Mehr als die Hälfte der Verbraucher würde Aufpreis für KI-Dateneinsatz zahlen
Mehr als die Hälfte (52 %) der Verbraucher weltweit ist bereit, einen Aufpreis zu zahlen, wenn Unternehmen die Verarbeitung persönlicher Daten im KI-Einsatz offenlegen – im Schnitt sieben Prozent. In Deutschland liegt dieser Anteil bei 73 Prozent – der höchste Wert aller untersuchten Märkte – mit einer durchschnittlichen Preisbereitschaft von neun Prozent.
Das sind Ergebnisse des State of Digital Trust 2026, der zweiten jährlichen Studie, die von Usercentrics, einem führenden Unternehmen für Datenschutztechnologie, in Auftrag gegeben und von Sapio Research unter 11.000 Verbrauchern in sieben Märkten durchgeführt wurde.
Den Chancen für Unternehmen, die handeln, stehen erhebliche Risiken für jene gegenüber, die abwarten. Fast die Hälfte (47 %) der Befragten hat in den vergangenen sechs Monaten mindestens einmal Konsequenzen gezogen – weil ihnen nicht transparent genug war, wie ihre Daten im KI-Einsatz genutzt werden: Abonnements wurden gekündigt, Wettbewerber bevorzugt, Ausgaben gekürzt. Bei einem Unternehmen mit einer Million Kunden summiert sich das auf bis zu 240.000 kaufrelevante Entscheidungen in nur sechs Monaten.
Maßnahmen, die Verbraucher ergreifen:
35 Prozent haben zwei oder mehr dieser Maßnahmen ergriffen – gekündigt, zu einem Wettbewerber gewechselt oder Ausgaben reduziert
24 Prozent haben bewusst darauf verzichtet, ein neues Produkt dieses Unternehmens auszuprobieren
20 Prozent sind zu einem Wettbewerber gewechselt, dem sie einen verantwortungsvolleren Umgang mit KI-Daten zutrauen
20 Prozent haben ihre Ausgaben reduziert
31 Prozent haben Freunde und Familie gewarnt oder sich öffentlich beschwert
„Wie Unternehmen mit Kundendaten umgehen, beeinflusst zunehmend die Kaufentscheidung der Verbraucher – und mehr als die Hälfte ist bereit, transparent agierende Unternehmen mit einem Aufpreis zu belohnen. Wer jetzt handelt, sichert sich nicht nur diesen Aufpreis, sondern eine Marktposition, die sich nur schwer einholen lässt", sagt Tilman Harmeling, Strategy & Market Intelligence bei Usercentrics.
Warum 2026 alles verändert
Drei Entwicklungen haben sich in den vergangenen zwölf Monaten überschnitten und das Verbraucherverhalten rund um KI und Datenschutz grundlegend verändert. Künstliche Intelligenz gibt nicht mehr nur Antworten – sie handelt. Agentische KI greift heute im Auftrag der Nutzer auf Bankkonten, Kalender und Kundendaten zu. Was bei einem Datenmissbrauch auf dem Spiel steht, ist damit für Verbraucher direkt greifbar geworden.
Zugleich verschärft sich die Datenschutzregulierung so schnell wie seit der DSGVO nicht mehr. Der EU AI Act wird aktiv durchgesetzt, mehr als zwanzig US-Bundesstaaten haben eigene Datenschutzgesetze, und die britische Aufsichtsbehörde veröffentlichte im März 2026 ein Grundsatzpapier zur Regulierung agentischer KI.
Aus passiven Verbrauchern sind aktive Entscheider geworden. Eine stetige Folge von Datenpannen, Kontroversen um KI-Training und Bußgeldern wegen Cookie-Bannern hat die Erwartungshaltung verschoben. Das Vertrauen in KI im Umgang mit persönlichen Daten ist gesunken: 52 Prozent der Verbraucher vertrauen KI hier inzwischen weniger als Menschen, gegenüber 48 Prozent im Jahr 2025 – die größte Veränderung im Jahresvergleich seit Beginn der Erhebung.
Ergebnisse im Ländervergleich
Das Vertrauen der Verbraucher in KI unterscheidet sich deutlich zwischen sieben untersuchten Märkten:
Deutschland: 73 Prozent sind bereit, für KI-Transparenz mehr zu zahlen – im Schnitt neun Prozent Aufpreis und damit der höchste Wert weltweit. 75 Prozent haben aufgrund von Bedenken beim Umgang mit KI-Daten bereits Konsequenzen gegenüber einem Unternehmen gezogen.
Italien: 42 Prozent sind bereit, für KI-Transparenz mehr zu zahlen – mit durchschnittlich fünf Prozent der niedrigste Aufpreis aller Märkte.
Niederlande: 77 Proznt empfinden KI-gestützte Personalisierung als aufdringlich – der höchste Wert weltweit. Nur 35 Proznt sind bereit, für KI-Transparenz mehr zu zahlen – der niedrigste Wert weltweit.
Spanien: 76 Prozent haben aufgrund von Bedenken beim Umgang mit KI-Daten bereits Konsequenzen gegenüber einem Unternehmen gezogen – der höchste Wert aller Märkte. 92 Prozent haben in den vergangenen sechs Monaten in irgendeiner Form Maßnahmen zum Schutz ihrer Daten ergriffen.
Schweden: 69 Prozent vertrauen Banken beim Umgang mit ihren Daten – der höchste Wert aller Märkte. Zugleich geben 56 Prozent an, kaum nachvollziehen zu können, wie ihre Daten erhoben werden – ebenfalls der höchste Wert. Schweden nimmt 2026 erstmals an der Studie teil.
Vereinigtes Königreich: 80 Prozent würden einen Anbieter nicht mehr nutzen, wenn ihre Daten missbraucht würden – der höchste Wert aller Märkte. Das Bewusstsein für die eigenen Datenschutzrechte ist hier stärker gewachsen als in jedem anderen Markt: Nur noch 43 Prozent wissen nicht über ihre Rechte Bescheid, gegenüber 50 Prozent im Jahr 2025.
Vereinigte Staaten: 50 Prozent sind bereit, für KI-Transparenz mehr zu zahlen. Nur 39 Prozent vertrauen Behörden beim Umgang mit ihren Daten – der niedrigste Wert aller Märkte.