Galeria: Insolvenzgeld bewilligt – Zukunft der Warenhäuser offen
Es ist die vierte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren: Die rund 12.000 Beschäftigten von Galeria bekommen Insolvenzgeld, ihre Löhne sind damit vorerst gesichert. Wie es mit der Warenhauskette weitergeht, ist aber offen: Berichten zufolge stehen mehr als 30 der 83 Filialen auf der Kippe. Die Gewerkschaft ver.di fordert einen Eigentümer, der Verantwortung übernimmt.
Die Bundesagentur für Arbeit hat entschieden, dass die rund 12.000 Beschäftigten von Galeria Anspruch auf Insolvenzgeld haben. Damit ist vorerst gesichert, dass ihre Arbeit bezahlt wird. Für die Gewerkschaft ist das ein erstes Aufatmen, aber noch keine Entwarnung: Wie es mit der Warenhauskette und ihren 83 Filialen weitergeht, ist offen.
Galeria hatte am 2. Oktober 2026 beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, Gründe nannte die Geschäftsführung nicht. Drei Tage später ordnete das Gericht das vorläufige Insolvenzverfahren an und bestellte den Düsseldorfer Rechtsanwalt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Kebekus kennt Galeria gut, er hat bereits die Insolvenzverfahren 2020 und 2022 als Sachwalter begleitet. Er muss nun prüfen, ob Galeria noch saniert werden kann. Die Geschäfte laufen vorerst weiter.
Selbstverständlich war das nicht. Aus dem Verfahren von 2024 läuft noch die sogenannte Planüberwachung durch das Amtsgericht Essen. Deshalb war lange unklar, ob ein neues Verfahren überhaupt zugelassen wird und ob die Beschäftigten Insolvenzgeld bekommen. Hätte das Gericht den Antrag abgelehnt, hätten die Warenhäuser sofort schließen müssen.
Wie knapp das Geld schon vorher war, zeigt die Vorgeschichte. Der US-Finanzinvestor Bain Capital hatte Galeria rund 60 Millionen Euro geliehen, zu einem Zinssatz von rund 14 Prozent. Als Anfang des Sommers ein Teil davon zurückgezahlt werden musste, geriet der Konzern laut Spiegel an seine finanzielle Grenze. Ende Juni folgte eine Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers. Abgesichert ist sie durch die Ware in den Häusern, geknüpft an einen Sanierungsplan über drei Jahre, der weitere Schließungen vorsieht. ver.di hatte schon damals gewarnt, dass der Kredit die Ursachen der Krise nicht beseitigt.
Mehr als 30 Galeria-Filialen auf der Kippe
Wie viele Häuser die Insolvenz überstehen, ist offen. Nach Informationen des Spiegels rechnen Insider damit, dass der Sanierungsplan zahlreiche Schließungen vorsieht. Mindestens gut 30 der 83 Warenhäuser stünden demnach auf der Kippe.
Auch die Geschäftszahlen sind schlecht. Laut internen Dokumenten, die dem Spiegel vorliegen, ist der Umsatz innerhalb eines Jahres um zehn Prozent gesunken. Von Oktober 2025 bis Ende September 2026 nahm Galeria 1,79 Milliarden Euro ein, geplant waren gut zwei Milliarden. Der Bruttogewinn sank um 12,7 Prozent auf 728 Millionen Euro. Dabei hatten sich die Eigentümer 2024 den Zuschlag auch mit dem Versprechen gesichert, alle 83 Filialen zu erhalten. Andere Bieter hielten seinerzeit nur rund 60 Häuser für realistisch. Das große Filialnetz verbrauchte dem Bericht zufolge zu viel Geld, gleichzeitig blieb Galeria auf hohen Warenbeständen sitzen und versuchte es mit Rabattschlachten.
Die Verantwortung für die erneute Insolvenz sieht ver.di klar beim Management und bei den Eigentümern. „Haarsträubende Managementfehler haben zu dieser Entwicklung geführt. In den letzten Jahren sind durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen“, sagt Silke Zimmer. Es sei zu wenig in die Häuser und in ein attraktives Sortiment investiert worden und zu wenig auf die Beschäftigten gehört, die ihre Kundinnen und Kunden am besten kennen. „Es darf nicht sein, dass die Beschäftigten die Fehler der Chefetagen austragen müssen.“
Miteigentümer Bernd Beetz schiebt die Verantwortung ebenfalls dem Management zu. Die Insolvenz sei grundsätzlich vermeidbar gewesen, sagte er der Bild-Zeitung, der Umbau gehe zu langsam voran. Er und sein Mitinvestor NRDC, die Investmentfirma des US-Amerikaners Richard Baker, hätten viel eigenes Kapital investiert. Insider schildern dem Spiegel etwas anderes: Die Eigentümer hätten kaum nennenswerte Eigenmittel bereitgestellt und sich stattdessen etwa Beratungsleistungen von Galeria bezahlen lassen. Nach dem Einstieg war von rund 100 Millionen Euro an Investitionen die Rede, Handelsexperten halten eher eine Milliarde Euro für nötig.
Warenhäuser heben Attraktivität der Innenstädte
Aus ver.di-Sicht muss das Management jetzt schnell offenlegen, wie es für die Beschäftigten weitergeht. „Eine Einbeziehung der Beschäftigten und des Gesamtbetriebsrates ist unumgänglich. Die Beschäftigten brauchen jetzt einen Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen!“, so Zimmer.
Ähnlich sieht es der Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. Ein vollständiges Aus hält er zwar für möglich, aber nicht für zwangsläufig. Nötig sei endlich ein Eigentümer, der langfristig an das Geschäftsmodell Kaufhaus glaubt, so Kortum gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk. „Eine weitere Sanierung, die hauptsächlich wieder nur auf Forderungsverzicht und Kostensenkung setzt, dürfte kaum ausreichen.“
Für ver.di steht fest: Warenhäuser spielen weiterhin eine wichtige Rolle für die Attraktivität vieler Innenstädte. Entscheidend für ihren Erfolg sind vor allem die Beschäftigten. Sie sind das Gesicht der Warenhäuser und sorgen für Beratung, Service und Kundennähe.
Quellen: Spiegel / ver.di