Schutz von Kindern vor der Vermarktung ungesunder Lebensmittel: WHO stellt neuen Leitfaden vor
Letzte Woche hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren neuen Leitfaden für strengere Vorschriften zur Vermarktung ungesunder Lebensmittel veröffentlicht.
Die Inhalte und Vorschläge dieses Berichts sollen die Regierungen dazu ermutigen, strengere Vorschriften für die Vermarktung von Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an
gesättigten Fettsäuren, Transfettsäuren, freiem Zucker oder Salz (HFSS) an Kinder zu erlassen.
Zum ersten Mal weist die WHO die Länder darauf hin, dass das Problem nur durch verbindliche Vorschriften angegangen werden kann,
die die Möglichkeiten der Industrie, Kinder anzusprechen, einschränken. Wegen der Allgegenwart der Werbung müssten diese Vorschriften über die Medien für Kinder hinausgehen, so die WHO.
"Marketing wird betrieben, um für Produkte zu werben, und die Werbung für Produkte wird betrieben, um den Gewinn zu steigern“,
sagte Francesco Branca, WHO-Direktor für Ernährung und Lebensmittelsicherheit, am Montag gegenüber Reportern.
"Das ist eine klassische Situation, in der es einen Konflikt zwischen den Zielen privater Unternehmen und den Interessen der öffentlichen Gesundheit gibt.“
Die aktualisierten Leitlinien sind das Ergebnis von mehr als einem Jahrzehnt stockender Fortschritte, seit die Weltgesundheitsversammlung im Jahr 2010 erstmals
Empfehlungen zum Schutz von Kindern vor schädlichem Lebensmittelmarketing verabschiedet hat. Dreizehn Jahre nach den ersten Empfehlungen zum Schutz von Kindern vor schädlichen
Lebensmitteln seien die politischen Maßnahmen weltweit nach wie vor unzureichend, sagte er. Von den nur 60 Ländern, die die Vermarktung von Lebensmitteln an Kinder einschränken,
haben nur 20 verbindliche Gesetze erlassen, die oft Lücken aufweisen, da sie oft nur Kleinkinder unter fünf Jahren schützen. Viele dieser Gesetze decken das digitale Marketing nicht ab,
das in unserer digitalisierten Welt der wichtigste Werbekanal für Kinder ist.
"Es bereitet uns allen zunehmend Sorge, dass Kinder heute in digitalen Räumen schädlichem Lebensmittelmarketing ausgesetzt sind", sagte Dr. Ailan Li,
stellvertretende Generaldirektorin für gesündere Bevölkerungsgruppen bei der WHO. "Digitales Marketing ist jetzt und in Zukunft am wichtigsten."
Ziel der Leitlinie ist es, die Fettleibigkeit bei Kindern einzudämmen, denn Schätzungen zufolge werden im Jahr 2020 40 Millionen Kinder unter 5 Jahren übergewichtig oder fettleibig sein.
Da es keine Anzeichen dafür gibt, dass die Industrie sich auf freiwilliger Basis einschränken wird, ist die WHO der Ansicht, dass es an der Zeit ist,
die Realitäten des Marktes zu akzeptieren und gesetzliche Regelungen einzuführen.
Die gesamte Leitlinie kann unter www.who.int nachgelesen werden.