Galeria holt Chief Transformation Officer
Der erneut angeschlagene Kaufhauskonzern Galeria treibt den Umbau seines Geschäftsmodells voran und schafft mit Manuel Farrokh erstmals die Position eines Chief Transformation Officer. Die Personalie unterstreicht den hohen Handlungsdruck bei der letzten großen Warenhauskette Deutschlands, lässt jedoch eine zentrale Frage offen: die digitale Zukunft des Unternehmens.
Neue Führungsrolle für umfassende Neuausrichtung
Mit Farrokh holt sich Galeria einen erfahrenen Restrukturierungs- und Turnaround-Spezialisten, der aktuell noch als Partner bei der Beratung Horn & Company tätig ist. Seine Aufgabe umfasst laut Unternehmensangaben die wirtschaftliche Stabilisierung des Filialnetzes, die Optimierung von Flächen sowie die Entwicklung neuer Nutzungskonzepte. Ziel ist es, Kosten zu senken und die Effizienz der Warenhäuser deutlich zu steigern.
Der Schritt folgt auf eine neue Finanzierungsrunde, die dem Unternehmen zwar kurzfristig Spielraum verschafft, jedoch an klare Sanierungsauflagen geknüpft ist. Parallel stehen mindestens 33 der aktuell 83 Filialen auf dem Prüfstand, wobei deren Zukunft maßgeblich von Mietverhandlungen und Standortanpassungen abhängt.
Transformation als klassisches Restrukturierungsprogramm
Das Aufgabenprofil des neuen CTO entspricht weitgehend einem klassischen Sanierungsansatz im Handel. Im Mittelpunkt stehen die Verbesserung der Flächenproduktivität, die Straffung von Kostenstrukturen, Anpassungen im Sortiment sowie effizientere Prozesse in Logistik und Organisation. Farrokh bringt dafür umfangreiche Erfahrung aus Restrukturierungsprojekten im Mode- und Einzelhandel mit. Stationen bei verschiedenen Handelsunternehmen sowie in der Beratung prägen sein Profil, das klar auf operative Neuausrichtung und Effizienzsteigerung ausgerichtet ist.
Digitalstrategie bleibt auffällig ausgeklammert
Auffällig ist jedoch weiterhin, dass zentrale Zukunftsthemen in der Kommunikation keine Rolle spielen. Begriffe wie Omnichannel, E-Commerce, Datenstrategie oder digitale Plattformen tauchen im Zusammenhang mit der Transformation sowie bei der im Sommer 2024 abgeschlossenen Sanierung der dritten Insolvenz praktisch nicht auf. Dies wirkt umso bemerkenswerter, da einerseits das aktuell wenig ambitionierte E‑Commerce‑Business von Galeria ein starker Kostenfresser sein dürfte, andererseits der strukturelle Wandel im Handel stark durch verändertes Konsumentenverhalten geprägt ist. Kunden erwarten heute kanalübergreifende Einkaufserlebnisse, personalisierte Angebote und eine enge Verzahnung von Online‑ und Offline‑Handel. Ohne entsprechende digitale Strategien geraten stationäre Händler zunehmend unter Druck.
Fokus auf Flächen und Mieten
Galeria konzentriert sich derzeit vor allem auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des stationären Geschäfts. Hohe Mietkosten und rückläufige Frequenzen in Innenstädten zählen zu den zentralen Herausforderungen. Flexible Mietmodelle und reduzierte Verkaufsflächen gelten daher als wichtige Hebel im Sanierungsprozess. Diese Maßnahmen können kurzfristig zur Stabilisierung beitragen, beantworten jedoch nicht die grundsätzliche Frage nach dem zukünftigen Geschäftsmodell. Internationale Wettbewerber investieren längst in digitale Plattformen, datenbasierte Steuerung und integrierte Omnichannel-Konzepte.
Langfristige Perspektive bleibt unklar
Die Schaffung der neuen Führungsposition ist ein klares Signal für den Willen zur Veränderung. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass Transformation bei Galeria derzeit primär als Restrukturierung verstanden wird.
Während kurzfristige Maßnahmen zur Kostensenkung notwendig sind, entscheidet langfristig vor allem die Fähigkeit zur digitalen Weiterentwicklung über die Wettbewerbsfähigkeit. Eine klare Strategie in diesem Bereich bleibt bislang aus und könnte zur zentralen Herausforderung für die Zukunft des Unternehmens werden.