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Frankreich streicht eigene Paketsteuer für Kleinsendungen

Seit März dieses Jahres wurde in Frankreich eine Paketsteuer in Höhe von zwei Euro pro Kleinsendung aus Nicht-EU-Staaten erhoben, wenn der Warenwert unter 150 Euro liegt. Diese Regelung hat Paris jetzt kurzfristig aufgehoben, denn asiatische Plattformen haben diese Paketsteuer erfolgreich umgangen, sodass die Einnahmen deutlich unter den Erwartungen zurückgeblieben sind.

Stattdessen setzt die französische Regierung auf die neue Zollregel für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten. Die bisherige Zoll-Ausnahme für günstige Lieferungen entfällt ab 1. Juli 2026. Auch für Bestellungen mit einem Wert unter 150 Euro wird nun eine Zollabgabe fällig. Pro Warengruppe werden pauschal 3 Euro berechnet. Die französische Paketsteuer sollte ursprünglich zusätzlich zu dieser neuen EU-Zollregel erhoben werden.

Paris verweist auf einheitliche EU-Zollregel

Doch jetzt macht Paris einen Rückzieher, wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet. „Da wir Teil des Binnenmarkts sind und mit unseren europäischen Partnern zusammenarbeiten, gibt es keine Rechtfertigung mehr dafür, neben dem neuen europäischen ‚3-Euro-Zoll‘ auch noch unsere eigene Paketsteuer beizubehalten“, erklärte das Büro von Handelsminister Serge Papin den Kurswechsel demnach.

Mit der eigenen Paketsteuer verfolgte Frankreich denselben Zweck wie die neue EU-Zollregel, nämlich die Flut an Billigpaketen vor allem aus Asien einzudämmen. 2025 kamen nach Zahlen der EU-Kommission 5,9 Milliarden Sendungen mit niedrigem Warenwert an, ohne dass Zoll fällig wurde – viermal so viel wie 2022 (1,39 Milliarden). Dabei würden viele Produkte gegen europäische Standards verstoßen. Mit der aktuell geltenden Regelung soll der Zoll die Importe besser kontrollieren können und ein fairer Wettbewerb mit europäischen Unternehmen sichergestellt werden.

EU-Import umleiten, dann per Lkw nach Frankreich

Die französische Paketabgabe wurde von Händlern wie Shein, Temu und AliExpress erfolgreich umgangen, indem die Waren zunächst in andere EU-Länder geschickt und dann auf der Straße nach Frankreich transportiert wurden. Das führte zu einem Rückgang der Warenlieferungen um rund 90 Prozent seit März, wie der französische Zoll schätzt. Ursprünglich sollte die eigene Paketsteuer 400 Millionen Euro pro Jahr generieren, doch der Zoll bewertete die tatsächlichen Einnahmen mit 2,3 Millionen Euro pro Monat.

Paris verbucht die eigene Paketsteuer dennoch als Erfolg. „Unser Ziel war es (…), Europa zum Handeln zu bewegen“, und „das ist uns gelungen“, heißt es. „Frankreich war hierbei wirklich Vorreiter“, ergänzte das französische Ministerium für öffentliches Handeln und Haushalt.

Quelle: heise.de

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