaela Hartenstein (Hasbro) trugen im Herzen der „EU Bubble“ den MEPs die Anliegen der Spielwarenbranche vor. Zentrales Thema der Gesprächsrunden war dabei die No¬vel¬lierung der Spielzeugrichtlinie, die derzeit noch als „Entwurfspapier“ in den Fluren der Kommission die Runde macht, aber im Juni als Entwurf vorliegen soll. Die Parlamentarier schätzten das inhaltliche Upgrade und den Blick der deutschen Spielwarenbranche. Der DVSI machte in den zahlreichen bila¬teralen Gesprächen seine Position deutlich:
1. Die Spielzeugrichtlinie ist eine Erfolgsgeschichte. An den Hauptprinzipien darf nicht gerüttelt werden. Sicherheit steht für den DVSI und seine Mitglieder über allem. Das Kind darf allerdings nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden, wenn neue Grenzwerte bis an die Grenze der Messbarkeit formuliert werden. Spielwaren müssen bezahlbar bleiben.
2. Der DVSI wünscht sich vor allem eine stärkere und effizientere Marktüberwachung, damit Hersteller von Qualitätsspielwaren nicht durch das Treiben von „schwarzen Schafen“ auf Online-Plattformen diskreditiert werden.
3. Solonummern in der EU wie etwa die jüngsten nationalen Verpackungsvorschriften einiger Mitgliedsländer müssen verhindert werden. Eine europaweite Harmonisierung muss das Ziel sein.
4. Die Zeit ist „reif“ für einen Digital Product Passport.
5. Und, last but not least, Spielzeug ist zwar ein Wirtschaftsgut, aber auch ein Kulturgut mit besonderem gesellschaftlichem Mehrwert.