
Die Fachpresse
ToyHistory: Fachblätter und Zeitungen der Spielwarenbrache (1886-1960)
Vorwort der Redaktion
Anlässlich des 75. Jubiläums der Spielwarenmesse erweitern wir das Spirit of Play Online-Magazin um die Rubrik ToyHistory. Zum Auftakt blicken wir auf die historischen Voraussetzungen zurück, die Nürnberg zum Standort der Weltleitmesse für Spielwaren machten. Die Recherchen stammen vom Wirtschaftshistoriker und ehemaligen Direktor des Spielzeugmuseums Nürnberg, Dr. Helmut Schwarz.
Wie in allen Wirtschaftszweigen spielt auch im Spielwarensegment die Fachpresse eine wichtige Rolle als Informationsquelle und Kommunikationsmedium zwischen den Angehörigen der Branche. Dies gilt heute ebenso wie damals, als am 30. Mai 1886 im Verlag des Berliner Unternehmers Karl Wehlack das erste Heft des Wegweisers für die Spielwaaren-Industrie und verwandte Branchen erschien. Dieses älteste Spielwarenfachblatt der Welt verstand sich vorwiegend als Dienstleister und Sprachrohr des Spielwarenhandels. Das anzeigenfinanzierte „Offertenblatt“ wurde vierzehntägig im Wechsel an bis zu 35.000 ausgewählte Adressaten versandt. Dominierten anfangs die Inserate, so nahm im Laufe der Zeit die Bedeutung des redaktionellen Teils dank der Beiträge ausgewiesener Branchenkenner erheblich zu.

Nahezu zeitgleich kamen 1909 zwei weitere Fachzeitschriften auf den Markt: die Rundschau über Spielwaren, Sportartikel und Galanteriewaren und die Deutsche Spielwaren-Zeitung (DSZ) des Nürnberger Verlegers Leo Goldstaub. Die Rundschau erschien in Plauen, wurde aber von Nürnberg aus redaktionell betreut. Sie konnte nur geringe Wirksamkeit entfalten und stellte ihr Erscheinen 1914 ein. Die DSZ hingegen entwickelte sich rasch zum führenden Fachblatt der Branche. Sie war das erste Periodikum, das sich nur der Spielwarenbranche widmete. Sie kam zweiwöchentlich (später monatlich) heraus und fand eine weltweite Leserschaft. Die Redaktion legte von Anfang an Wert auf ein modernes Erscheinungsbild und ergänzte das branchentypische Themenspektrum um fundierte Artikel zu kulturhistorischen, pädagogischen und technischen Spielzeugaspekten.
Die DSZ griff auch aktiv in das Branchengeschehen ein. So schlug sie 1911 (erfolglos) die Gründung einer Spielwarenfachmesse in Nürnberg vor, bereitete aber 1912 (erfolgreich) den Boden für die Gründung des ersten Fachverbands der Metallspielwarenindustrie. Dank ihrer Bedeutung als zentraler Diskussionsplattform wurde die Zeitschrift in den 1920er Jahren zum offiziellen Organ der wichtigsten Branchenverbände. Nach der Gleichschaltung der Presse während des Nationalsozialismus diente sie als Verlautbarungsorgan der neuen Zwangsorganisationen von Handel und Industrie. Während des Krieges fusionierte die nunmehr im Bamberger Verlagshaus Meisenbach erscheinende DSZ mit dem Wegweiser zur neuen Zeitschrift Das Spielzeug.

Mit seiner ab Juli 1946 erscheinenden Fachzeitschrift Spielzeug-Lade (1949 in Das Spielzeug rückbenannt) begleitete Verleger J. A. Meisenbach den Wiederaufbau der deutschen Spielwarenbranche mit großem Engagement. Mit speziellen Exportausgaben setzte sich das einzige verbliebene Fachblatt vehement für die erfolgreiche Rückkehr deutscher Spielwaren auf den Weltmarkt ein. Ebenso wichtig war die publizistische Unterstützung für die Gründung und den Ausbau der Spielwarenfachmesse in Nürnberg.
Zur Messe bestand auch personell eine enge Beziehung: Redakteure der Zeitschrift waren lange Jahre die Pressesprecher des Messeveranstalters. Mit mehrsprachigen Ausgaben reagierte man frühzeitig auf die zunehmende Internationalisierung der Branche im Rahmen des europäischen Einigungsprozesses. Zum 50-jährigen Jubliäum konnte die Redaktion stolz feststellen, Das Spielzeug sei das „bedeutendste internationale Fachblatt der Branche“.
[Das Manuskript schloss Autor Dr. Helmut Schwarz im Juli 2017 ab.]
Zitiervorschlag
Schwarz, Helmut: Die Fachpresse, Manuskript vom Autor abgeschlossen im Juli 2017; posthum online veröffentlicht am 17. August 2026 in: Spirit of Play Online-Magazin. Spielwarenmesse Group, Nürnberg. Online: https://www.spielwarenmesse.de/de/magazin/toyhistory/helmutschwarz-spielwarenfachpresse/ (Zugriff: DD. Monat YYYY).
Über den Autor
Dr. Helmut Schwarz (5. September 1952 - 20. Februar 2022) war Wirtschaftshistoriker und leitete von 1994 bis 2014 das Spielzeugmuseum Nürnberg. Er modernisierte mit seinem Team das Haus, ergänzte den Kinderspielbereich, schuf den Museumsspielplatz mit Café und das virtuelle Depot. Außerdem setzte sich persönlich dafür ein, dass das Deutsche Spielearchiv aus Marburg in Nürnberg ein neues Zuhause fand. Zahlreiche Schriften zur Historie der Spielzeugindustrie entstammten seiner Feder.
Toy History – Die Anfänge der Spielwarenmesse
Dr. Helmut Schwarz recherchierte ab 2016 im Auftrag der Spielwarenmesse eG zur Unternehmensgeschichte. Insbesondere arbeitete er die Voraussetzungen und Faktoren heraus, die zur Gründung der Fachmesse in Nürnberg führten. Die von ihm abgeschlossenen Manuskripte veröffentlicht das Messeteam 2026 im Online-Magazin Spirit of Play anlässlich des 75. Jubiläums der Spielwarenmesse und würdigt damit einen bedeutenden Wissensbewahrer der deutschen Spielwaren- und Wirtschaftsgeschichte.
Die Reihe im Überblick
Die Reihe wird aus neun Web-Kurztexten und sieben Forschungsbeiträgen bestehen, die sich mit den Ursprüngen der Spielwarenmesse befassen.
ToyHistory 01: Die Spielzeugregion Nürnberg | 24. Juni 2026
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Nürnberg (November 2017)
- Web-Kurzfassung: Spielwarenstandort Fürth und Zirndorf (s.u.) (Dezember 2017)
- PDF-Fachartikel: Spielzeugstadt Nürnberg (Januar 2017)
Toy History 02: Spielzeugregionen in Deutschland (siehe oben)
Thüringen – Sächsisches Erzgebirge
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Thüringen (November 2017)
- Web-Kurzfassung: Spielwaren aus dem sächsischen Erzgebirge (s.u.) (November 2017)
Toy History 03: Spielzeugregionen in Deutschland
Württemberg - Berlin und Brandenburg an der Havel
Toy History 03: Spielzeugstädte in Deutschland | 20. Juli 2026
Württemberg – Berlin und Brandenburg an der Havel
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Württemberg (November 2017)
- Web-Kurzfassung: Spielwaren aus Berlin und Brandenburg a. d. Havel (s.u.) (Dezember 2017)
Toy History 04: Wege zum Käufer | 03. August 2026
Spielwarenhandel in Deutschland bis 1945 (siehe oben)
- Web-Kurzfassung: Spielwarenhandel in Deutschland bis 1945 (November 2017)
- PDF-Fachartikel: Wege zum Käufer (Januar 2017) LINK ZU PDF EINFÜGEN
Toy History 05: Die Fachpresse | 17. August 2026
Fachblätter und Zeitungen der Spielwarenbranche (1886 - 1960)
- Web-Kurzfassung: Die Fachpresse der Spielwarenbranche (1886 – 1960) (Juli 2017)
- PDF-Fachartikel: Die Fachpresse der Spielwarenbranche (1886 – 1960) (Juli 2017) LINK ZU PDF EINFÜGEN
Ankündigung für 31. August 2026: Toy History 06: Geschichte der Spielwarenfachverbände
Tauche noch tiefer ein in die Geschichte der Spielwarenindustrie: Das weltberühmte Spielzeugmuseum zeigt auf 1.400 Quadratmetern Fläche die Welt im Kleinen mit einer Fülle außergewöhnlicher Exponate von der Antike bis zur Gegenwart. Neben einem fantasievoll gestalteten Kinderbereich im Dachgeschoss locken auch ein großer Spielplatz im Freien und das Museumscafé im Innenhof.
Ort: Spielzeugmuseum Nürnberg, Karlstrasse 13-15, 90403 Nürnberg
Ausstellung: Games-Geschichte(n) 20. Februar bis 13. September 2026
Zur Webseite Spielzeugmuseum Nürnberg


