
Spielwarenmesse - Eine Erfolgsgeschichte
Wer Anfang des Jahres die Spielwarenmesse in Nürnberg besuchte, konnte mehr als nur Neuheiten entdecken: Eine zeichnete die Entwicklung der Branche von den Anfängen bis heute nach. Sie machte sichtbar, wie aus einer Vision der Nachkriegszeit eine weltweit prägende Plattform wurde
In den späten 1940er-Jahren, zu einer Zeit, als Deutschland sich wirtschaftlich und gesellschaftlich neu aufbaute, legten vier führende Persönlichkeiten der Spielwarenbranche den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte von globalem Ausmaß. Im Jahr 1949 verfolgten Carl Ehmann, Vertreter von Märklin, Ernst Theodor Horn, Hauptgeschäftsführer des Deutscher Spielwaren-Industrie-Verband, Arno Drottboom, Direktor von VEDES, sowie Hans Mangold, Vertreter von GAMA, ein ehrgeiziges Ziel: eine zentrale Fachmesse für die Spielwarenindustrie in Nürnberg zu schaffen.
Nur ein Jahr später, im März 1950, eröffnete die erste „Deutsche Spielwaren-Fachmesse“ mit 351 Ausstellern und mehr als 4.300 Besuchern. Offiziell eröffnet wurde die Messe von Ludwig Erhard, Bundesminister für Wirtschaft, was ihre wirtschaftliche Bedeutung von Anfang an unterstrich. Nach dieser erfolgreichen Premiere gründeten der Messeausschuss und 46 Unternehmen die Genossenschaft Spielwarenmesse eG, geführt von Ernst Theodor Horn und Fritz Drescher als Vorstandsmitglieder.
Die folgenden Jahre waren geprägt von starkem Wachstum und zunehmender Internationalisierung. 1951 ersetzte das Schaukelpferd den Nürnberger Stadtturm als Symbol der Messe. Unter der langjährigen Leitung von Fritz Drescher, der 1956 alleiniger Geschäftsführer wurde, stiegen die Besucherzahlen kontinuierlich an und überschritten 1957 erstmals die Marke von 10.000. Ein entscheidender Schritt erfolgte 1958, als die Veranstaltung in „Internationale Spielwarenmesse Nürnberg“ umbenannt wurde und ihre Türen für Aussteller aus aller Welt öffnete. Diese Internationalisierung gewann 1973 weiter an Dynamik, als die Messe in das neu errichtete Ausstellungsgelände in Nürnberg-Langwasser umzog und erstmals eine klare Gliederung nach Produktgruppen ermöglichte. Ab 1974 stärkte Dr. Benno Korbmacher, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Spielwaren-Industrie-Verbandes, als Geschäftsführer die globale Stellung der Messe und verhandelte die kontinuierliche Erweiterung des Messegeländes.
In den späten 1970er- und 1980er-Jahren etablierte sich die Internationale Spielwarenmesse endgültig als weltweit führende Branchenplattform. Die Besucherzahlen überschritten die Marke von 30.000, und auch die Zahl der Aussteller wuchs weiter, unterstützt durch neue Hallen wie die 1984 eröffnete Frankenhalle. In den 1990er-Jahren wurde der internationale Charakter unübersehbar: Mehr als 2.000 Aussteller, nahezu die Hälfte davon aus dem Ausland, präsentierten ihre Produkte. In dieser Zeit übernahm Gerd Bise 1996 den Vorsitz des Vorstands und trieb eine Modernisierung von Marke und globalem Marketing voran. Im Jahr 2001 wurde die Messe von Gerhard Schröder eröffnet, gefolgt 2003 von Johannes Rau. 2004 wurden neue Leitformate wie das InnovationCenter, der ToyAward und das Industry Forum eingeführt und stärkten die Rolle der Messe als Treiber von Innovation und Wissensaustausch.
Die folgenden Jahre brachten weitere Entwicklungen in Führung und Struktur. Dr. Hans-Jürgen Richter übernahm zunächst die operative Verantwortung, bevor Ernst Kick 2003 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde und die Messe durch weiteres Wachstum sowie ihr 60-jähriges Jubiläum im Jahr 2009 führte, eröffnet von Angela Merkel. Selbst die beispiellosen Herausforderungen der Coronavirus-Pandemie konnten ihren Fortschritt nicht aufhalten: Als 2021 und 2022 keine physischen Veranstaltungen möglich waren, sorgten digitale Formate für globale Vernetzung. 2021 führte ein neues Führungstrio – Christian Ulrich, Florian Hess und Jens Pflüger – die Messe in eine neue Ära.
Im Jahr 2025 feierte die Spielwarenmesse eG ihr 75-jähriges Firmenjubiläum mit einem neuen Hallenkonzept und der Eröffnung der Halle 3C. Und 2026 findet die Spielwarenmesse zum 75. Mal in Nürnberg statt – ein kraftvolles Zeugnis von Vision, Führung und dem ungebrochenen globalen Geist des Spielens.
























