Galeria stellt erneut Insolvenzantrag
83 Filialen hat Galeria noch, doch nun herrscht wieder Ungewissheit: Die angeschlagene Warenhauskette hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, heißt es seitens des Unternehmens. Hintergründe teilte Galeria nicht mit, über die weitere Entwicklungen solle aber zeitnah informiert werden.
Der Geschäftsbetrieb solle vorerst weiterlaufen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf das Unternehmen. Den noch rund 12.000 Beschäftigten dürfte der Antrag aber Sorgen bereiten, so mancher dürfte nun um seinen Job bangen. Ob sie Insolvenzgeld erhalten oder ob erneut Standorte schließen müssen, ist bislang unklar.
Gewerkschaft ver.di fordert Aufklärung
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte eine schnelle Aufklärung und die Einbeziehung der Beschäftigten. Silke Zimmer, im Bundesvorstand für den Handel zuständig, erklärte, die Beschäftigten hätten die Entwicklung schon lange befürchtet. Die erneute Insolvenz bedeute völlige Ungewissheit für die 12.000 Beschäftigten in den 83 verbliebenen Filialen. Zimmer sprach von „haarsträubenden Managementfehlern“ und kritisierte, in den vergangenen Jahren seien durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen. Belegschaft und Gesamtbetriebsrat müssten einbezogen werden. Die Beschäftigten bräuchten einen Zukunftsplan und „keine Nebelkerzen“, so Zimmer.
Ob die Beschäftigten Insolvenzgeld erhalten, ist unklar. Das Amtsgericht Essen hat die Planüberwachung für Galeria nach der bislang letzten Insolvenz bisher nicht aufgehoben. Im Juni hatte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit gesagt: „Befindet sich ein Unternehmen weiterhin in der Planüberwachung, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden kann.“ Die Zahlungsunfähigkeit des ursprünglichen Insolvenzfalles dürfe nicht mehr fortbestehen. Bei jeder Prüfung müsse jedoch die konkrete Situation individuell betrachtet werden.
Der Gesamtbetriebsrat von Galeria wollte sich zunächst nicht äußern. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zuallererst unsere Belegschaft im Blick haben“, hieß es auf Anfrage der dpa.
Laut Handelsforschungsinstitut EHI sind die Erlöse des Unternehmens in den vergangenen Jahren, auch infolge der Schließungen, deutlich gesunken. 2019 erzielte Galeria Karstadt Kaufhof mit 174 Filialen EHI zufolge einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später setzte Galeria demnach mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch zwei Milliarden Euro um.
Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen
Für Galeria ist es nach 2020, 2022 und 2024 der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Zahlreiche Filialen wurden infolge der zurückliegenden Verfahren geschlossen. Die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Warenhauskette den Weg aus der Krise zu ermöglichen. Vor gut zweieinhalb Jahren hatte das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den bislang letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. Im Zuge der Insolvenz mussten damals neun der 92 Warenhäuser schließen. Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Galeria verlegte seinen Sitz von Essen nach Düsseldorf.
Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen. Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben. Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, hieß es. Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften. Eine Entscheidung über die Zukunft der Filialen stand zuletzt noch aus.
Quelle: spiegel.de / dpa