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Geschichte der Spielwarenfachverbände

ToyHistory: Verbandsgeschichte der Spielwarenbranche (1900 – 1950)

Vorwort der Redaktion

Anlässlich des 75. Jubiläums der Spielwarenmesse erweitern wir das Spirit of Play Online-Magazin um die Rubrik ToyHistory. Wir blicken auf die historischen Voraussetzungen zurück, die Nürnberg zum Standort der Weltleitmesse für Spielwaren machten. Die Recherchen stammen vom Wirtschaftshistoriker und ehemaligen Direktor des Spielzeugmuseums Nürnberg, Dr. Helmut Schwarz.

Mit der Ausbildung einer differenzierten Industrie‐ und Konsumgesellschaft entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in der Spielwarenbranche die ersten Fachverbände. In diesem außerordentlich heterogenen Wirtschaftszweig begann sich allmählich die Erkenntnis durchzusetzen, dass der vorherrschende Kampf „Jeder gegen Jeden“ auf Dauer allen schadete. Deshalb schloss man sich auf der Basis gemeinsamer ökonomischer Ziele zusammen, um die eigenen Interessen nach außen hin (Politik, Behörden, Arbeiterschaft, Presse etc.) effektiv vertreten zu können. Intern dienten diese Vereinigungen dem Informationsaustausch und der kompetenten Unterstützung der Mitglieder in allen Fragen ihres Metiers.

Die Spielwarenproduzenten schlossen sich zumeist nach Art ihrer Erzeugnisse und/oder ihrer regionalen Herkunft zusammen. So entstanden in den großen Spielzeugregionen Nürnberg‐ Fürth, Thüringen, Sachsen und Württemberg bis Mitte der 1920er Jahre zahlreiche unabhängige Vereinigungen. Vorreiter waren der Verband deutscher Zinnfiguren‐Fabrikanten (gegr. 1904 in Nürnberg) sowie die ökonomisch wichtige Vereinigung der Spiel‐ und Metallwarenfabrikanten und verwandter Geschäftszweige von Nürnberg‐Fürth und Umgebung (gegr. 1912). Die Verbände des Groß‐ und Einzelhandels waren von Anfang an eher deutschlandweit organisiert. So wurde bereits 1903 der für die Spielwarenindustrie bedeutsame Verband Deutscher Waren‐ und Kaufhäuser mit Sitz Berlin gegründet. Im Jahr darauf folgte die zunächst in Witten, dann in Berlin ansässige Vereinigung deutscher Spielwarenhändler (VEDES).

Unter dem Druck der Kriegswirtschaft schlossen sich 1917 in Leipzig auf Initiative Sonneberger Spielwarenunternehmer führende Einzelverbände zum Deutschen Spielwarenverband zusammen. Wegen gegensätzlicher Interessen von Industrie und Handel war diesem ersten Dachverband der Branche jedoch nur ein kurzes Leben beschieden. Erfolgreicher wurde der 1924 in Nürnberg gegründete Reichsverband Deutscher Spielwaren‐Industrieller, dem alle wichtigen Einzelverbände angehörten. Nach 1933 wurden im Zuge der nationalsozialistischen Umgestaltung der Wirtschaftsordnung alle selbstständigen Interessensvertretungen aufgelöst. An die Stelle der bisherigen Verbände traten nach dem Führerprinzip organisierte Wirtschafts- und Fachgruppen mit zwangsweiser Mitgliedschaft.

Ernst Horn wurde von der 1948 gegründete Arbeitsgemeinschaft Spielwarenindustrie im Vereinigten Wirtschaftsgebiet zum Hauptgeschäftsführer berufen. Foto: Spielwarenmesse eG

Nach Kriegsende lösten die Besatzungsmächte alle NS‐Wirtschaftsorganisationen auf. In den Westzonen wurde die Neugründung von freiwilligen Fachverbänden auf Länderebene gestattet. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden deutschen Teilung kam den Verbänden Bayerns und Baden‐Württembergs eine besondere Bedeutung beim Wiederaufbau der Spielwarenbranche zu. Durch ihre Kooperation in der bizonalen Arbeitsgemeinschaft Spielwarenindustrie trugen sie – zusammen mit der VEDES – entscheidend zur Realisierung der ersten Deutschen Spielwarenfachmesse bei.

The DVSI booth at Spielwarenmesse is a networking place with policymakers and experts of toy safety and design and DVSI members. Foto: DVSI Deutscher Verband der Spielwarenindustrie

Die Verbandslandschaft der Spielwarenindustrie blieb in der jungen Bundesrepublik föderal strukturiert. Erst 1974 entstand mit dem in Nürnberg ansässigen Verband der Deutschen Spielwarenindustrie erstmals wieder ein nationaler Dachverband, aus dem schließlich unter dem Eindruck von Wiedervereinigung, EU‐Binnenmarkt und Globalisierung 1991 der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie hervorging.

[Manuskript vom Autor abgeschlossen im Juli 2017]

Zitiervorschlag
Schwarz, Helmut: Geschichte der Spielwarenverbände, Manuskript vom Autor abgeschlossen im Juli 2017; posthum online veröffentlicht am 31. August 2026 in: Spirit of Play Online-Magazin. Spielwarenmesse Group, Nürnberg. Online:https://www.spielwarenmesse.de/de/magazin/toyhistory/helmutschwarz-spielwarenfachverbaende  (Zugriff: DD. Monat YYYY).

Fachartikel zum Download (PDF): Verbandsgeschichte der Spielwarenbranche

Schwarz, Helmut: Verbandsgeschichte der Spielwarenbranche, Manuskript vom Autor abgeschlossen im Januar 2017; posthum online veröffentlicht am 31. August 2026 in: Spirit of Play Online-Magazin. Spielwarenmesse Group, Nürnberg.

Über den Autor

Dr. Helmut Schwarz (5. September 1952 - 20. Februar 2022) war Wirtschaftshistoriker und leitete von 1994 bis 2014 das Spielzeugmuseum Nürnberg. Er modernisierte mit seinem Team das Haus, ergänzte den Kinderspielbereich, schuf den Museumsspielplatz mit Café und das virtuelle Depot. Außerdem setzte sich persönlich dafür ein, dass das Deutsche Spielearchiv aus Marburg in Nürnberg ein neues Zuhause fand. Zahlreiche Schriften zur Historie der Spielzeugindustrie entstammten seiner Feder. 

Toy History – Die Anfänge der Spielwarenmesse 

Dr. Helmut Schwarz recherchierte ab 2016 im Auftrag der Spielwarenmesse eG zur Unternehmensgeschichte. Insbesondere arbeitete er die Voraussetzungen und Faktoren heraus, die zur Gründung der Fachmesse in Nürnberg führten. Die von ihm abgeschlossenen Manuskripte veröffentlicht das Messeteam 2026 im Online-Magazin Spirit of Play anlässlich des 75. Jubiläums der Spielwarenmesse und würdigt damit einen bedeutenden Wissensbewahrer der deutschen Spielwaren- und Wirtschaftsgeschichte.

 

Die Reihe im Überblick

Die Reihe wird aus neun Web-Kurztexten und sieben Forschungsbeiträgen bestehen, die sich mit den Ursprüngen der Spielwarenmesse befassen.

ToyHistory 01: Die Spielzeugregion Nürnberg | 24. Juni 2026
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Nürnberg (November 2017) 
- Web-Kurzfassung: Spielwarenstandort Fürth und Zirndorf (s.u.) (Dezember 2017)
- PDF-Fachartikel: Spielzeugstadt Nürnberg (Januar 2017)

Toy History 02: Spielzeugregionen in Deutschland (siehe oben) 
Thüringen – Sächsisches Erzgebirge
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Thüringen (November 2017)
- Web-Kurzfassung: Spielwaren aus dem sächsischen Erzgebirge (s.u.) (November 2017)

Toy History 03: Spielzeugstädte in Deutschland | 20. Juli 2026
Württemberg – Berlin und Brandenburg an der Havel 
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Württemberg (November 2017)
- Web-Kurzfassung: Spielwaren aus Berlin und Brandenburg a. d. Havel (s.u.) (Dezember 2017)

Toy History 04: Wege zum Käufer | 03. August 2026
Spielwarenhandel in Deutschland bis 1945 (siehe oben)
- Web-Kurzfassung: Spielwarenhandel in Deutschland bis 1945 (November 2017)
- PDF-Fachartikel: Wege zum Käufer (Januar 2017)  

Toy History 05: Die Fachpresse | 17. August 2026
Fachblätter und Zeitungen der Spielwarenbranche (1886 - 1960)
- Web-Kurzfassung: Die Fachpresse der Spielwarenbranche (1886 – 1960) (Juli 2017)
- PDF-Fachartikel: Die Fachpresse der Spielwarenbranche (1886 – 1960) (Juli 2017)

Toy History 06: Geschichte der Spielwarenfachverbände | 31. August 2026
- Web-Kurzfassung: Geschichte der Spielwarenfachverbände (Juli 2017)
- PDF-Fachartikel: Verbandsgeschichte der Spielwarenbranche (1900 – 1950)(Januar 2017)

Ankündigung für 14. September 2026: Toy History 07: Messegeschichte der Spielwarenbranche vor 1950

 

Spielzeugmuseum Nürnberg

Tauche noch tiefer ein in die Geschichte der Spielwarenindustrie: Das weltberühmte Spielzeugmuseum zeigt auf 1.400 Quadratmetern Fläche die Welt im Kleinen mit einer Fülle außergewöhnlicher Exponate von der Antike bis zur Gegenwart. Neben einem fantasievoll gestalteten Kinderbereich im Dachgeschoss locken auch ein großer Spielplatz im Freien und das Museumscafé im Innenhof. 

Ort: Spielzeugmuseum Nürnberg, Karlstrasse 13-15, 90403 Nürnberg
Ausstellung: Games-Geschichte(n) 20. Februar bis 13. September 2026

Zur Webseite Spielzeugmuseum Nürnberg

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