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Nachhaltige Spielzeugproduktion in Südostasien

Projektstart mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Arbeitsschutz und Transparenz

Von Daniele Caroli

Das Programm Sustainable Toy Value Chains hat das Ziel, über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren nachhaltige Produktionsweisen in Spielzeugfabriken in Indonesien und Vietnam zu fördern. Es wird durch develoPPP finanziert. Das erste Projekt entstand aus einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem International Sustainable Chemistry Collaborative Centre (ISC3) und dem Ethical Supply Chain Program (ESCP).
Eine Kooperationsvereinbarung zwischen ISC3 und ESCP wurde im Dezember 2025 unterzeichnet, mit dem Ziel, nachhaltigere Produktion in der globalen Spielwarenindustrie zu fördern.

  • Das International Sustainable Chemistry Collaborative Centre (ISC3) zeichnet sich durch seine Innovations-, Politik- und Bildungsprogramme im Bereich nachhaltige Chemie aus. Aktuell arbeitet es mit einem Netzwerk von über 40 internationalen Partnern und bindet jährlich mehr als 2.000 Stakeholder ein. Die Initiative bietet konkrete Werkzeuge zur Reduzierung chemischer Risiken, zum Ersatz gefährlicher Stoffe, zur Verbesserung des Chemikalienmanagements und zur Schaffung sichererer Arbeitsplätze.
  • Das Ethical Supply Chain Program (ESCP) konzentriert sich auf die Stärkung sicherer, ethischer und transparenter Arbeitsbedingungen entlang komplexer Lieferketten; seine Initiativen erreichten bereits über 1.200 Zulieferer der Spielwarenbranche in Asien und Lateinamerika.

Ziele der Kooperation

Durch die Vereinbarung arbeiten ISC3 und ESCP zusammen, um insbesondere Zulieferer im Globalen Süden bei der Einführung nachhaltiger Produktionspraktiken und dem Ersatz schädlicher Chemikalien durch sichere Alternativen zu unterstützen. Sie binden Akteure aus der Privatwirtschaft – von großen Spielwarenmarken bis zu kleinen Herstellern – ein, um deren Engagement für Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles Chemikalienmanagement zu erhöhen. Zudem werden Ressourcen mobilisiert, um gemeinsame Aktivitäten zu skalieren und die Wirkung in der globalen Spielwarenindustrie zu verstärken.

Zusammenarbeit ISC3-ESCP

Da die Spielwarenindustrie sowohl hinsichtlich ihrer Umweltbilanz als auch ihrer sozialen Auswirkungen im Fokus steht, betont die Zusammenarbeit zwischen ISC3 und ESCP, dass Nachhaltigkeit und das Wohlergehen der Beschäftigten Hand in Hand gehen müssen. „Die Spielwarenbranche mit ihren globalisierten Produktionsketten kann enorm von sichererem Chemikalieneinsatz und verbesserten Arbeitsbedingungen profitieren“, so Thomas Wanner, Geschäftsführer des ISC3. Weitere Informationen oder Interesse an einer Beteiligung: aine.mccarthy@ethicalsupplychain.org (ESCP) und romina.laumann@giz.de (ISC3).

Start des ersten Projekts

Das von ISC3 und ESCP organisierte Webinar „Sustainable Manufacturing in Southeast Asia“ präsentierte die erste gemeinsame Brancheninitiative mit Fokus auf Vietnam und Indonesien. Teilnehmende Unternehmen erhalten Unterstützung beim Management von Chemikalien-, Umwelt- und Arbeitsrisiken in ihrer Lieferkette und beim Ausbau der Lieferantenkompetenz. Zudem werden sie unterstützt, um den Anforderungen an Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG), Sorgfaltspflichten und Erwartungen der Einkäufer gerecht zu werden. Darüber hinaus profitieren sie von verbesserter Lieferantenleistung, Transparenz und Widerstandsfähigkeit sowie vom kollektiven Handeln zur Erzielung systemischer Wirkung in der Spielwarenproduktion.

Carmel Giblin, Präsidentin & CEO des ESCP, erklärte im Webinar am 20. Januar 2026: „Wir suchen 4-5 Unternehmen zur Teilnahme, aber das Projekt ist für jede Firma weltweit und die gesamte Spielwarenbranche nützlich.“

Projektziele

‍Durch gezielte Schulungen, technische Unterstützung und Zusammenarbeit mit Stakeholdern verfolgt das Projekt Sustainable Manufacturing in Southeast Asia folgende Ziele:

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Produktionspraktiken im Zusammenhang mit dem Chemikalieneinsatz in Fabriken
  • Stärkung der lokalen Fabrikkompetenz durch praxisnahe Schulungen und Wissenstransfer
  • Förderung geschlechtersensibler Arbeitssicherheit mit inklusiven Trainingsansätzen
  • Förderung des Einsatzes von recycelten Kunststoffmaterialien im Produktdesign und in der Fertigung
  • Einführung und Stärkung frauenfreundlicher Beschwerdemechanismen zur Unterstützung der Beschäftigten
  • Verankerung von Nachhaltigkeitserwartungen in der globalen Spielwarenindustrie und im weiteren Fertigungsökosystem

Engagement der Spielwarenbranche

Romina Laumann, ISC3 Director Strategic Alliances, betonte die Bedeutung des Projekts: 90 % der weltweiten Produktion sind auf chemische Produkte angewiesen. „Wir wissen, dass chemische Materialien Verschmutzung verursachen, und unsere Mission ist es, nachhaltige Chemie zu fördern. Wir unterstützen über 300 Start-ups. 2025 haben wir begonnen, auch mit der Spielwarenbranche zusammenzuarbeiten, in der es Potenzial für Verbesserungen und die Reduzierung von Kunststoffen gibt.“

Die Lieferketten der Spielwarenbranche sind global und komplex, wobei die Produktion in Südostasien konzentriert ist. Fabriken stehen vor Herausforderungen im Zusammenhang mit Chemikalieneinsatz, Arbeitsschutz und Umweltauswirkungen. Über 60 % der Beschäftigten in Spielzeugfabriken sind Frauen, was geschlechtersensible Arbeitssicherheitsmaßnahmen erfordert. Marken wiederum benötigen glaubwürdige, skalierbare Ansätze, um Zulieferer zu unterstützen und ESG- sowie Lieferkettenrisiken zu reduzieren.

Die Initiative unterstützt Spielzeugfabriken in Vietnam, Indonesien und weiteren Ländern Südostasiens im Rahmen eines strukturierten 2-3-jährigen Projekts mit messbaren Impact-Kennzahlen. Sie wurde beim develoPPP Programm eingereicht und erhielt sehr positives Feedback.

Ziele des ISC3

Das ISC3 wurde 2017 vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt initiiert und von der GIZ, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, umgesetzt. Die Initiative fördert nachhaltige Chemie weltweit und trägt zu den globalen Nachhaltigkeitszielen bei. Sie engagiert sich in internationalen Politikrahmen, beschleunigt und unterstützt nachhaltige Innovationen und entwickelt Wissen und Kompetenzen im Rahmen sektorübergreifender und wertschöpfungskettenübergreifender Zusammenarbeit.

Weitere Marken zur Teilnahme eingeladen

develoPPP ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Es richtet sich an Unternehmen, die nachhaltig in einem Entwicklungs- oder Schwellenland investieren und ihre lokalen Aktivitäten ausbauen möchten. Das Programm ist aktuell in über 60 Ländern verfügbar. Voraussetzung für eine Förderung sind langfristige Geschäftsinteressen im Land und nachhaltige Entwicklungsvorteile für die lokale Bevölkerung.

Teilnahmeberechtigt sind Unternehmen mit Sitz in der EU, EFTA oder einem Entwicklungs-/Schwellenland, die privatwirtschaftlich und gewinnorientiert arbeiten. Weitere Anforderungen: Jahresumsatz von mindestens 800.000 €, mindestens 8 Mitarbeitende, mindestens zwei testierte Jahresabschlüsse.

Sustainable Toy Value Chains, das gemeinsam mit ESCP und ISC3 gestartete develoPPP-Projekt, bindet bereits einen privaten Partner ein: das deutsche Unternehmen Schleich. Ziel ist die Qualifizierung von Arbeitskräften, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Unterstützung des grünen Wandels und Kostensenkung. Die öffentliche Förderung durch develoPPP beträgt rund 450.000 €.

Weitere Marken sind eingeladen, sich für 2-3 Jahre zu engagieren und das Projekt durch Know-how und finanzielle Beiträge aktiv mitzugestalten. Nach Genehmigung durch das BMZ werden Konzept, Plan und Budget bis Ende April finalisiert, sodass die Kooperationsvereinbarung bis Mitte Mai unterzeichnet werden kann.

Arlett Laroy, Projektmanagerin Indonesien und Vietnam bei develoPPP, erläuterte, dass Projektpartner entweder finanziell oder durch Dienstleistungen (sog. „in-kind contributions“, also nicht-monetäre Beiträge, die die Umsetzung des Projekts direkt unterstützen) zum Projekt beitragen können. Die Kooperationsvereinbarung sieht vor, dass GIZ und das Unternehmen das Projekt gemeinsam planen und konkrete Arbeitspakete definieren, die untereinander aufgeteilt und gemeinsam auf eigene Kosten umgesetzt werden. Bei dieser Vertragsart fließt kein Geld zwischen den Projektpartnern.

Zum Webinar „Sustainable Manufacturing in Southeast Asia“, bereitgestellt vom Ethical Supply Chain Program
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