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Übernahmeversuch: Gamestop greift nach Ebay

Ebay ist zum Ziel eines Übernahmeversuchs geworden: Die amerikanische Videospielekette Gamestop hat angekündigt, den Onlinehändler für fast 56 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Es ist ein gewagter Schritt, zumal Ebay gemessen an Kennzahlen wie Umsatz oder Marktkapitalisierung deutlich größer ist als Gamestop. Ryan Cohen, der Vorstandschef von Gamestop, hat seine Ziele für ein fusioniertes Unternehmen in vollmundigen Tönen beschrieben. Dem Wall Street Journal sagte er, Ebay könne zu einem „ernsthaften Wettbewerber von Amazon“ werden. Er deutete auch an, zu einem feindlichen Übernahmemanöver bereit zu sein. Ebay äußerte sich am Montag zunächst nicht zu dem Gamestop-Angebot.

Gamestop ist ein auf Videospiele spezialisierter Händler mit rund 1600 Geschäften in den USA. Das Unternehmen ist auch bekannt für die Kurskapriolen, die es vor rund fünf Jahren an der Börse erlebt hat. Damals erlebten Gamestop und einige andere Unternehmen einen Ansturm von Investoren. Es handelte sich dabei insbesondere um Privatanleger, die auf Plattformen wie Robinhood mit Aktien handelten. Der Kurs von Gamestop näherte sich damals zeitweise der Marke von 500 Dollar.

David gegen Goliath

Heute kostet die Aktie 26,50 Dollar, und der Börsenwert liegt bei rund 12 Milliarden Dollar. Unter Cohen, der seit 2023 Vorstandschef ist, hat sich das Geschäft aber stabilisiert. Er hat das Unternehmen restrukturiert und unter anderem eine Reihe von Läden geschlossen. Gamestop weist mittlerweile wieder Gewinne aus. Der Umsatz war allerdings bis zuletzt rückläufig, im vergangenen Jahr fiel er um fünf Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar.

Ebay wird derzeit an der Börse mit rund 46 Milliarden Dollar bewertet, also rund viermal so hoch wie Gamestop. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 11,1 Milliarden Dollar. Gamestop bietet 125 Dollar je Aktie für Ebay, das entspricht einem Aufschlag von rund 20 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Den Preis will Gamestop nach eigener Aussage jeweils zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien bezahlen. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben zuletzt Barbestände von 9,4 Milliarden Dollar, und es sagte jetzt, es habe eine Kreditzusage von der kanadischen Investmentbank TD Securities in Höhe von 20 Milliarden Dollar. Cohen sagte dem Wall Street Journal, er wolle Ebay zu einem Unternehmen machen, das mehrere Hundert Milliarden Dollar wert sei. Wie er in einem Brief an Ebay-Verwaltungsratschef Paul Pressler schrieb, hat Gamestop schon einen Anteil von fünf Prozent aufgebaut.

Ebay auf Erholungskurs

Nach schwierigen Jahren hat sich Ebay in jüngster Zeit wieder etwas erholt, und der Aktienkurs stieg in den vergangenen zwölf Monaten um fast 50 Prozent. Der Umsatz wuchs 2025 um acht Prozent, im ersten Quartal dieses Jahres gab es ein weiteres Plus von 19 Prozent. Ebay hat sein Geschäft in den vergangenen Jahren verstärkt auf Kategorien wie Secondhand-Mode oder Produkte zum Sammeln wie Sammelkarten ausgerichtet. Im Februar hat das Unternehmen den Kauf von Depop angekündigt, einem Marktplatz für Secondhand-Mode. Der Preis lag bei 1,2 Milliarden Dollar. Im selben Monat gab Ebay aber auch den Abbau von 800 Arbeitsplätzen bekannt, was rund sechs Prozent der Belegschaft entspricht.

Zwischen Ebay und Gamestop gibt es einige Überschneidungen: Auch Gamestop will zum Beispiel das Geschäft mit Sammelkarten ausbauen. Das Unternehmen versuchte jetzt bei der Ankündigung des Kaufangebots, mögliche Verbundvorteile hervorzuheben. Es sagte, sein Ladennetz könne für Ebay nützlich sein und etwa für die Authentifizierung von Produkten eingesetzt werden. Gamestop stellte außerdem jährliche Einsparungen von zwei Milliarden Dollar in Aussicht.

Quelle: FAZ / Wall Street Journal 

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