Spielwaren Verband Schweiz fordert gleiche Regeln für alle Marktteilnehmer
Elf Schweizer Wirtschafts- und Konsumentenverbände haben am 29. Januar 2026 ein Schreiben an das Büro des Nationalrates übermittelt. Ihre zentrale Forderung: Die eingereichten Vorstösse zur Regulierung ausländischer Online-Plattformen müssen in der Frühjahrssession behandelt werden.
Temu, Shein und Aliexpress generieren in der Schweiz Umsätze von über einer Milliarde Franken. Die Tendenz: klar steigend. Täglich kommen 500'000 Pakete in die Schweiz, wobei die meisten davon nicht den Schweizer Sicherheitsstandards entsprechen. Das zeigen diverse Tests des SVS und der Stiftung Warentest.
Ein Systemproblem
Die Lücken im Gesetz sind riesig: Ausländische Online-Plattformen profitieren von rechtlichen Schlupflöchern, die Schweizer Unternehmen nicht haben:
- Die private Einfuhr fällt weder unter das Produktesicherheitsgesetz (PrSG) noch unter die Schweizer Spielzeugverordnung. Giftige Schwermetalle, verschluckbare Kleinteile wie Magnete: nichts davon wird kontrolliert.
- Keine Haftung: Wenn ein Kind durch ein Temu-Produkt verletzt wird, haftet niemand. Die Eltern sind schutzlos.
- Keine Umweltstandards: Temu & Co. zahlen keine Entsorgungsgebühren. Sie liefern täglich 500'000 Pakete per Luftfracht in die Schweiz.
Schweizer Spielwarenhersteller, Einzelhändler, Textilanbieter zahlen doppelt: Sie halten sich an Gesetze, verlieren aber ihre Märkte an Plattformen, die diese Gesetze einfach ignorieren. Mehr noch: Sie müssen sogar die Entsorgung der kurzlebigen Produkte der chinesischen Plattformen finanzieren!
Konkrete Forderungen
Elf Verbände fordern:
- Sitzpflicht: Ausländische Online-Plattformen müssen einen juristischen Sitz in der Schweiz haben, wo sie erreichbar und haftbar sind.
- Produktsicherheit: Online-Plattformen müssen als Inverkehrbringer gelten. Das heisst: Sie haften für die Sicherheit der Produkte, die sie verkaufen.
- Kontrollmöglichkeiten: BAZG und der kantonale Vollzug müssen die Möglichkeit haben, Produkte zu kontrollieren. Bei Bedarf durch eine kleine Paketgebühr finanziert.
- Nachhaltigkeit: Online-Plattformen müssen sich an die Schweizer Umweltstandards halten.
- MWST-Enforcement: Die seit 1. Januar 2025 geltende Plattformbesteuerung muss konsequent durchgesetzt werden. Shein und Aliexpress sind bis heute nicht registriert, die ESTV muss handeln.
- Es gibt schon fünf eingereichte parlamentarische Motionen: Diese müssen behandelt werden.
Die Verbände fordern das Parlamentsbüro auf, folgende Vorstösse in der Frühjahrssession (März-Juni 2026) zu traktandieren:
- Motion 24.3687 (Michaud Gigon): Sitzpflicht für grosse Online-Händler
- Motion 24.4162 (Brenzikofer): Regulierungsmassnahmen für ausländische Online-Händler
- Motion 24.4240 (Roduit): Produktsicherheit auch bei privater Einfuhr
- Motionen 24.4619-24.4623 (Michaud Gigon, Schneeberger, Gutjahr, Meier, Gysi): Schutz der Gesundheit bei Online-Einkäufen
Einige dieser Vorstösse liegen seit 1,5 Jahren im Parlament, ohne Handlung.
Der Brief wurde unterzeichnet von:
- Spielwaren Verband Schweiz (SVS)
- SWISS RETAIL FEDERATION
- Handel Schweiz
- Swiss Textiles
- Fédération romande des consommateurs (FRC)
- ASMAS Verband Sportfachhandel Schweiz
- Verband Schweizer Papeterien
- Verband Schweizer Spielwaren-Detaillisten
- Schweizerisches Konsumentenforum
- Promarca (Markenverband)
- PBS und Grusskarten Schweiz
Diese Liste zeigt: Das Problem betrifft nicht nur Spielzeug, es betrifft den gesamten Schweizer Handel.
Warum der SVS diese Offensive führt
«Unsere Tests haben gezeigt: 80 Prozent der Spielzeuge von Temu und Shein erfüllen nicht die Schweizer Sicherheitsstandards», so Sandro Küng von der SVS-Geschäftsstelle. «Hier geht es nicht darum, dass die Bevorteilung chinesischer Plattformen der Schweizer Wirtschaft enorm schadet. Es geht ganz konkret um Hunderttausende gefährliche Produkte, die in die Hände von Kindern gelangen. Knopfbatterien, die Verätzungen verursachen, verschluckbare Kleinteile wie Magnete, die den Darm perforieren könnten oder giftige Schwermetalle in Farben», so Küng. «Die Spielregeln müssen für alle Marktteilnehmer gleich sein. Sonst ist es kein Markt, sondern Chaos!»
Der Nationalrat hat die Chance, das zu ändern. In der Frühjahrssession. Jetzt ist der Moment.