Nach Abschaffung der Zollfreigrenze: Asiatische Plattformen verlieren Marktanteile
Die erneut schlechter werdende Konsumstimmung schlägt sich im Onlinehandel nieder. Umsatzdaten der bevh-Verbraucherbefragung für das 3. Quartal zeigen ein nur noch schwaches Plus von 2,9 Prozent auf rund 18,5 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal (alle Angaben inkl. USt., nicht inflationsbereinigt). Damit liegen die Umsatzsteigerungen unter der Inflationsrate von 3,3 Prozent im September.
"Nach Erholungssignalen in der ersten Jahreshälfte machen sich stark anziehende Energiepreise und sinkende Einkommenserwartungen im Online-Kaufverhalten bemerkbar", konstatiert Alien Mulyk, Hauptgeschäftsführerin des bevh. Positiv zur Gesamtmarktentwicklung beitragen konnte auch nicht, dass viele Billigpakete aus Asien derzeit nicht mehr den Weg nach Europa finden wie bisher. "Das rasante Wachstum von Temu und Shein in Deutschland ist ins Stocken geraten. Damit sinken auch die Umsätze im Gesamtmarkt, ohne dass hiesige Anbieter von der Schwäche asiatischer Wettbewerber profitieren konnten."
Asiatische Plattformen: erstmals belastbare Zahlen
Die Verteuerung von Kleinsendungen aus Drittstaaten setzt asiatische Plattformen deutlich unter Druck, wie erstmals belastbare Zahlen des bevh zeigen. Die Umsätze von Shein, Temu und AliExpress im 3. Quartal brachen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35,5 Prozent auf aktuell 566 Millionen Euro ein. Der Marktanteil der drei größten asiatischen Plattformen in Deutschland fällt auf 3,1 Prozent; im 2. Quartal lag er noch bei 5,3 Prozent. Mit dem Wegfall der Zollfreigrenze von 150 Euro seit Juli dieses Jahres ist jede Sendung aus Drittstaaten grundsätzlich zollpflichtig. Für Kleinsendungen bis 150 Euro fällt eine Pauschale von drei Euro pro Warengruppe (Zollposition) an. Ab November kommt noch eine pauschale Bearbeitungsgebühr von zwei Euro hinzu.
"Den margenschwachen Niedrigpreisprodukten aus Asien setzen die höheren Abgaben deutlich zu. Zölle allein sind aber nicht genug. Um für fairen Wettbewerb zu sorgen, muss die EU die Marktüberwachungsbehörden stärken und bestehendes Recht durchsetzen. Wichtige Schritte wie den Aufbau einer gemeinsamen EU-Zollbehörde oder die verpflichtende Übermittlung von standardisierten Produkt-IDs hat die EU erst kürzlich auf den Weg gebracht", erklärt Alien Mulyk weiter.
Markt entwickelt sich zweigeteilt
Ungebrochen ist der Wachstumstrend im Onlinehandel mit Medikamenten (+ 15,4 Prozent), Drogerieartikeln (+ 14,3 Prozent) und Lebensmitteln (+ 9,1 Prozent). Für einen Lichtblick sorgt auch der Modehandel, der mit einem Umsatzplus von 4,9 Prozent bei Kleidung und 6,4 Prozent bei Schuhen stärker wächst als der Gesamtmarkt.
In den großen Warengruppen Elektronikartikel und Telekommunikation (- 4,6 Prozent) und Möbel, Lampen und Dekoration (- 5,2 Prozent) wurden im 3. Quartal dagegen viele Anschaffungen zurückgestellt. Im insgesamt schlecht laufenden Cluster Unterhaltung (- 2,6 Prozent) sanken insbesondere die Umsätze mit Bild- und Tonträgern, Video- und Musik-Downloads (- 5,3 Prozent).
Wenig Veränderung zeigte hingegen die Marktdynamik unter den Versendertypen. Am stärksten wuchs der Verkauf über Online-Marktplätze (+ 5 Prozent), gefolgt von einem abermals starken Abschneiden der D2C-Anbieter. Multichannel-Anbieter schafften über ihre Online-Kanäle nur moderate Zuwächse von 2,5 Prozent. Reine Online-Shops (- 0,8 Prozent) bleiben wie schon in den Vorquartalen hinter der Gesamtmarktentwicklung zurück.
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