Umfrage: Was Menschen von der Innenstadt der Zukunft erwarten
Die Zukunft unserer Innenstädte wird häufig als Konflikt zwischen Verkehrswende und Autoverkehr diskuiert. Die Ergebnisse einer aktuellen Bevölkerungsbefragung des IFH Köln in Zusammenarbeit mit Lödige Industries Urban Futures in Transition. Rethinking Mobility, Space and Access in European Cities zeigen jedoch ein differenzierteres Bild: Die Menschen wünschen sich weder ein Weiter so noch eine Politik der Einschränkungen. Stattdessen erwarten sie intelligente Lösungen, die Erreichbarkeit sichern, öffentliche Räume attraktiver machen und die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse zusammenbringen.
Ohne Zugang keine attraktive Innenstadt
Für die Bevölkerung beginnt Innenstadtattraktivität nicht bei Geschäften, Gastronomie oder Veranstaltungen – sondern beim Zugang. Wer nicht gut in die Innenstadt kommt, besucht sie seltener oder gar nicht. Für 93 Prozent der Befragten ist eine gute Erreichbarkeit Grundvoraussetzung für den Besuch einer Innenstadt. Gleichzeitig sagen 45 Prozent, dass sich die Erreichbarkeit in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hat. Daraus entsteht eine zentrale Herausforderung für Städte und Kommunen: Wer die Attraktivität und Frequenz der Innenstädte stärken möchte, muss zuerst die Erreichbarkeit sicherstellen. Bemerkenswert ist dabei der pragmatische Blick der Bevölkerung auf Mobilität. Verbesserungen beim öffentlichen Nahverkehr werden ebenso begrüßt wie eine bessere Erreichbarkeit mit dem Auto. Die Menschen steht nicht das Verkehrsmittel im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sie die Innenstadt einfach und zuverlässig erreichen kann.
Auto bleibt wichtiger Frequenztreiber
Trotz aller Diskussionen über die Verkehrswende bleibt das Auto das wichtigste Verkehrsmittel für den Innenstadtbesuch. 46 Prozent der Befragten nutzen überwiegend das Auto, weitere 13 Prozent kombinieren Auto und ÖPNV. Insgesamt fahren 80 Prozent zumindest gelegentlich mit dem Auto in die Innenstadt. Besonders deutlich zeigt sich dies außerhalb urbaner Zentren. Im ländlichen Raum nutzen 66 Prozent primär das Auto für ihren Innenstadtbesuch, während es in städtischen Regionen 36 Prozent sind. Gleichzeitig greifen auf dem Land 92 Prozent zumindest gelegentlich auf das Auto zurück – in Städten sind es 74 Prozent. Diese Zahlen machen deutlich: Für viele Menschen ist das Auto keine Komfortoption, sondern eine notwendige Voraussetzung für die Teilhabe am innerstädtischen Leben. Das Auto wird auf absehbare Zeit Teil des Mobilitätsmixes bleiben. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Menschen mit dem Auto in die Innenstadt fahren, sondern wie diese Mobilität möglichst effizient und flächenschonend organisiert werden kann.
Fläche versus Nutzung
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die häufig beschriebene Gegenüberstellung von Auto gegen Stadt zu kurz greift. Tatsächlich geht es um die Frage, wie begrenzte Flächen künftig genutzt werden sollen. 87 Prozent der Befragten nehmen Flächenkonkurrenzen in Innenstädten wahr, 72 Prozent empfinden diese Konflikte als störend. 71 Prozent fordern eine hohe Priorität für deren Lösung. Gleichzeitig sind 86 Prozent überzeugt, dass die Auflösung dieser Konflikte Innenstädte attraktiver machen würde.
Besonders groß ist dabei der Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität. 84 Prozent möchten mehr Grün- und Verweilflächen in Innenstädten. Noch bemerkenswerter: 81 Prozent würden die Innenstadt häufiger besuchen, wenn dort mehr Aufenthaltsqualität geschaffen würde. Mehr Grün und attraktivere öffentliche Räume sind damit nicht nur ein gestalterisches Ziel, sondern können direkt zur Belebung der Innenstädte beitragen.