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Reif für die Insel? Dann spiel Freiluftwelten

Outdoor und Indoor geeignet: Die Brettspiel-Innovation aus dem Verlag Denkriesen

Nicht nur der französische Naturphilosoph Jean-Jacques Rousseau hätte an „Freiluftwelten“ seine Freude gehabt. Dieses Familienbrettspiel verkörpert das Motto Zurück zur Natur wie kaum ein anderes. Rousseau nutzte den Naturzustand als hypothetisches Gedankenexperiment, um den Kern des Menschen zu entschlüsseln. Hier ist Freiluftwelten viel weiter. Ein gar nicht hypothetisches Brettspiel zum Anfassen, auspacken und zum Drinnen-wie-Draußen spielen für die ganze Familie. Im Mittelpunkt des Spiels steht eine Insel, ob sie einmal eine solche mit zwei Bergen wird, liegt ganz an der Brettspielrunde. Wie immer, wenn man gemeinsam spielt, entblößt sich der Mensch rasch vom Inneren her und ist nur ganz Mensch, wenn er spielt, wie Friedrich Schiller sagte.

Spielen im Freien mit selbst gesammeltem Spielmaterial

Nomen est Omen, mit den Freiluftwelten geht man am besten raus in die Natur. Dort kann sich „diese Spielidee, die es so noch nicht gegeben hat, verwirklichen“, sagt Co-Erfinder Jens-Peter Schliemann.  Auch im Fachmagazin spielbox, wo Autor Udo Bartsch dem Neuling eine ganze Seite widmete, wird konstatiert: „Freiluftwelten bricht mit Brettspielgewohnheiten“. Also wird die mitgelieferte Spieldecke – blau wie das Meer – ausgebreitet und was dann geschieht, kann keiner vorher absehen. Die Spieleenden sammeln jedenfalls ihr Spielmaterial selbst ein: Laub, Sand, Äste, Vogeleierschalen, Beeren, Ähren, Nüsse... Aus Sand und Kieselsteinchen wird ein Berg. Jeder bekommt seine Spielfigur in seiner Spielfarbe. 

Herausforderungen ganz kreativ lösen

Nun gilt es, laut Regelvorgabe, kreativ zu sein und Aufgaben zu lösen: „Wie erreiche ich die Insel? (im Angebot wären Boot, Surfbrett, Kanu …). Es gilt den Alltag zu bewältigen (Hunger stillen, Verletzungen heilen, Ungeziefer besiegen). Dazu muss man ein Team sein, muss Begriffe, konkrete und abstrakte – so mit gefundenen Naturmaterialien formen oder bauen, dass sie erraten werden können, von Spielenden ab 7 Jahre. Wer richtig rät und wer so darstellt, dass es die anderen erraten können, bekommt Punkte. Denn auch auf dieser Insel geht es um mehr als nur die Ehre. Das Eiland kann übrigens – nicht nur an Regentagen – auch im Wohnzimmer aufgebaut werden, denn in jeder Wohnung finden sich Dinge, aus denen sich Material für Ratebegriffe erschaffen lässt. 

Eindrücke vom Testspielteam

Unser Versuchsteam bei der Nachbesprechung im Wohnzimmer: Jaqueline mit Sonea, Lana (und unten klein Emilio) und Sophia mit Souly.

"Dies ist ein Spiel, das uns Menschen wieder in den kindlichen Sandkasten versetzt“ – so jedenfalls hat es unser Testteam erlebt. Wir haben drei junge Frauen, Sophia, Jacqueline und Lana gebeten, Freiluftwelten zu testen. Jackys Tochter Sonea (7) gehörte ebenfalls zum Testteam. Alle sind geübte Brettspielerinnen, sogleich fällt ihnen das Besondere auf: „Man hat die ganze Zeit das Gefühl, man hilft sich gegenseitig, denn Punkte gibt es nur, wenn der andere deine Begriffsbauten entschlüsselt“, erklärt Lana. Mit dabei sind auch die beiden Jüngsten, die gut einjährigen Souly und Emilio. „Die können noch nicht vollwertig mitspielen, das ist ja klar,“ räumt Sophia ein, „aber beim Einsammeln und Suchen des Spielmaterials konnten wir sie einsetzen und sie hatten super viel Spaß dabei.“ Auch Schulkind Sonea findet, dass „es super ist, dass man draußen ist und sich bewegen kann und nicht die ganze Zeit sitzen muss.“

Spiel FREILUFTWELTEN – das Insel-Abenteuer

Denkriesen Verlag, Quickborn.

Autorenteam: Lisa Besse, Jens-Peter Schliemann, Karolina Schnelle, Tina Schuster

In Freiluftwelten wird die Natur selbst zum Spielmaterial. Mit Steinen, Blättern, Zweigen, Sand oder allem, erschafft man fantasievolle Bauwerke, Orte und Szenen. Freiluftwelten passt sich eurer Umgebung an. Draußen wird die Natur selbst zum Spielmaterial und jeder Ort zur Bühne für neue Abenteuer. 

Ab in die Freiluftwelten: Spielgeschehen samt Regeln

Die Köpfe hinter Freiluftwelten

Karolina Schnelle, Lisa Besse, Tina Schuster, Jens-Peter Schliemann

Wer kommt denn auf so was? Lisa Besse, Jens-Peter Schliemann, Karolina Schnelle, Tina Schuster wohnen alle rund um Köln im Rheinland. Seit Jahren veranstaltet der Brettspielautor Jens-Peter Schliemann am Cologne Game Lab Workshops. Hier begegneten sich die vier im Frühjahr 2017 (!) bei einem Seminar zum Thema Brettspielentwicklung. Aus ganz unterschiedlichen Kontexten näherten sie sich dem Thema an, Lisa und Karolina eher vom Design kommend, Tina als Entwicklerin von Seniorenspielen, Jens-Peter mit seinem Hintergrund von Kinder- und Familienspielen. Hier entstand die Idee, für ein kooperatives Brettspiel, dass draußen mit Naturmaterialien zu spielen ist. 

Gut Ding will Weile haben

Wer jetzt behauptet, solch ein Brainstorming sei doch eh für die Katz, da käme eh nie etwas bei raus, hat die Hartnäckigkeit von Brettspielenthusiasten unterschätzt. Gut Ding will Weile haben, etwa sechs Jahre, viele arbeitsreiche Wochenenden und Treffen später, war der Prototyp fertig. „Was besonders spannend ist“, so Karolina, „dass wir aus ganz unterschiedlichen Berufen, Altersgruppen, Lebensumständen kommen und unser gemeinsames Ergebnis langsam wachsen durfte.“ Sie weiß, wovon sie spricht, denn die junge Frau hat in diesen Jahren einen Masterabschluss geschafft, geheiratet, zwei Kinder geboren – mehr Wandel geht nicht. Also sind unterschiedliche Ideen und Ansätze ins Spiel eingeflossen, „das war echtes Teamwork, die Aufgabe hat dieses Team geformt“, formuliert Tina Schuster. „Das Projekt besaß die Kraft, so unterschiedliche Menschen zusammenzubringen und zu halten. Als das Ergebnis Verlagsreife erlangt hatte, zahlten sich die Kontakte des „Kinderspiel-des-Jahres-Gewinners“ Jens-Peter Schliemann aus: „Die normale Brettspielbranche ist zu nerdy für so eine Idee. Also haben wir Denkriesen angesprochen, in Nürnberg, auf der Spielwarenmesse 2024. „Die waren ausreichend verrückt für die Insel“, sagt Schliemann und lacht.

Der Verlag: Die Denkriesen aus Quickborn

Die Denkriesen sind ein junger Verlag, der sich auf niederschwellige Spiele spezialisiert hat. Niederschwellig heißt: kurze Erklärung und dann kann man loslegen und schnell Spaß haben. Es begann laut Verlagsgründerpaar, den Schulfreunden Denis Görz und Ricardo Barreto, mit „einer Schnapsidee namens klattschen® im Jahr 2012. Der größte Verkaufserfolg bisher ist eine Um- und Weiterentwicklung eines Klassikers, der bei den Denkriesen aus Quickborn zu „Stadt Land Vollpfosten®“ wurde. Das klingt putzig, ist aber eine echte Erfolgsstory, der Verlag wuchs in wenigen Jahren rasant, verzeichnet Millionenumsätze und beschäftigt heute etwa 70 Mitarbeiter.

Denkriesen setzt auf Familienspiele

Mit den Freiluftwelten bleibt sich Denkriesen einerseits treu, Spiele mit ungewöhnlichem Spielansatz zu veröffentlichen, andererseits ist es der Einstieg ins klassische Autorenspiel. Gründer Ricardo Barreto macht deutlich, dass der Blick für Überraschendes geblieben ist: „Freiluftwelten soll inspirieren, eigene Ideen zu entwickeln, gemeinsam Neues auszuprobieren und jede Spielrunde auf ihre ganz eigene Weise zu erleben. Die besten Ideen entstehen oft dann, wenn man ihnen einfach Raum gibt.“ 

Für Nikolai Nickel ist die Entscheidung Freiluftwelten ins Verlagsprogramm aufzunehmen, „eine logische Fortentwicklung Richtung Familienspiele, etwas, was wir schon länger im Sinne hatten.“ Die Qualität und die Originalität haben den Head of Game Development bei Denkriesen überzeugt. Seine Strategie: „Freiluftwelten hat das Zeug dazu, einen der großen Spielepreise zuerkannt zu bekommen“.

Game Inventor Convention

Gerade weil gute Spielideen eine so zentrale Rolle für die Branche spielen, veranstaltet die Spielwarenmesse die Game Inventors Convention. Dort stellen Spieleautoren und Spieleautorinnen den Spieleredaktionen ihre Prototypen vor. So entstehen genau die Verbindungen, die innovative Spielideen vom Prototyp ins Verkaufsregal bringen. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Spielwarenmesse Group und des Bayerischen Spielearchiv Haar e. V.

Die nächste Game Inventors Convention findet am Freitag, den 5. Februar 2027 statt. Sicher dir deinen Platz als Spieleautorin oder Spieleautor.

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Über den Autor

Peter Budig hat Evangelische Theologie, Geschichte und Politische Wissenschaften studiert. Er war als Journalist selbstständig, hat aber auch über zehn Jahre die Redaktion eines großen Anzeigenblattes in Nürnberg geleitet und war Redakteur der Nürnberger Abendzeitung. Seit 2014 ist er wieder selbstständig als Journalist, Buchautor, Texter und als Trauerredner. Storytelling ist in allen Belangen seine bevorzugte Form.

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