Umfrage zu digitaler Souveränität im Marketing
Deutsche Unternehmen hängen marketingseitig massiv von großen Tech-Plattformen ab. Eine Umfrage unter Marketing-Entscheidern der internationalen Wirtschaftskanzlei Hausfeld und des Marktforschungsinstituts YouGov zeigte, dass der wirtschaftliche Erfolg von zwei Dritteln der deutschen Unternehmen von Plattformen wie Google, Meta oder Amazon abhängt. Weitere Ergebnisse der Befragung verdeutlichen nun, dass die meisten Marketing-Abteilungen kaum darauf vorbereitet sind, wenn der Zugang zu einem dieser Kanäle plötzlich eingeschränkt oder vollständig gesperrt wird. Zudem kennen nur wenige Entscheider ihre rechtlichen Möglichkeiten, um sich gegen solche Maßnahmen zu wehren.
Mehrheit nicht auf Plattform-Sperren vorbereitet
Konkret geben lediglich 15,7 Prozent der befragten Marketing-Entscheider an, dass ihr Unternehmen vollständig darauf vorbereitet ist, wenn ein wichtiger Werbekanal kurzfristig gesperrt wird oder sich die Funktionsweise des Algorithmus abrupt verändert. Ein Drittel (33,3 Prozent) fühlt sich zumindest teilweise vorbereitet. Demgegenüber sagen 34 Prozent der Befragten, ihr Unternehmen sei auf ein solches Szenario überhaupt nicht vorbereitet, während weitere 17 Prozent keine Einschätzung dazu geben können.
Dabei zeigt die Umfrage, dass solche Situationen keineswegs nur theoretischer Natur sind. Mehr als jeder fünfte Marketing-Entscheider (22 Prozent) berichtet, dass in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Werbeanzeige seines Unternehmens ohne nachvollziehbare Begründung abgelehnt wurde. Ähnlich viele Befragte (20,8 Prozent) geben an, dass ihr Unternehmen sogar schon mit einer vollständigen Sperre, Einschränkung oder Löschung eines Werbekontos, Produkt-Listings oder Accounts konfrontiert war.
Plattform-Sperren lassen sich nur mit großem Aufwand lösen
Die Umfrage zeigt auch, dass sich der Zugang zur jeweiligen Plattform nur in den seltensten Fällen problemlos wiederherstellen lässt. So geben nur 15,2 Prozent der betroffenen Marketing-Entscheider an, dass sich die Situation in ihrem Fall unkompliziert lösen ließ. Die Mehrheit (57,6 Prozent) berichtet hingegen, dass die Wiederherstellung des Zugangs mit erheblichem Aufwand verbunden war. Weitere 21,2 Prozent der Betroffenen sagen sogar, sie hätten große Schwierigkeiten gehabt oder seien weitgehend hilflos gewesen, weil sie kaum Einfluss auf den Entscheidungsprozess der Plattform nehmen konnten.
Ein Grund dafür scheint die mangelnde Transparenz vieler Plattformen zu sein. So geben 33,3 Prozent der Befragten an, dass die Plattformen bei der Bearbeitung solcher Fälle komplett intransparent gewesen seien. Lediglich 24,2 Prozent berichten von einem vollständig transparenten Vorgehen. Entsprechend hoch ist auch das Gefühl der Abhängigkeit: Insgesamt 84,9 Prozent der Marketing-Entscheider geben an, sich bei der Aufhebung einer Sperre teilweise oder sogar vollständig gegenüber den Plattformen ausgeliefert zu fühlen.