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Iran-Konflikt verändert Konsumverhalten in Europa nachhaltig

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten wirkt sich zunehmend spürbar auf das Konsumverhalten in Europa aus. Eine aktuelle Analyse von YouGov Shopper zeigt, dass steigende Kosten für Energie, Düngemittel und Logistik die Preisstruktur im FMCG-Markt grundlegend verändern und Haushalte zu einer strategischeren Einkaufsweise zwingen.

Europa: Preisvorsicht und strukturelle Veränderungen

Seit Beginn der Lebenshaltungskostenkrise im Jahr 2022 verharrt die Preisvorsicht auf einem hohen Niveau: Rund zwei von fünf der europäischen Verbraucher planen, ihr Kaufverhalten aktiv anzupassen. Gleichzeitig ist der Anteil finanziell belasteter Haushalte weiterhin erhöht und hat sich nicht auf das Vorkrisenniveau zurückentwickelt. Besonders Finnland, Ungarn, Rumänien und Spanien stehen unter Druck.

Hinzu kommt eine ausgeprägte Unsicherheit mit spürbaren Auswirkungen auf das Konsumverhalten: Viele Verbraucher in Europa rechnen damit, in naher Zukunft Einschnitte vornehmen zu müssen – insbesondere jene, die bereits zuvor ihr Budget anpassen mussten. Diese Erwartung wirkt als zusätzlicher Treiber für Preisbewusstsein und Konsumzurückhaltung. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Belastung durch steigende Lebenshaltungskosten bereits konkret im Alltag angekommen ist: In mehreren europäischen Märkten berichten Haushalte zunehmend von Schwierigkeiten, zentrale Ausgaben wie Energie, Mobilität und Lebensmittel zu stemmen – auch in Deutschland, wo sich der Kostendruck über mehrere Ausgabenkategorien hinweg verstärkt.
Dies zeigen Daten des Reports From headline to household der Data & Analytics Group YouGov.

Deutschland: Komplexe Konsumreaktionen 

Deutschland nimmt eine besondere Rolle ein, da sich hier zeigt, dass Inflation allein Konsumveränderungen nicht ausreichend erklärt. Daten von YouGov Price Pulse in Zeiten der Ukraine-Krise 2022 belegen, dass sowohl Kategorien mit hoher als auch mit niedriger Inflation Volumenverluste verzeichneten. Beispielsweise verloren Produkte wie Fisch und Wein trotz vergleichsweise geringer Preissteigerungen an Absatz, während gleichzeitig klassische Preistreiber wie Speiseöle ebenfalls rückläufig waren. Dies deutet auf eine zunehmend bewusste und selektive Steuerung des Warenkorbs hin.

Handelsmarken gewinnen an Bedeutung

Ein klarer Trend über alle untersuchten Märkte hinweg ist die steigende Bedeutung von Handelsmarken. In Europa ist deren Marktanteil in den letzten Jahren um durchschnittlich drei Prozentpunkte gewachsen.
In Deutschland machen Handelsmarken 34 Prozent der FMCG-Ausgaben in wohlhabenden Haushalten aus; bei Haushalten, die finanziell unter Druck stehen, steigt dieser Anteil auf 39 Prozent. Dieses Muster zeigt sich auch in Italien, Österreich und Belgien, kehrt sich jedoch in Polen und Ungarn um, wo Handelsmarken stärker auf wohlhabendere Haushalte ausgerichtet sind. Gleichzeitig etablieren sich Handelsmarken zunehmend als smarte Wahl und nicht mehr nur als günstige Alternative.

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