
Spieleideen aus aller Welt
Internationale Spieleverlage in Nürnberg
Von Peter Neugebauer
Zusammen mit den etablierten Verlagen sorgen internationale Kleinanbieter für eine Fülle an Spieleideen. Sie haben ihre Nische gefunden und zeigen ihre Produkte in Nürnberg, um Partner für den Handel oder als Lizenznehmer zu finden. Mit exklusiven Neuheiten können sie punkten.
Abstrakte Ideen

Münzen im Portemonnaie. Der belgische Verlag Eureka! steht für eine umfangreiche Range an über 60 Logik-Puzzeln für eine Person. Es sind Konstruktionen aus Metall, die angenehm in beiden Händen liegen. Durch Drehen, Wenden, Verschieben werden sie gelöst. Sobald die Teile auseinandergepuzzelt sind, gibt es den freudigen an Archimedes erinnernden Ausruf: Eureka! Ich hab’s gefunden. Nun müssen die Teile wieder zusammengesteckt werden, was genau so verzwickt ist. Ganz neu ist „Cast Wallet“. In eine flache Metallschachtel müssen drei Doppelmünzen gesteckt werden. Diese sind unterschiedlich dick und erschweren das Lösungsvorhaben. Auf einer Skala von 1 bis 6 ist diesem Puzzle die Schwierigkeit 4 zugeschrieben.
Autor: Der japanische Puzzle-Designer Koichi Miura

Dem König auf den Fersen. Der taiwanesische Verlag Tree Toys Corporation hat mit „Kloak“ ein Zwei-Personen-Duell entwickelt. Inspiriert durch die Rosenkriege im England des 15. Jahrhunderts, sind es die Königskronen York und Lancaster, die erbittert gegeneinander kämpfen. Clou ist es, dass die Figuren in ihren Setzmulden geheime Siegel bergen, die bei einer Konfrontation aufgedeckt werden. Wenn beispielsweise der Eid-Getreue auf den gegnerischen Verräter stößt, müssen beide die Spielfläche verlassen. So wird taktiert, gekämpft und die eigene Identität ummantelt (Titel!), bis der gegnerische König besiegt ist. Ein harter Kampf. Durch Neuverteilung der Siegel unter den Setzfiguren entsteht stets eine andere Herausforderung.
Autor: Dennis Callaghan (NZ)

Muster legen. Der kanadische Anbieter FoxMind setzt sein Augenmerk mit „Match Madness Plus“ auf ansprechendes Puzzeln. Es sind Musterkarten, die eine Aufgabe vorgeben. Allein oder in Konkurrenz versucht nun jeder, die Vorgabe zu erfüllen. Jedem stehen fünf Blocks zur Verfügung. Das sind Doppelwürfel, die auf ihren Längsseiten Farben und Muster aufweisen. Jeder einzelne Block ist anders konfiguriert. Es ist nun Aufgabe, aus den Doppelwürfeln das vorgegebene Muster nachzubauen, und zwar schneller als die Konkurrenten. Vier Spielsteine sind zumeist leicht zu arrangieren, aber der fünfte passt selten auf Anhieb. Dann muss von vorne gepuzzelt werden. 120 verschiedene Aufgaben sind fordernd.
Autor: Jeppe Norsker (DK)

Das wird nicht jedem gefallen. Der argentinische Verlag Buró traut sich etwas. Mit „Shitty Friends“ und „Shitty Choices“ bietet er zwei Kartensets mit Frageimpulsen, die eigentlich keiner hören möchte. Buró selber labelt seine Schachteln mit den Hinweisen „Spicy“ oder „Warning – Dark Humor – 18+“. Bei den Fragen geht es moralisch ans Eingemachte. Es muss aus der Spielrunde stets der herausgefiltert werden, auf den die angesprochene Unart wohl am ehesten zutrifft. Z.B.: Wer nach einem hohen Lotto-Gewinn für immer aus dem Freundeskreis verschwindet? Manche Kartentexte sind noch härter. Die Fragekarten sind nur für eine spezielle Zielgruppe. Die wird es sicherlich auch geben. Was aus dem Freundeskreis wird, bleibt unbeantwortet.
Autoren: Michel Fischman & Emmanuel Rabell

Ganz klassisch, aber auf Asiatisch. Der vietnamesische Hersteller WAHHOI bietet mit „Chinese Checkers“ die fernöstliche Variante von Halma. Hierzulande ist diese Version auch als Sternhalma bekannt. Es wird auf einem sternförmigen Brett gespielt. Die Figuren müssen von der eigenen Spitze auf dem Plan in die gegenüberliegende Zone gezogen werden. Dabei ist es erlaubt und strategisch wichtig, durch Kettenzüge eigene wie gegnerische Figuren zu überspringen und so schneller zum Ziel zu gelangen. Da diese Version mit bis zu sechs Personen spielbar ist, ergeben sich breiter angelegte Zugmöglichkeiten. Schön bei dieser asiatischen Ausgabe ist, dass Kugeln als Figuren über Mulden gezogen werden.
Autor: Traditionelle Spielidee
Erlebnisspiele

Leben in der Südsee. Der us-amerikanische Verlag Mojito lockt in „Tropicalia“ auf eine idyllische Insel im Südpazifik. Die Spieler schicken ihre Leute, um köstliche Früchte zu sammeln. Diese werden auf Marktplätzen verkauft. So erschafft sich jeder die Möglichkeit, Gebäude zu errichten oder bei Events Gastgeber zu sein. Schließlich entscheidet das höchste Prestige über den King of the Island. Spielmechanisch ist clever, dass jeder von außen Anspruch auf Reihen im Planinnern anmeldet. Dabei weiß niemand sicher, welches Plättchen er für seinen Fortschritt nehmen kann, weil kreuz und quer andere zuvorkommen können. Das Spiel hat ein einladendes Thema und einen pfiffigen Mechanismus.
Autor: Phil Walker-Harding (AU), Illustration: Naiade

Lecker Eis schlecken. Der niederländische Verlag Jolly Dutch bereitet mit „Gelati“ allen Freunden von schmackhafter Eis-Creme spielerische Freude. Dominoähnliche Plättchen zeigen bunte Köstlichkeiten. Es sind Schleckereien mit einer Waffel, einer Eissorte und einem Topping. Das sieht auf den Kärtchen recht bunt aus. Diese werden nun in eine Auslage aneinandergelegt, so dass möglichst viele gleiche Arten zueinander passend ausliegen. Das erbringt Punkte. Wenn darüber hinaus auch noch über mehrere Kärtchen Vier-in-einer-Reihe gebildet wird, gibt es zusätzliche Vorteile. Die raffinierte Mischung aus Domino und Reihenbildung ist der Pluspunkt bei diesem eher einfachen Legespiel.
Autor: Rian Mennen, Illustrator: David Verstraete

Den Apfelbaum hochklettern. Der aus Indien stammende Verlag Skillmatics lässt die Spieler bei “Newton’s Tree“ in die Höhe werkeln. Gemäß einer Aufgabenkarte müssen Baumstämme, Äste oder auch Äpfel geschichtet werden, so dass ein Obstbaum in die Höhe wächst. Nichts darf dabei herunterfallen. Da das ein kippeliges Unterfangen ist, muss mit Geschick und ruhiger Hand ans Werk gegangen werden. Eine gelungene Idee ist, dass als Figur Isaac Newton, dem bei der Erkenntnis der Erdanziehungskraft ein Apfel vom Baum auf den Kopf gefallen sein soll, immer wieder das filigrane Gebilde aus Ästen, Stämmen und Früchten hochklettert. Das bringt den Aufbau in Unwucht und erschwert das Stapeln.
Autor: David Yakos (US)

Gold-gelber Herbstspaziergang. Die Italiener von Little Rocket Games haben mit „Fall“ ein ungewöhnliches Natur-Spiel für zwei Personen entwickelt. In jeder Runde nehmen sich die beiden Kontrahenten 2 x 2 Sechseckplättchen aus der Tischmitte. Diese werden an oder in eine gemeinsame Auslage gelegt. So entsteht ein herbstlicher Waldboden mit viel Blätter- und Blumengewirr. Zu den Plättchen gibt es Tier-Token wie Vogel, Kröte oder Fuchs. Diese werden taktisch in die Auslage platziert. Da jeder individuelle Ziele hat, bleibt bis zum Schluss ungewiss, wie der einzelne Spieler punkten wird. Das erhöht die Spannung. Pilze, es ist ja Herbst, können ebenfalls gesetzt werden und punkten für beide gleich.
Autor: Giampaolo Razzino (IT), Illustrator: Mirko Properzi

Idylle am Martini Beach. Planet A Games aus Deutschland lädt zu einem Krimirätsel ein: „Das Monster aus der Lagune“. In der Bucht soll ein Ungeheuer leben, das durch ein Amulett besänftigt wurde. Aber jetzt ist dieses Schmuckstück verschwunden und die idyllische Ruhe in der Lagune vorbei. Was ist geschehen? Als Ermittler lesen sich die Spieler in Zeitungsausschnitte, Werbebroschüren, Landkarten und manches mehr ein. Ebenfalls muss App-Infos gelauscht werden. Schließlich gilt es, die geheimnisvollen Umstände aufzuklären. Steckt doch etwas anderes als diese mysteriöse Schauergeschichte hinter allem? Das Spiel befindet sich in der Tradition vieler Exit- und Escape-Spiele und bietet atmosphärische Unterhaltung.
Autoren: Doro und Jonas Hufer, Illustrator: Folko Strese
Über den Autor
Peter Neugebauer ist ein „Spielkind“ durch und durch. In früher Kindheit wurde er durch seine Eltern ans Brettspiel herangeführt. Spiele als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk waren obligatorisch und stets gern gesehen. Er hörte auch während des Studiums oder während seiner Berufsjahre nicht auf zu spielen. Schon früh rezensierte er Neuheiten, zunächst in reinen Fachzeitschriften, dann auch in Tageszeitungen und seit fast 40 Jahren in Branchenmagazinen. Ohne Spielen geht’s bei ihm nicht.


