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Temu-Spielzeug in Kita sorgt für Diskussionen

Seit Monaten besucht eine Mutter mit ihrem Kind verschiedene Frühförderangebote. Und immer wieder dasselbe Bild. „In all den Gruppen wird Spielzeug für die Kleinen bereitgestellt und ich habe wirklich in jeder Gruppe jetzt schon stolz die Leiterinnen sagen hören, dass sie dieses und jenes Spielzeug so günstig auf Temu für die Gruppe gekauft haben“, schreibt sie in einem Elternforum auf Reddit. Der Grund: In Gruppenangeboten gehe Spielzeug schnell kaputt – da lohne sich teures Material nicht. „Ich hätte lieber weniger Spielzeug als welches, wo ich Sorge haben muss, dass es sonst was für Giftstoffe enthält“, sorgt sich die Mutter.

Reaktionen der Eltern 

Die Reaktionen auf den Beitrag sind unterschiedlich. „Geht gar nicht! Es ist doch inzwischen wirklich bekannt, dass die Produkte von Temu nicht sicher sind“, kommentiert eine Nutzerin. Sie habe in ihrer Krabbelgruppe kaputte Sachen eigenmächtig aussortiert und stattdessen eigene Bälle mitgebracht.

Ein Vater schreibt: „Wäre für mich ein Grund, nicht mehr teilzunehmen.“ Er rät, das Thema offen in der Gruppe anzusprechen. Auch der Vorschlag, gebrauchtes Spielzeug über Kleinanzeigen zu besorgen, kommt mehrfach. „Kleinanzeigen ist voll mit Spielzeug. Teilweise wird es auch verschenkt“, schreibt eine Kommentatorin. Andere zeigen Verständnis: „Die Fördermittel reichen in der Regel nicht aus, um da groß aufzuspielen.“

Worüber sich viele Eltern Sorgen machen, lässt sich wissenschaftlich belegen. Professor Josef Köhrle, Direktor des Instituts für Experimentelle Endokrinologie an der Charité, hat die Schadstoffbelastung von Spielzeug untersucht. „In mehreren Studien wurden Spielzeuge dieser Plattformen als besonders problematisch eingestuft“, sagte er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Weltweit seien Spielzeuge verschiedener Hersteller getestet worden. Das Ergebnis: Bis zu 40 Prozent enthielten bedenkliche Mengen an hormonähnlichen Chemikalien, sogenannte EDCs (endokrine disruptive Chemikalien).

Schadstoffe im Spielzeug

Diese Stoffe entstünden bei der Plastikherstellung und seien auf Etiketten nicht angegeben. „Das ist ein großes Problem, denn so belasten die Stoffe Verbraucher im Verborgenen“, sagt Köhrle. Die Folgen seien oft erst Jahre später sichtbar. „Besonders gravierend können die Effekte in der frühen Kindesentwicklung sein. Solche Belastungen können langfristig das Hormonsystem schädigen – bis ins Erwachsenenalter hinein.“

Bei billigen Massenprodukten würden häufig verunreinigte Ausgangsmaterialien verwendet. „Seriöse Hersteller achten darauf, dass ihre Produkte nicht stark belastet sind. Aber bei billigen Massenprodukten sieht das oft anders aus“, sagt der Endokrinologe. Unabhängige Tests stützen diese Einschätzung.

Die Stiftung Warentest hat wiederholt Spielzeug auf Schadstoffe geprüft. In Tests fallen immer wieder Spielzeuge durch hohe Schadstoffbelastungen, verschluckbare Kleinteile oder scharfe Kanten negativ auf. Betroffen sind dabei nicht nur Billigprodukte, sondern gelegentlich auch Markenware. Im Oktober 2025 warnte die Stiftung Warentest explizit vor Schnäppchen von Plattformen wie Temu und Shein, bei denen teils erhebliche Sicherheitsmängel und eine hohe Konzentration gefährlicher Stoffe wie Formaldehyd festgestellt wurden.

Billiges Spielzeug hat in Kitas nichts verloren

Wie viel billig verarbeitetes Kinderspielzeug in deutschen Kitas verwendet wird, lässt sich schwer sagen. Eine Berliner Kita-Leiterin weiß aus eigener Erfahrung: „Ich habe das tatsächlich noch nicht gehört, dass irgendeine Kita-Leitung in großem Stil bei Anbietern wie Temu oder Shein Spielzeug kauft. Das ist eher ein Einzelfall.“ Ihr Eindruck sei, dass immer mehr Einrichtungen auf hochwertigere Produkte zurückgriffen, sagte sie der Frankfurter Rundschau.

Quelle: Frankfurter Rundschau / Reddit

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