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Temu-Zoll verändert Warenverkehr aus China

Der neue EU-Zoll auf günstige Onlinebestellungen zeigt Wirkung. Er adressiert ein wachsendes Wettbewerbsproblem: Temu, Shein, AliExpress und andere asiatische Plattformen setzen heimische Händler mit extrem niedrigen Preisen unter Druck. Geringere Kontroll-, Sicherheits- und Abgabenlasten schaffen einen unfairen Kostenvorteil, der Margen drückt und besonders kleinere Händler aus dem Markt zu verdrängen droht.

Nach Daten des niederländischen Luftfrachtanalysten Rotate sank die direkte Frachtkapazität zwischen China, Hongkong und Europa nun unmittelbar nach dem Start des Temu-Zolls deutlich, berichtet die der ungarische Wirtschaftszeitung Világgazdaság.

Besonders betroffen waren Flughäfen, über die viele Pakete aus China nach Europa kommen. Airlines strichen dort kurzfristig Flüge oder verlegten sie auf andere Strecken – ein Zeichen dafür, dass sie schnell auf den Zoll reagieren, nicht aber dafür, dass weniger bestellt wird.

Die wichtigsten Infos zum Temu-Zoll:

  • Frachtkapazität aus China und Hongkong sank um 19 Prozent
  • Zwischen dem 2. und 8. Juli lag die Kapazität auf Asien-Europa-Routen acht Prozent niedriger
  • Hongkong verlor 47 Prozent, Budapest rund 45 Prozent seiner relevanten Frachtkapazität
  • Jeder zweite deutsche Kunde chinesischer Onlineshops würde bei Aufschlägen seltener bestellen
  • Mittelfristig dürften die Plattformen Waren verstärkt gebündelt importieren

Temu-Zoll verändert Flugrouten

Seit 1. Juli 2026 gilt für Sendungen aus Nicht-EU-Staaten mit einem Wert von höchstens 150 Euro ein vorläufiger Zoll von drei Euro je Warenkategorie. Enthält ein Paket beispielsweise mehrere T-Shirts, werden drei Euro fällig. Kommt eine Uhr hinzu, steigt die Abgabe auf sechs Euro. Die Regel soll bis zum 1. Juli 2028 gelten und später durch reguläre produktspezifische Zölle ersetzt werden.
Rotate registrierte besonders starke Rückgänge an E-Commerce-Drehkreuzen wie Budapest, Lüttich und Madrid. Von Hongkong aus brach die angebotene Frachtkapazität um 47 Prozent ein.
Die Entwicklung passt zu einem länger laufenden Umbau: Bereits vor dem EU-weiten Zoll lenkten Händler und Fluggesellschaften Sendungen zwischen europäischen Flughäfen um, um nationale Gebühren und steigende Abfertigungskosten zu vermeiden. Die ersten Juli-Daten dürfen deshalb nicht ausschließlich der neuen Abgabe zugerechnet werden.

Wirkung bei Käufern – Plattformen reagieren

Für die Anbieter ist entscheidend, ob sie die zusätzlichen Kosten selbst tragen oder an ihre Kundschaft weiterreichen. Eine repräsentative YouGov-Befragung unter 10.280 Erwachsenen zeigt ein erhebliches Preisrisiko: 50 Prozent der bisherigen Kunden von Shops aus Drittstaaten würden bei Aufschlägen seltener bestellen, 15 Prozent ganz darauf verzichten. Nur 22 Prozent wollen unverändert häufig kaufen.
Im Vorjahr stieg die durchschnittliche Bestellhäufigkeit deutscher Haushalte bei Temu, Shein und AliExpress von 5,4 Bestellungen im Jahr 2024 auf 7,3 im Jahr 2025. Von einem Ende des Booms kann daher noch keine Rede sein.

Nach Angaben des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel erreichen asiatische Plattformen inzwischen 5,3 Prozent des deutschen Onlinehandels. Ihre Umsätze wachsen um mehr als 20 Prozent. Der Verband erwartet nur eine begrenzte Zollwirkung, weil große Anbieter längst Logistikzentren in Europa aufbauen. Statt Millionen einzelner Pakete könnten sie künftig Containerladungen gesammelt einführen, verzollen und anschließend innerhalb der EU verteilen.

Langfristig könnte Zoll-Maßnahme verpuffen

Auch DHL und der Flughafen Leipzig/Halle rechnen deshalb eher mit einer kurzfristigen Delle als mit einem strukturellen Einbruch. Der Zoll verteuert das bisherige Direktversandmodell, beseitigt aber weder die Preisvorteile chinesischer Plattformen noch Defizite bei Produktsicherheit und Marktüberwachung. Finanziell kommt die Abgabe überwiegend der EU zugute: Zölle zählen zu den traditionellen EU-Eigenmitteln. Die Mitgliedstaaten behalten 25 Prozent als Erhebungskosten ein, 75 Prozent werden dem EU-Haushalt zugeführt. Sie fließen allerdings nicht unmittelbar beim Kauf nach Brüssel, sondern werden zunächst von den nationalen Zollbehörden vereinnahmt.

Die erste Bilanz lautet daher: Der Temu-Zoll verschiebt Frachtströme schneller, als er Nachfrage vernichtet. Ob die Billig-Plattformen dauerhaft bremst, entscheidet sich weniger an Flughäfen als an den Preisen im Warenkorb.

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