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Messegeschichte der Spielwarenbranche vor 1950

ToyHistory: Konsumgütermessen in Leipzig, Hannover, Köln, Frankfurt

Vorwort der Redaktion

Anlässlich des 75. Jubiläums der Spielwarenmesse erweitern wir das Spirit of Play Online-Magazin um die Rubrik ToyHistory. Zum Auftakt blicken wir auf die historischen Voraussetzungen zurück, die Nürnberg zum Standort der Weltleitmesse für Spielwaren machten. Die Recherchen stammen vom Wirtschaftshistoriker und ehemaligen Direktor des Spielzeugmuseums Nürnberg, Dr. Helmut Schwarz.

Von Dr. Helmut Schwarz

Schon in vorindustrieller Zeit war Spielzeug Handelsgut auf deutschen Messeplätzen, unter denen Leipzig im 18. Jahrhundert eine führende Stellung errang. Vor allem Kaufleute aus Nürnberg, aber auch Verleger aus Sonneberg und dem Erzgebirge, boten auf den Leipzi­ger Frühjahrs- und Herbstmessen ihre Spielsachen an. 

Im Zuge der Industrialisierung führten die enorme Erleichterung und Verbilligung des Handels durch die fabrikmäßige Massenproduktion, der Wegfall der Zollschranken und der Aufbau eines dichten Eisenbahnnetzes zum Niedergang der traditionellen Warenmessen. Nur die Leipziger Universalmesse konnte sich behaupten. Nicht zuletzt auf Anregung der Spiel- und Kurzwarenhändler, gingen die Veranstalter nämlich schrittweise dazu über, den Warenverkauf auf der Basis von Muster und Bestellung abzuwickeln. Mit der ersten offiziellen Mustermesse revolutionierte Leipzig 1895 das Messewesen. Dank zahlreicher Modernisierungsmaßnahmen, neuer Messebauten und internationaler Werbekampagnen wurde die Leipziger Mustermesse in der Folgezeit zur welt­weit beachteten und oft kopierten „Mutter aller Messen“. 

Bis 1933 blieb Leipzig – trotz mancher Mängel – das unumstrittene Handelszentrum der Spielwarenwelt. Häufig wurde beklagt, dass sich das Angebot der bis zu 900 Spielwarenfirmen auf zu viele Messehäuser verteilte. Auch fiel die Orientierung bei der hohen Gesamtzahl von Ausstellern aus allen Branchen (10.106 in 1927) sehr schwer. Der Besuch der Leipziger Messen war dennoch ein geschäftliches Muss: Hier trafen sich alle bedeutenden deutschen Spielwarenhersteller mit allen wichtigen Einkäufern aus dem In- und Ausland. Die hier getätigten Geschäftsabschlüsse bestimmten den wirtschaftlichen Verlauf des Jahres. In der NS-Zeit verlor die Messe jedoch wegen der verordneten Abkehr vom freien, grenzüberschreiten­den Warenverkehr ihre für den Spielwarensektor so wichtige Internationalität. 

Mit der Neuordnung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich auch die Messelandschaft grundlegend. In der sowjetischen Besatzungszone wurde das Messewesen zuerst zu neuem Leben erweckt. Auf Geheiß der Militärregierung fand schon im Mai 1946 in Leipzig die erste Messe Nachkriegsdeutschlands statt, an der auch bereits über 200 Spielwarenfirmen teilnahmen. Im Zuge des beginnenden Ost-West-Konflikts wurde jedoch rasch klar, dass Leipzig seine frühere Bedeutung nicht mehr wiedererlangen würde. Infolgedessen bemühten sich in den Westzonen gleich drei Standorte um das Erbe der Leipziger Universalmesse: Hannover, Köln und Frankfurt. Auf Befehl und mit Unterstützung der britischen Militäradministration fand im August 1947 in Hannover die erste Exportmesse statt. Die erste Kölner Konsumgütermesse folgte im September 1947, während die Frankfurter „DM-Messe“ erst nach der Währungsreform im Herbst 1948 ihre Tore öffnete. Auf allen neuen Messen war eine wachsende Zahl von Spielwarenfirmen der Westzonen vertreten. Sie mussten jedoch erfahren, dass solche auf ein Massenpublikum ausgerichteten Vielbranchenmessen kein ideales Umfeld für den Handel mit Spielwaren boten. Vor diesem Hintergrund war es ebenso mutig wie logisch, dass sich die Branche 1950 aus eigener Initiative in Nürnberg eine Spielwarenfachmesse schuf, die ausschließlich auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten war.

Zitiervorschlag
Schwarz, Helmut: Messegeschichte der Spielwarenbranche vor 1950, Manuskript vom Autor abgeschlossen im Januar 2017; posthum online veröffentlicht am 14. September 2026 in: Spirit of Play Online-Magazin. Spielwarenmesse Group, Nürnberg. Online: https://www.spielwarenmesse.de/de/magazin/toyhistory-helmutschwarz-messegeschichte/ (Zugriff: DD. Monat YYYY).

Fachartikel zum Download (PDF): Messegeschichte der Spielwarenbranche vor 1950

Schwarz, Helmut: Messegeschichte der Spielwarenbranche vor 1950, Manuskript vom Autor abgeschlossen im Januar 2017; posthum online veröffentlicht am 14. September 2026 in: Spirit of Play Online-Magazin. Spielwarenmesse Group, Nürnberg.

Über den Autor

Dr. Helmut Schwarz (5. September 1952 - 20. Februar 2022) war Wirtschaftshistoriker und leitete von 1994 bis 2014 das Spielzeugmuseum Nürnberg. Er modernisierte mit seinem Team das Haus, ergänzte den Kinderspielbereich, schuf den Museumsspielplatz mit Café und das virtuelle Depot. Außerdem setzte sich persönlich dafür ein, dass das Deutsche Spielearchiv aus Marburg in Nürnberg ein neues Zuhause fand. Zahlreiche Schriften zur Historie der Spielzeugindustrie entstammten seiner Feder. 

Toy History – Die Anfänge der Spielwarenmesse 

Dr. Helmut Schwarz recherchierte ab 2016 im Auftrag der Spielwarenmesse eG zur Unternehmensgeschichte. Insbesondere arbeitete er die Voraussetzungen und Faktoren heraus, die zur Gründung der Fachmesse in Nürnberg führten. Die von ihm abgeschlossenen Manuskripte veröffentlicht das Messeteam 2026 im Online-Magazin Spirit of Play anlässlich des 75. Jubiläums der Spielwarenmesse und würdigt damit einen bedeutenden Wissensbewahrer der deutschen Spielwaren- und Wirtschaftsgeschichte.

 

Die Reihe im Überblick

Die Reihe wird aus neun Web-Kurztexten und sieben Forschungsbeiträgen bestehen, die sich mit den Ursprüngen der Spielwarenmesse befassen.

ToyHistory 01: Die Spielzeugregion Nürnberg | 24. Juni 2026
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Nürnberg (November 2017) 
- Web-Kurzfassung: Spielwarenstandort Fürth und Zirndorf (s.u.) (Dezember 2017)
- PDF-Fachartikel: Spielzeugstadt Nürnberg (Januar 2017)

Toy History 02: Spielzeugregionen in Deutschland (siehe oben) 
Thüringen – Sächsisches Erzgebirge
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Thüringen (November 2017)
- Web-Kurzfassung: Spielwaren aus dem sächsischen Erzgebirge (s.u.) (November 2017)

Toy History 03: Spielzeugstädte in Deutschland | 20. Juli 2026
Württemberg – Berlin und Brandenburg an der Havel 
- Web-Kurzfassung: Spielzeugregion Württemberg (November 2017)
- Web-Kurzfassung: Spielwaren aus Berlin und Brandenburg a. d. Havel (s.u.) (Dezember 2017)

Toy History 04: Wege zum Käufer | 03. August 2026
Spielwarenhandel in Deutschland bis 1945 (siehe oben)
- Web-Kurzfassung: Spielwarenhandel in Deutschland bis 1945 (November 2017)
- PDF-Fachartikel: Wege zum Käufer (Januar 2017)  

Toy History 05: Die Fachpresse | 17. August 2026
Fachblätter und Zeitungen der Spielwarenbranche (1886 - 1960)
- Web-Kurzfassung: Die Fachpresse der Spielwarenbranche (1886 – 1960) (Juli 2017)
- PDF-Fachartikel: Die Fachpresse der Spielwarenbranche (1886 – 1960) (Juli 2017)

Toy History 06: Geschichte der Spielwarenfachverbände | 31. August 2026
- Web-Kurzfassung: Geschichte der Spielwarenfachverbände (Juli 2017)
- PDF-Fachartikel: Verbandsgeschichte der Spielwarenbranche (1900 – 1950)(Januar 2017)

Toy History 07: Messegeschichte der Spielwarenbranche vor 1950 | 14. September 2026
- Web-Kurzfassung: Messegeschichte der Spielwarenbranche vor 1950 (Juli 2017)
- PDF-Fachartikel: Leipzig, Hannover, Köln, Frankfurt. Messegeschichte der Spielwarenbranche vor 1950(Januar 2017) 

Ankündigung für 28. September 2026: Toy History 08: Nürnberg und der Wiederaufbau der Spielwarenindustrie
 

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